16.05.02

16.5.2002: Jenbacher AG streitet weiter mit ehemaligem Vertriebspartner Soffimat

Der Kraftwerkshersteller Jenbacher AG (WKN: 851442) aus Österreich hat zu dem Streit mit seinem ehemaligen französischen Vertriebspartner Soffimat Stellung genommen. Der Gaskraftwerkproduzent Jenbacher hat nach eigenen Angaben den Distributionsvertrag mit Soffimat wegen Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtungen im Frühjahr 2001 gekündigt und bearbeitet den französischen Markt seither im Rahmen einer eigenen Tochtergesellschaft. Soffimat bekämpft die Rechtmäßigkeit dieser Kündigung bei Gericht und wirft Jenbacher Vertragsbruch und Geschäftsstörung vor. Jenbacher räumt dem juristischen Vorgehen von Soffimat nach eigenen Angaben wenig Chancen auf Erfolg ein.
Bei den zwei hauptsächlichen Gerichtsverfahren geht es um 86 bzw. 32,5 Millionen Euro, also um einen Gesamtstreitwert von nahezu 120 Millionen Euro. Laut Jenbacher ist der in den zwei Hauptverfahren geltend gemachte Gesamtanspruch allerdings auf dasselbe wirtschaftliche Ziel gerichtet. Daher sei die von der Soffimat vorgenommene Addition der Klagesummen irreführend.

Jenbacher-Chef Herbert W. Liaunig erklärte gegenüber der Presse, Soffimat habe mit den Betreibern der Jenbacher-Kraftwerke zwar Wartungsverträge abgeschlossen, sei jedoch den Wartungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Um diese Kunden, vor allem französische Großenergieversorger, nicht zu enttäuschen, habe Jenbacher dann direkt Wartungsarbeiten übernommen und den Vertrag mit Soffimat gekündigt.

Jenbacher kritisiert, Soffimat-Geschäftsführer Fahim Samaha versuche, durch seine Darstellung des Sachverhalts bei Medien, Analysten und Kunden Druck in Richtung einer außergerichtlichen Einigung zu erzeugen. Jenbachers Vorschlag zu einer schiedsgerichtlichen Lösung werde, wie Jenbacher sagt, "leider abgelehnt". Im Übrigen werde die Führung der Prozesse dadurch erschwert, dass als Aktionäre der Soffimat u.a. zwei irische Briefkastengesellschaften genannt würden, so Jenbacher.

Die Gesellschaft Soffimat gehört hauptsächlich der Familie Samaha, ein kleinerer Teil ist im Besitz zweier irischer Investmentgesellschaften. Soffimat-Geschäftsführer Samaha betonte gegenüber ECOreporter.de, es handle sich "mitnichten um Strohmann-Unternehmen oder Briefkastenfirmen".

Samaha sagte, er wolle keinen Druck auf die französischen Gerichte erzeugen. Er kritisierte, die Jenbacher AG habe in ihren Quartalsberichten von 2001 und den Presseerklärungen die Probleme in Frankreich nicht offengelegt.

Jenbacher will einen Anteil von 50 Prozent am französischen Gaskraftwerksmarkt erreichen. Aufgrund der Prozesse dürfte das schwieriger werden als erwartet. Ein französischer Marktkenner hatte gegenüber ECOreporter.de erklärt, Jenbacher habe in den vergangenen 10 Monaten keine Kraftwerke in Frankreich verkaufen können. Jenbacher-Sprecherin Dr. Martina Streiter äußerte dazu gegenüber ECOreporter.de: "Der ehemalige Vertriebspartner hat jedenfalls in den letzten Monaten alles versucht, um uns den Marktzugang zu erschweren."

Neben Frankreich ist auch der kalifornische Markt für Jenbacher schwieriger geworden. Streiter meint aber: "Diese Situationen wurden in unserer Planung bereits berücksichtigt und stellen daher kein Problem für die Zielerreichung in 2002 dar." Für Mai und Juni erwarte Jenbacher auch aus Frankreich neue Aufträge.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x