16.06.03

16.6.2003: Wochenrückblick: Pro EEG und Dosenpfand: Gerichte stärken Position der Bundesregierung — farmatic unter einem Euro

Die Indizes der Weltbörsen zeigten in der vergangenen Woche keine einheitliche Tendenz. DAX und MDAX stiegen um ein Prozent, der TecDAX gab ein Prozent nach. Das gleiche Bild war in den USA zu beobachten, dort legte der Dow Jones Industrial Average ein Prozent zu, während sich der Nasdaq Combined Composite Index leicht schwächer zeigte. Der japanische Nikkei-225 war mit einem Plus von zwei Prozent vergleichsweise stark.

Der Bundesgerichtshof hat das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für vereinbar mit Grundgesetz und Europarecht erklärt. Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßte das Urteil und sagte, er erwarte, dass die großen Stromversorger nun ihren Widerstand gegen erneuerbare Energien aufgeben. Trittin verwies darauf, dass in der Branche 130.000 Menschen beschäftigt seien. Der Vorstand des Erkelenzer Unternehmens Umweltkontor Renewable Energy AG forderte Spitzenpolitiker auf, die Stimmungsmache gegen erneuerbare Energien zu beenden. Nach Umweltkontor-Angaben könnte in diesem Bereich langfristig eine halbe Million Arbeitsplätze entstehen.
Umweltkontor ist mit der Projektierung von Windparks und Biomasse-Kraftwerken sowie mit der Herstellung von Biodiesel und Solarzellen befasst. Analysten von Postbank Research äußerten sich kritisch zum Unternehmen, empfahlen aber, die Umweltkontor-Aktien zu "halten". Deren Kurs stieg um drei Cents auf 1,42 Euro.

Zwei andere Aktien hatten ungewöhnliche Kurzuwächse zu verzeichnen. Die Papiere der Dortmunder Harpen AG, einer Betreiberin dezentraler und Erneuerbarer Energien-Kraftwerke, verteuerten sich um 14 Prozent auf 20,30 Euro. Die Anteilsscheine der Berliner Solon AG, eines Herstellers von Solarmodulen, kletterten an der Frankfurter Börse um 24 Prozent auf 2,35 Euro, in Berlin/Bremen sogar auf 2,70 Euro. Insgesamt wechselten im Laufe der Woche aber nur einige tausend Solon-Aktien den Besitzer.

Die SolarWorld AG ist nach eigenen Angaben sowohl in den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse als auch in den Natur-Aktien-Index (NAI) aufgenommen worden. Das Bonner Unternehmen stellt vom Rohstoff Silizium bis zur kompletten Photovoltaikanlage alle Zwischen- und Fertigprodukte selbst her und vermarktet diese. Die Aktie legte drei Prozent auf 4,70 Euro zu.

Die Nortorfer farmatic biotech energy AG meldete den Auftrag zum Bau einer Biogasanlage in Mecklenburg-Vorpommern. Die Anlage solle eine Verarbeitungskapazität von 225.000 Tonnen haben und werde damit die größte landwirtschaftliche Biogasanlage Deutschlands sein, hieß es. Der Auftrag habe ein Volumen von 5,4 Millionen Euro, das Kraftwerk soll im Herbst 2004 fertig sein. Die bereits erteilte Genehmigung wird nach Angaben des Unternehmens derzeit noch überarbeitet. Die Aktie des norddeutschen Kraftwerksbauers stürzte um 33 Prozent auf zum Schluss 0,96 Euro ab.

Der spanische Maschinenbaukonzern Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA) hat den ebenfalls spanischen Windturbinen-Hersteller Made Tecnologias übernommen. Dafür hat Gamesa dem Stromversorger Endesa (Empresa Nacional de Electricidad SA) 25 Millionen Euro gezahlt und übernimmt zudem 95 Millionen Euro an Schulden. Gamesa hat damit seine Marktführerschaft in Spanien deutlich ausgebaut, weltweit nimmt das Unternehmen nun den dritten Platz unter den Windanlagenbauern ein. Die in den vergangenen Monaten kräftig gestiegene Aktie legte in Madrid ein Prozent auf 19,20 Euro zu.

In einem Sondergutachten hat die Monopolkommission erneut den mangelnden Wettbewerb in der deutschen Abfall- und Entsorgungswirtschaft kritisiert. Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung in Wettbewerbsfragen. Sie forderte verbesserte Rechtsvorschriften. In der Frage des Dosenpfands gab es eine richterliche Entscheidung: Das Verwaltungsgericht Berlin beschied der klagenden Einzelhandelskette Rewe, dass die Pfandpflicht auf Einweggetränkeverpackungen mit dem Grundgesetz und dem europäischen Recht im Einklang stehe.
Nach Informationen des Bundesumweltministeriums haben Teile der deutschen Getränkewirtschaft inzwischen zugesagt, doch noch ein bundesweites Rücknahmesystem für bepfandete Einweggetränkeverpackungen aufzubauen. In der ersten Ausbaustufe wollen sich demzufolge cirka 100.000 Geschäfte an diesem System beteiligen, das unter Führung von Lekkerland-Tobaccoland bis Oktober 2003 eingeführt werden soll.

Die Metro AG, Düsseldorf, teilte unterdessen mit, dass sie Getränke nur noch in Mehrwegverpackungen und in pfandfreien Einwegverpackungen verkaufen will. Betroffen seien die Metro-Großmärkte sowie die Supermarktketten Real und Extra und die Lebensmittelabteilungen der Kaufhof-Warenhäuser. Der Lebensmittel-Discounter Plus, Mühlheim, setzt nach eigenen Angaben ebenfalls auf den Ausbau des Mehrweg-Anteils, will aber auch eine sogenannte Insel-Lösung für pfandpflichtige Einweggetränke einführen. Hierbei werden speziell geformte Flaschen angeboten, die eindeutig als "Plus"-Produkt erkennbar sein sollen und nur in diesen Verkaufstellen zurückgegeben werden können. Plus gehört zur internationalen Unternehmensgruppe Tengelmann und betreibt in Deutschland rund 2.700 Filialen.

Auswirkungen können diese Entwicklungen auf den Kurs der norwegischen Tomra Systems ASA haben, die Rücknahmeautomaten für Mehrweg- und Einweg- Verpackungen anbietet. Die Aktie stieg am Freitagnachmittag in Oslo deutlich auf 34,40 Norwegische Kronen (4,19 Euro), was einer Wochenzunahme von acht Prozent entspricht. Nach Börsenschluss in Norwegen kletterte die Aktie in Frankfurt weiter und erreichte in der Spitze 4,70 Euro. Der Schlusskurs lag bei 4,60 Euro.

Der britische Mischkonzern Severn Trent plc meldete die Ergebnisse des Geschäftsjahrs, das am 31. März endete. Der Umsatz habe um 3,2 Prozent auf 1.825 Millionen Pfund zugenommen. Der Gewinn pro Aktie wuchs dagegen auf 58,1 Pence, nach 63,2 Pence im Vorjahr. Im größten Geschäftsfeld Wasserversorgung stiegen die Umsätze um zwei Prozent auf 917,9 Millionen Pfund. Insgesamt wurde eine unveränderte Dividende von 45,9 Pence ausgezahlt. Die Aktie notierte am Freitagabend mit 717 Pence leicht schwächer. Analysten von Lehman Brothers hatten vor Bekanntgabe der Zahlen empfohlen, die Aktie "überzugewichten", das Kursziel laute 795 Pence. Morgan Stanley Dean Witter verwiesen auf das unsichere regulatorische Umfeld, nach ihrer Einschätzung sei die Aktie bei 725 Pence fair bewertet.

Der CEO von Trojan Technologies, Allan G. Bulckaert, hat seinen Rücktritt erklärt. Nachfolger werde Marvin R. DeVries, teilte der kanadische Hersteller von UV- Wasserentkeimungsanlagen mit. Trojan war kürzlich mit dem Versuch gescheitert, die Düsseldorfer Konkurrentin Wedeco AG zu übernehmen. Die Trojan-Aktie gab in Toronto ein Prozent auf acht Kanadische Dollar nach. Wedeco stiegen zwei Prozent auf 10,50 Euro.

Ifco Systems N.V., niederländischer Anbieter von Rundlauf-Logistiksystemen, gab bekannt, dass man über ein Kaufangebot informiert worden sei. Investmentfonds, die von APAX Partners beraten werden, hätten verschiedenen Großaktionären der Ifco ein privates Kaufangebot mit der Absicht unterbreitet, die Mehrheit der Aktien zu erwerben. Nach dem Verständnis von Ifco solle der Kaufpreis bei 2,30 Euro pro Aktie liegen. Der Ifco-Kurs nahm um 30 Prozent auf 2,45 Euro zu.

Analysten von Independent Research empfahlen die Aktie des Bauzulieferers Sto AG zu "kaufen". Sie verwiesen auf die gute internationale Aufstellung des Konzerns. Auf der Basis von Schätzungen errechneten sie für das Jahr 2004 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,5 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,14. Der Buchwert liege bei 19,70 Euro. Sto hat auf die Vorzugsaktien — nur diese sind an der Börse notiert - eine Dividende von 0,79 Euro ausgeschüttet. Die Aktie verbilligte sich um 0,14 Euro oder ein Prozent auf 13,36 Euro.

Das Forschungsinstitut Global Insight Inc. rechnet in seiner aktuellen Studie "Global Construction Study 2003" mit weltweit anziehenden Umsätzen in der Bauwirtschaft. Im laufenden Jahr sollen diese um 2,8 Prozent wachsen, in den nächsten zehn Jahren rechnet das Institut mit einem durchschnittlichen globalen Wachstum von rund fünf Prozent jährlich.

Der kanadische Anbieter von Wasserstoff-Infrastrukturtechnik Stuart Energy Systems Corp. legte den Jahresabschluss vor. Die Umsätze aus Verkauf und Service sind demzufolge um 10,4 Prozent auf 6,5 Millionen Dollar gestiegen. Der Nettoverlust weitete sich um 17,6 Prozent auf 34,1 Millionen Dollar aus. Für das laufende Jahr haben sich die Kanadier viel vorgenommen. So soll unter anderem der Umsatz um eine dreistellige Prozentzahl wachsen und der Geldmittelverbrauch reduziert werden. Die kurzfristigen liquiden Mittel hatten im abgelaufenen Geschäftsjahr von 121,6 Millionen auf 66,3 Millionen Dollar abgenommen. Stuart Energy legten in Toronto sechs Prozent auf 3,30 Kanadische Dollar zu.

Die Aktie der Active Power Inc. hat 16 Prozent ihres Werts verloren, sie notierte zum Wochenschluss bei 1,50 Dollar. Das US-amerikanische Unternehmen hatte nur einen Vertriebserfolg für ihre Unterbrechungsfreien Stromversorgungsgeräte (USVs) gemeldet. Active Powers USVs speichern die elektrische Energie in Schwungmassesystemen. Im Gegensatz zu Batterie-USVs kommen sie daher ohne umweltbelastende Stoffe aus.

Einen Kurssturz um neun Prozent verzeichnete die Aktie des US-amerikanischen Hypothekenfinanzierers Fannie Mae, eines der weltgrößten Unternehmen dieser Art. Grund könnten Untersuchungen beim Konkurrenten Freddie Mac wegen vermuteter Bilanz-Unregelmäßigkeiten sein. Beide Unternehmen sind an der Börse notiert, sie haben aber einen besonderen Status. Von ihnen wird unter anderem keine öffentliche Rechnungslegung wie bei anderen börsennotierten Gesellschaften verlangt. Fannie Mae wird im NAI geführt.

Bei der US-amerikanischen Capstone Turbine Corp. wurde der Kursanstieg der beiden Vorwochen wieder zunichte gemacht, die Aktie verlor ohne erkennbare Gründe 18 Prozent auf 1,21 Dollar. Einen Kursgewinn von zehn Prozent verzeichneten Oxford Health Plans Inc. Der Krankenversicherer aus den USA ist im NAI gelistet, er wurde am Freitag zum Börsenschluss mit 42,50 Dollar notiert. In Deutschland stiegen Centrotec AG um 15 Prozent auf 6,70 Euro.


Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)
Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
Endesa S.A. (ISIN ES0130670112 / WKN 871028)
Fannie Mae (Federal National Mortgage Association) (ISIN US3135861090 / WKN 856099)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Freddie Mac (Federal Home Bancorp) (ISIN US3134003017 / WKN 876872)
Gamesa (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
IFCO Systems N.V. (ISIN NL0000268456 / WKN 157670)
Oxford Health Plans Inc. (ISIN US6914711063 / WKN 882570)
Severn Trent plc (ISIN GB0000546324 WKN 878228)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007471195 / WKN 747119)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)



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