16.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

16.9.2004: "Kleine geile Mädchen" und "Kindersex": Die Google-Aktie als ethisches Investment? Das weltgrößte Internetsuchmaschinen-Unternehmen gibt seinen Kunden anstößige Tipps

Seit kurzem ist die Suchmaschinen-Firma Google Inc. an der Börse gelistet. Damit wird der Senkrechtstarter der Internet-Branche auch für ein nachhaltiges Investment interessant. Aber wie ethisch und sozial ist das kalifornische Unternehmen, wenn es um sein Kerngeschäft geht - die Werbung?

Der kometenhafte Aufstieg von Google binnen weniger Jahre basierte darauf, dass ihre nach eigenen Angaben weltweit größte Suchmaschine eine schnelle und einfache Informationssuche im Internet ermöglicht. Gegenwärtig beantwortet sie mehr als 200 Millionen Anfragen pro Tag. Dieses Angebot ist für die Nutzer kostenlos. Den Jahresumsatz von derzeit etwa 1,5 Milliarden Dollar erzielt Google zu rund 97 Prozent durch Werbeeinnahmen. Die Firma bietet Werbekunden einen besonderen Service: Anzeigen sind genau dann eingeblendet, wenn der Google-Leser nach etwas sucht, das der Werbende verkaufen will. Wer Google beispielsweise nach "Flugreisen Mallorca" fahnden lässt, der wird viele Internetseitenadressen sehen, die ihm die Suchmaschine auflistet. Am Rand der Google-Internetseite wird er jedoch auch Inserate von Reisebüros, Fluglinien und weiteren sehen, die ihre Werbung mit den gesuchten Begriffen "Flugreisen" oder "Mallorca" verknüpfen wollen. Zielgruppengenaue Werbung also. Mit Hilfe so genannter "Google AdWords" können die Kunden ihre eigenen Anzeigen erstellen und auf ihre Zielgruppe hin schneidern. Listen mit zu suchenden Begriffen, mit "Keywords", sollen die Treffgenauigkeit der Anzeigen erhöhen. Denn je zufriedener die Kunden, desto mehr verdient Google.

Doch könnte die Google-Kunst, Treffgenauigkeit zu erzielen, auch denen zu Gute kommen, die es für unseriöse Zwecke nutzen? Ein Beispiel: Gibt der Anzeigenkunde als "Keyword" ein unverfängliches "kleine Kinder" an, so rät Google: "Sie steigern Ihre Klickrate, indem Sie die allgemeinen Keywords durch die hier gezeigten, präziseren und relevanteren Vorschläge ersetzen." In diesen Vorschlägen finden sich dann Begriffe wie: "kleine nackte kinder", "kleine kinder nackt", "kleine kinder sex" und "kleine kinder ficken". Google empfiehlt den Anzeigenkunden an dieser Stelle ferner, zusätzliche Keywords in Betracht zu ziehen, um, wie es wörtlich heißt, die "Zielausrichtung zu verfeinern". Denn immer geht es darum, dass die Anzeigen genau dann eingeblendet werden, wenn irgendjemand auf der Welt einen Begriff bei Google sucht, den der Werbekunde mit seinem Angebot verknüpft sehen will. Die Liste der zusätzlichen Keywords enthält in diesem Fall dann Vorschläge wie: "kinderfick", "kindersex", "kinderpornographie" oder "kinderpornobilder". Wer dieses Verfahren mit Worten wie "jungen" oder "kleines Mädchen" als Keyword wiederholt, wird ähnliche Ergebnisse finden. Google rät dann zu "zielgerichteteren" oder "zusätzlichen" Keywords wie "knabenfick" und "kleine geile mädchen" sowie vielen weiteren.

Google Deutschland, um Stellungnahme innerhalb zweier Tage gebeten, kündigte eine Antwort erst für die nächsten Tage an. Wie skandalös sind die Google-Keyword-Listen? Zunächst einmal: Es sind Keyword-Listen für Anzeigenkunden. Allerdings gibt es auf Google keine Werbung, die mit diesen Begriffen arbeitet. Technische Filter dürften das verhindern, zudem eine Kontrolle durch Google-Mitarbeiter, wie zu vermuten ist. Im Klartext: Google gestattet keine Werbung für Kinderpornos. Wer Google nach Begriffen wie "kinderpornobilder" im Netz suchen lässt, wird keine entsprechende Werbung finden, aber etliche Fundstellen. Darunter vor allem solche, bei denen es um den Schutz der Kinder geht oder um Medienberichte über Kinderschänder. Dennoch: Bietet Google mit dem System, mit dem Anzeigenkunden ihre Anzeigentreffgenauigkeit verfeinern können, nicht auch Missbrauchsmöglichkeiten an? Können nicht auch Kinderschänder mit den treffgenauen Listen, die sie dank der Google-Technologie erhalten, ihre eigenen Internetseiten so trimmen, dass andere Suchmaschinen sie besser finden? Ist es überhaupt in Ordnung, mitzuteilen, dass z.B. Nutzer, die nach "jungen" suchen, auch "jungen wichsen" und vieles weiteres gesucht haben? Einem Unternehmen, dass sich viel auf seine Innovationskraft zu Gute hält, sollte es möglich sein, dem einen Riegel vorzuschieben. Und Begriffe wie "sex mit jungen" nicht mit Sätzen einzuleiten wie "...erhalten Sie Ideen, die Ihnen helfen können, Ihre Anzeigenrelevanz zu erhöhen". Selbst wenn solche Anzeigen dann nicht veröffentlicht würden.

Google Inc.: ISIN US38259P5089 / WKN A0B7FY

Bildhinweis: Die Väter von Google: Larry Page und Sergey Brin / Quelle: Google Italien
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