Nachhaltige Aktien, Meldungen

16.9.2006: Aktuelle Studie: nachhaltigster börsennotierter Autobauer hat durchschnittlichen Flottenverbrauch von etwa sechs Litern

Der nachhaltigste börsennotierte Autobauer weltweit ist derzeit die französische Renault SA. Das hat eine aktuelle Untersuchung der münchener Ratingagentur oekom research ergeben. oekom research analysierte eigenen angaben zufolge die Aktivitäten der weltweit größten börsennotierten Automobilunternehmen und bewertete ihre ökologischen und sozialen Leistungen auf einer Skala von A+ (beste Note) bis D- (schlechteste Note). Als bestes Unternehmen im PKW-Sektor habe mit der Note B der Hersteller Renault abgeschnitten, heißt es, gefolgt von den beiden deutschen Unternehmen BMW und Volkswagen (beide Note B-). Im Bereich der Nutzfahrzeuge hat das schwedische Unternehmen Volvo die Nase vorn.

Vor dem Hintergrund steigender Ölpreise und der wachsenden Abhängigkeit von politisch instabilen Öl-Exportländern gewinne das Thema Kraftstoffverbrauch zunehmend an Bedeutung, so oekom weiter. Die Unersuchung zeige, inwieweit die Branche entsprechende Lösungen anbieten könne. Selbst gesetztes Ziel der Branche sei es, bis spätestens 2009 den durchschnittlichen Fahrzeugverbrauch neuer PKW in Europa auf 5,5 Liter pro 100 Kilometer zu reduzieren. Das entspreche einer Emission von 140 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer. "Die Unternehmen sind allerdings noch deutlich davon entfernt, diese Selbstverpflichtung von 1998 gegenüber der EU einzuhalten und damit auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", betont Maike Hiltner, Senior-Analystin bei oekom research. Das Branchen-Rating mache deutlich, dass die von den Unternehmen bislang veröffentlichten Werte zum Teil noch weit über der Zielmarke liegen. "Entsprechend unserer Schätzungen liegt beispielsweise BMW derzeit bei einem Flottenverbrauch von etwa 7,7 Litern und Honda bei etwa sieben Litern. Das entspricht einem Kohlendioxidausstoß von etwa 178 Gramm bei BMW beziehungsweise 170 Gramm bei Honda", so Hiltner. Im europäischen Vergleich schneide beispielsweise Renault mit einem Durchschnittsverbrauch von etwa sechs Litern (148 Gramm CO2) in den EU-15-Ländern vergleichsweise gut ab. Die Branchenexpertin fügt hinzu, dass solche Werte schwer zu beschaffen sind: "Die meisten Hersteller geben keinerlei Auskunft."

Um ihr Klimaschutzziel bis 2008 tatsächlich zu erreichen, müsste die europäische Automobilindustrie laut oekom etwa ein Viertel der Emissionen im Vergleich zu 1995 einsparen. Gelungen sei ihr innerhalb der letzten zehn Jahre jedoch nur eine Einsparung von etwa 13 Prozent. Um den Prozess zu beschleunigen, drohe die EU-Kommission nun an, die Autohersteller per Gesetz zu mehr Klimaschutz zu zwingen. Die US-Regierung ziehe mittlerweile ebenso Konsequenzen, wenn auch auf weniger hohem Niveau: Amerikanische Autobauer müssten - nach einer Verschärfung bisheriger Regelungen - ihren Flottenverbrauch bis zum Jahr 2011 stufenweise auf durchschnittlich 9,75 Liter pro 100 km gesenkt haben. Dies gelte vor allem auch für die rund 8,5 Millionen Geländewagen und Pickup-Trucks, die teilweise bis zu 30 Liter verbrauchen.

Als weltweit sparsamster PKW, berichtet oekom, gelte derzeit das Hybridmodell "Insight" des japanischen Herstellers Honda mit einem Verbrauch von 2,8 Litern auf 100 Kilometern. "Hybridsysteme sind im Moment die am Markt erfolgreichsten alternativen Antriebssysteme", sagt Hiltner. Neben Honda sei vor allem Toyota mit dem "Prius" am Markt aktiv. "Mittlerweile betreibt jedes der untersuchten Unternehmen in irgendeiner Form Forschung zu alternativen Antrieben", lobt die Analystin. Dabei decke die Branche laut der Studie ein weites Spektrum ab: Biotreibstoffe, Erdgas, Elektro- und Hybridfahrzeuge, Wasserstoffantrieb beziehungsweise Brennstoffzellen. "Zwischen Forschung und Massenproduktion liegt allerdings noch ein großer Schritt", gibt die Hiltner zu bedenken und ergänzt: "Solche motortechnischen Innovationen haben langfristig nur wenig Auswirkungen auf den Klimaschutz, wenn die Autos im Gegenzug immer schneller und luxuriöser werden. Denn damit steigt gleichzeitig auch deren Gewicht und der Verbrauch".
Auch bei den Nutzfahrzeugen würden die alternativen Antriebssysteme noch in den Kinderschuhen stecken. MAN und Volvo beispielsweise könnten zwar Prototypen vorweisen, dennoch: "Bislang kann keines der untersuchten Unternehmen mit überzeugenden Motorlösungen auf Basis regenerativer Antriebe aufwarten", urteilt Till Jung, Branchenanalyst im Bereich Nutzfahrzeuge bei oekom research. Nach Einschätzung der Analysten würden vor allem mit Blick auf die steigenden Ölpreise und dem gleichzeitig hohen Flottenverbrauch künftig alternative Konzepte einen immer höheren Stellenwert einnehmen.

Verbraucher und Behörden werden den Angaben zufolge zunehmend hellhöriger bei dem Thema Emissionen. Das zeigten auch die geplanten "Umweltzonen" in Städten wie Berlin, München oder Stuttgart, in denen ein Verbot für Fahrzeuge mit zu hohen Emissionswerten eingerichtet werden solle. Bei Dieselantrieben hätten vor allem die feinstaubhaltigen Abgase wegen ihrer gesundheits- und umweltschädlichen Wirkung an politischer Brisanz gewonnen. Die Reaktion der Nutzfahrzeug-Hersteller auf diese Problematik sei dennoch ernüchternd: "Die Anstrengungen der meisten Unternehmen gehen nicht über die Einhaltung gesetzlicher Mindestanforderungen hinaus", resümiert Jung die Ergebnisse der Untersuchung. "Bei den PKWs bieten mittlerweile fast alle Hersteller von Dieselfahrzeugen zumindest einige Modelle mit Partikelfilter an", erläutert Maike Hiltner. Audi gelte als Vorreiter: Das Unternehmen rüste alle Diesel-Neufahrzeuge serienmäßig mit Partikelfiltern aus.

Oekom resümiert: Die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Unternehmen wird im wesentlichen davon abhängen, wie gut sie den Spagat zwischen den konventionellen Produktanforderungen wie Leistung, Sicherheit und Komfort einerseits und den ökologischen und sozialen Herausforderungen andererseits meistern. Vor allem im Hinblick auf die steigende Nachfrage in den Schwellenländern wird immer deutlicher, dass eine unveränderte Strategie der Automobilbranche nicht nachhaltig sein kann.

Bild: Hybridmodell "Prius" des japanischen Herstellers Toyota / Quelle: Unternehmen
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