17.01.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

17.1.2007: Vertrauen verspielt - EU-Kommission will Autobauer zu mehr Klimaschutz zwingen

1998 hatte sich der europäische Autoherstellerverband ACEA in einer Vereinbarung mit der EU-Kommission freiwillig verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis 2010 auf 120, mindestens aber bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Während die französischen Hersteller diese Marke fast erreicht haben, werden die deutschen Autobauer sie wohl deutlich verfehlen. Die deutsche Oberklassehersteller wie BMW und Mercedes liegen zum Beispiel bei 180 bis 190 Gramm, Porsche sogar bei 300 Gramm. Darauf hat gegenüber dem Magazin "auto motor und sport" Industriekommissar Günter Verheugen hingewiesen. Statt auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu mehr Klimaschutz zu setzen. Er wolle nun die Branche in den Handel mit Emissionslizenzen einbeziehen und nicht länger auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu mehr Klimaschutz vertrauen. "Das ist eine schlechte Nachricht für die deutschen Premiumhersteller. Die italienischen und französischen Autobauer sind nicht mehr willens, die Deutschen bei den Emissionen ein zweites Mal zu subventionieren", zitierte das Magazin den EU-Kommissar. Umweltkommissar Stavros Dimas hat sich für gesetzliche Regelungen stark gemacht, um die Autohersteller bis 2012 zu einer Begrenzung des Ausstoßes auf durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer zu bringen.

In jedem Fall drohen den Autobauern erhöhte Kosten. Die Züricher Sustainable Asset Management Group (SAM) und das Washingtoner World Resources Institute (WRI) hatten 2005 gemeinsam die Resultate einer Kosten-/Risiko-Analyse im Hinblick auf das freiwillige Abkommen in der europäischen Automobilbranche veröffentlicht, das von den deutschen ja offenbar nicht erfüllt wird. Schon die darin vorgesehene Reduktion der CO2-Emission auf 140 Gramm pro Kilometer würde sich laut der Untersuchung die Produktion um 839 Euro je Fahrzeug verteuern. Unternehmen, die wie etwa Toyota bereits stark in emissionsärmere Fahrzeuge hätten, wären jedoch weniger betroffen. Die Autoren der Studie von SAM und WRI hatten in einer vorangegangenen Studie bereits in 2004 davor gewarnt, dass sich in Europa, den USA und in Japan verschärfte Klimaschutzstandards durchsetzen. Allein dadurch würde sich der Untersuchung zufolge die Autoproduktion erheblich verteuern. So könne etwa in Zukunft jeder BMW den Hersteller 650 US-Dollar mehr kosten. Auf Ford kämen pro Fahrzeug zusätzliche Kosten in Höhe von 403 Dollar zu. Vor allem für Produzenten von Autos im niedrigeren Preissegment werde es schwierig, diese zusätzlichen Kosten an die Kunden weiter zu geben, so der Bericht damals. Honda und Toyota würden laut der Studie am wenigsten von strengeren Standards betroffen. Die Japaner hätten bereits umfassend in energiesparende Antriebstechniken investiert und sich so einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschafft.

Bildhinweis: Hybridfahrzeuge verringern die Klimabelastung: Toyota hat den Prius entwickelt und damit deutschen Autobauern etwas voraus / Quelle: Unternehmen
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