17.01.08 Finanzdienstleister

17.1.2008: Qualitätsstandards für die meistverkaufte Ware der Welt: Geld – Interview mit Urs-Peter Wepfer, Geschäftsführer der Care Group, Zürich

Das Züricher Forschungs- und Beratungsunternehmung Care Group beschäftigt sich mit sozial-ethischer Vermögensverwaltung, Nachhaltigkeitsbewertung und Fondsoptimierung. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Bewertung von Nachhaltigkeitsfonds. Ein interdisziplinäres Team von Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialwissenschaftlern der Care Group analysiert die Fonds. Ziel ist eine umfassende und vergleichbare Bewertung der verschiedenen Produkte. ECOreporter.de veröffentlicht regelmäßig Fondsportraits der Care Group in der Rubrik „Nachhaltigkeitsfonds – Fondsportraits“. Im Interview berichtet Care Group-Geschäftsführer Urs-Peter Wepfer zu Geschichte, Strategie und selbstverständnis des Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr Wepfer, wie ist die Care Group entstanden?
Urs-Peter Wepfer: Care Group ist ein Kind der SRI Initiative, die zu Beginn der 80er Jahre vom Social Venture Network (www.svn.org) in den USA lanciert wurde und die zu Beginn der 90er Jahre auch in Europa Fuß (www.svneurope.com) fassen konnte. Im Rahmen dieser Initiative wurde Care Group 1997 als nachhaltiger Finanzdienstleister in der Schweiz ins Leben gerufen.

Für Orangen, Milch, Kaffee, Blumen, Gebäude, Autos, usw. gibt es seit Jahren Beurteilungskriterien, respektive Qualitätsstandards, die sich nicht nur auf den Preis oder technische Merkmale beschränken. Wir wollten auch für Geld, die meist verkaufte Ware der Welt, Qualitätsstandards setzen, die neben finanziellen Kriterien auch die Umweltverträglichkeit und Sozialqualität der Finanzprodukte berücksichtigen.


ECOreporter.de: Sie tragen unter anderem die Verantwortung für den nachhaltigen Dachfonds Global Sustainable Fund of Funds (CG-GSFF). Was zeichnet den Fonds gegenüber anderen nachhaltigen Dachfonds aus?
Wepfer: Unser Dachfonds ist ein einzigartiges Finanzprodukt, weil wir keine Einschränkungen im Bezug auf das Anlageuniversum kennen. Wir können weltweit die besten Fonds selektieren, egal ob sie zum Vertrieb für Privatinvestoren zugelassen sind oder nicht. Wir führen immer ein umfassendes doppeltes Rating möglicher Zielfonds durch und messen die Sozial- und Umweltperformance von SRI-Fonds mit speziell entwickelten Tools (z.B. MIET zur Messung des ökologischen Fussabdrucks) in der Tiefe.


ECOreporter.de: Warum ist der Fonds nur in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen?
Wepfer: Der Sitz der Fondsgesellschaft ist in der Schweiz, weshalb wir den Fonds zunächst für die Schweiz zum Vertrieb zugelassen haben. Angesichts des Erfolgs in der Schweiz ist eine Zulassung auch für Europa aber durchaus denkbar.


ECOreporter.de: Sie bieten Dienstleistungen im Bereich sozial verantwortlicher Investments an. Welche Kernpunkte muss ein Investment erfüllen, um von der Care Group als „sozial verantwortlich“ eingestuft zu werden?
Wepfer: Zur Einstufung eines Zielfonds in Bezug auf Sozialverträglichkeit müssen die Einzelinvestments geprüft werden. Wir verwerten hierzu die Firmenratings der SIRI Group und arbeiten in der Schweiz zusammen mit Centre Info. Die einzelnen Firmenwerte werden dann zu einem Gesamtrating für den Fonds kumuliert und zu den übrigen geprüften Fonds in Relation gesetzt.


ECOreporter.de: Als weitere Dienstleistung bieten Sie die „Fondsoptimierung“ an. Was ist das?
Wepfer: Auf Basis unserer gesamtwirtschaftlichen Einschätzung erarbeiten wir für jedes Quartal eine Länder- und Brachenverteilung unserer Investments. Unser Optimierungstool errechnet dann auf Basis der vorselektierten Zielfonds die optimale Allokation.


ECOreporter.de: Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Analyse und Bewertung von nachhaltigen Fonds. Was bewerten Sie dabei?
Wepfer: Wir bewerten mögliche Zielfonds anhand folgender Parameter:

- Finanzielle Performance
- Kosten
- Nachhaltigkeit des Zielfondskonzepts
- Nachhaltigkeit des Portfolios
- Engagement
- Transparenz


ECOreporter.de: Im Bereich der Nachhaltigkeitsfonds gibt es – besonders im Hinblick auf ethische und ökologische Kriterien – noch keine allgemeinverbindlichen Normen. Lassen sich die Fonds mit Hilfe Ihrer Analysen vergleichen?
Wepfer: Ja, durchaus. Einerseits vergleichen wir die Fonds „regional“, das heisst wir vergleichen Fonds, die dieselbe Nachhaltigkeitskultur aufweisen. Andererseits ist die Methodologie so gestaltet, dass die verschiedenen Ansätze (Ausschlusskriterien, Best in Class, Engagement, u.a.) im Bewertungsraster enthalten sind.


ECOreporter.de: Sie gehören zu den Unterzeichnern der PRI Principles for Responsible Investment der Vereinten Nationen (UN). Welche Auswirkungen hat das auf Ihre konkrete Arbeit?
Wepfer: Wir wollen die UN-Prinzipien umsetzen, indem wir sie in unserer Arbeit täglich leben.


ECOreporter.de: Ihr Team hat zwölf Mitarbeiter. Arbeiten Sie für Ihre Analysen mit anderen Dienstleistern im Bereich des Nachhaltigen Investments zusammen?
Wepfer: Wir arbeiten mit folgenden Netzwerk-Partnern:

- Centre Info (SIRI Group) für Firmen- & Branchenratings
- Zürcher Kantonalbank für Länderratings
- Gesellschaft für Organisation & Entscheidung (GOE) als Auditpartner


ECOreporter.de: Ihr Unternehmen wurde vor zehn Jahren gegründet. Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Markt für nachhaltige Geldanlagen seitdem verändert?
Wepfer: Die Anzahl der angebotenen Fondsprodukte hat sich in den letzten zehn Jahren verfünfzigfacht!!! Die Professionalität der Ratingteams und der Portfolio-Manager hat sich stark verbessert. Das Publikum bzw. die Nachfrage für nachhaltige Produkte ist massiv gewachsen, schneller als der Gesamtmarkt.

ECOreporter.de: Herr Wepfer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Urs-Peter Wepfer / Quelle: Unternehmen
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