17.03.03

17.3.2003: Wochenrückblick: Windanlagenbauer Vestas und NEG Micon erfolgreich - Whole Foods Markets weiter auf Expansionskurs

(H.K.) Ökonomische Risiken dürfen die Weltwirtschaft nicht aus dem Lot bringen. Das hat der deutsche Bundeskanzler betont. Besonders den Ärmeren und Ärmsten dieser Welt sei keine weitere Belastung zuzumuten. Deshalb müsse die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt werden. Der Kanzler kündigte unter anderem an, für ein Investitionsprogramm 15 Milliarden Euro bereitzustellen. Das Geld soll für langfristige kommunale Aufgaben und für die Sanierung von Wohnungen ausgegeben werden. Nach Angaben eines Sprechers der grünen Bundestagsfraktion sollen auch die Mittel für Bildung und Forschung, unter anderem auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien erhöht werden. Dies träfe sich mit den Vorstellungen der Europäischen Zentralbank, die glaubt, dass Investitionen in Infrastruktur, Erziehung und Unterricht langfristig Wachstum erzeugen.

Stark schwankende Kurse der US-amerikanischen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac gaben erneut Anlass zu Gerüchten, in den USA könnte das Platzen einer Immobilien-Blase bevorstehen. Das Wachstum der US-Wirtschaft beruhe überwiegend auf dem privaten Konsum, der allerdings zum Teil über Kredite finanziert sei. Würden die Grundstückspreise nun fallen, stünde den Konsumenten weniger Geld zur Verfügung. Das könne erhebliche Auswirkungen auf die US- Wirtschaft und damit auf die Weltwirtschaft haben, heißt es. Die Aktie der Fannie Mae (WKN 856099) ist im Natur-Aktien-Index (NAI) enthalten. Nachdem der Kurs im Wochenverlauf unter hohen Umsätzen zunächst auf 58,40 Dollar einbrach, erholte er sich bis Freitag auf 62,58 Dollar, ein Wochenverlust von einem Prozent.

Der DAX sank in der vergangenen Woche um ein Prozent. Der MDAX schloss unverändert zur Vorwoche, während der Nemax-50 um zwei Prozent anstieg. Der US-amerikanische Dow Jones Industrial Average Index legte zwei und der Nasdaq Combined Composite Index drei Prozent zu. In Japan markierte der Nikkei-225 ein Zwanzigjahrestief, insgesamt fiel er um zwei Prozent. Rohöl verteuerte sich um drei Prozent.

Der Bundesrat hat zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts den Vermittlungsausschuss angerufen. Die sogenannte Energienovelle ist damit vorerst gestoppt. Bisher hat sich die Privatwirtschaft - vertreten durch ihre Verbände - im Rahmen einer "freiwilligen Verbändevereinbarung" auf Regeln für den Netzzugang geeinigt. Mit der Novelle wollte die Regierung dafür ein gesetzlich verbindliches Verfahren schaffen. Die Verbändevereinbarung wird seit langem von der Europäischen Kommission und auch von der deutschen Monopolkommission kritisiert; man verlangt statt dessen eine Regulierungsbehörde für die Energiebranche, wie es sie auch in anderen europäischen Staaten gibt. Die Kritiker verweisen auf die im europäischen Vergleich hohen Durchleitungsgebühren für Strom in Deutschland. Der Bundesrat beanstandete in seiner Ablehnung der Novelle das Fehlen eindeutiger Regelungen zur Verhinderung von Missbrauch durch Marktmacht und weitere unklare Formulierungen. Dies könne zu Lasten neuer Anbieter gehen. Infolge der hohen Strom- und Gaspreise würden aber auch die Verbraucher im Standort Deutschland benachteiligt, heißt es in der Begründung des Bundesrats.

Ein wechselhaftes Bild boten in der zurückliegenden Woche die Papiere der europäischen Windturbinen- Hersteller: Die Aktie der Rostocker Nordex AG (WKN 587357) sank nach der Bekanntgabe schwacher Quartalszahlen zunächst auf 0,56 Euro. Nach einer Unternehmensmitteilung über einen größeren Auftrag aus Portugal stieg die Aktie wieder auf 0,68 Euro. Bereits am Mittwoch hatte die dänische Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769) ihren Jahresabschluss vorgelegt. Während die Umsätze um neun Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen sind, hat sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 74 Millionen halbiert. Vestas gibt ihren Weltmarktanteil mit 23 Prozent an. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro wachsen; bei der angestrebten EBIT-Marge von acht Prozent würde ein EBIT von etwa 140 Millionen erreicht werden, so die Planungen bei Vestas. Der Vorstand schlägt den Aktionären eine auf 0,10 Euro halbierte Dividende vor. Die Vestas-Aktie stieg nach den Zahlen um 47 Prozent auf 53 dänische Kronen (7,14 Euro). NEG Micon A.S. (WKN 897922), dänischer Wettbewerber, legten 19 Prozent auf 70 Kronen (9,43 Euro) zu. REpower Systems AG (WKN 617703) aus Hamburg verloren hingegen 15 Prozent auf 14,65 Euro. Die spanische Gamesa (WKN 589858), die kürzlich eine Kooperation mit japanischen Unternehmen gemeldet hatte, notierte leicht schwächer bei 16,70 Euro.

Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) meldete vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2002. Der Umsatz liege bei etwa 120 Millionen Euro, die EBIT-Marge habe 10 Prozent erreicht. In den Zahlen seien die Ergebnisse der am 15. November übernommenen New Mine-Gesellschaften noch nicht enthalten, hier seien außerordentliche Aufwendungen zu erwarten, hieß es aus Erkelenz. Für den entstehenden Gesamtkonzern hatte Umweltkontor am 17. September, bei der Ankündigung der New Mine-Übernahme, Umsatzerlöse von 240 Millionen Euro und ein EBIT von 15,3 Millionen Euro vorausgesagt. Den vollständigen Jahresabschluss will das Unternehmen am 28. März vorlegen. Analysten von Independent Research befürchten hohe Belastungen durch die New Mine und änderten ihre Anlageempfehlung von "halten" auf "verkaufen". Auch die Analysten von SES Research wiesen auf diese Gefahr hin, betonten jedoch die langfristig positive Perspektive und beließen ihre Bewertung bei "outperformer". Die zuvor stark gefallene Aktie legte 30 Prozent auf 1,41 Euro zu.

Das Europäische Parlament hat einer Aufweichung der Vorgaben zur Förderung von Biokraftstoffen zugestimmt. Nach Angaben eines Abgeordneten werde so verhindert, dass eine europäische Richtlinie zur Steuerbefreiung der Biokraftstoffe blockiert werden könnte. Die Blockade sei damit vom Tisch, allerdings auch die Vorgabe von festen Anteilen des Biosprits am Gesamttreibstoffverbrauch, hieß es.

Nach Berichten der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS) ist die Nachfrage nach Solaranlagen in Deutschland im Februar deutlich gestiegen. Demnach wuchs das Interesse an Solarwärme-Anlagen um 20 Prozent, die geplante Solarstromkapazität lag um 70 Prozent höher, jeweils gegenüber Februar 2001. Bei Fotovoltaik-Anlagen erwartet der Bundesverband Solarindustrie (BSI) im laufenden Jahr ein Wachstum von 25 Prozent. Der Verband erinnerte daran, dass zum Jahresende das 100.000 Dächer-Programm auslaufe und forderte eine Erhöhung der Vergütung für den Solarstrom.

Neuer Vorstandsvorsitzender der Freiburger S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100) wird Uwe Ilgemann. Der bisheriger Geschäftsführer des Öko-Instituts wird sein neues Amt zum ersten April antreten. Ilgemann ist bekannt für seine Ansicht, dass Ökologie und Ökonomie nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.

Der Kurs der Nortorfer Biogas-Spezialistin farmatic biotech energy AG (WKN 605192) hat sich von seinem Tief erholt, er stieg um 34 Prozent auf 1,35 Euro.

Der Eisenbahnzulieferer Vossloh AG (WKN 766710) meldete einen Auftrag im Wert von 25 Millionen Euro aus Frankreich. Das Unternehmen aus Werdohl wird 15 Diesellokomotiven an die französische Eisenbahngesellschaft SNCF liefern. Diese sogenannte Europa-Lok ermögliche den grenzüberschreitenden Schienenverkehr ohne aufwändigen Lokwechsel, hieß es. Die Aktien verbilligten sich um sechs Prozent auf 25,60 Euro. Vossloh könnte von der Liberalisierung des europäischen Schienenverkehrs profitieren, die am 15. März startete. Nach Angaben der EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio müssen einige Staaten die EU-Bahnrichtlinie aber noch in nationales Recht umsetzen. Die Kommissarin hofft, dass sich durch die Liberalisierung der Anteil der Bahn am Güterverkehr erhöht.

Die "Mobilen Bürgerdienste" der IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850) haben laut Unternehmensmeldung den deutschen E-Government-Wettbewerb gewonnen. Das Berliner Unternehmen liefert die Software für das Projekt, mit dem Verwaltungsvorgänge nicht nur online, sondern auch mobil verfügbar werden sollen. Die "Mobilen Bürgerdienste" sollen ab 2004 in zwei Berliner Stadtbezirken in der Praxis erprobt werden.

Die FuelCell Energy Inc. (WKN 884382), US-amerikanischer Hersteller von Brennstoffzellen-Systemen, hat über die Ergebnisse des ersten Quartals berichtet. Die Umsätze sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent auf 10,3 Millionen Dollar gestiegen, der Verlust pro Aktie hat sich auf 0,41 Dollar fast verdreifacht. Die Ergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen, der Kurs gab drei Prozent auf 5,31 Dollar nach.

Gegen die US-amerikanische AstroPower Inc. (WKN 912953) wurde Klage eingereicht. Aktionäre des Solarzellen-Herstellers werfen dem AstroPower-Management vor, falsche und irreführende Stellungnahmen zur Marktsituation des Unternehmens verbreitet zu haben. Die AstroPower-Aktie verlor weitere 15 Prozent auf zum Schluss 4,47 Dollar.

Whole Foods Market Inc. (WKN 886391), US-amerikanische Einzelhandelskette für Bio-Lebensmittel, berichtete über die Eröffnung eines großen Geschäfts in der Innenstadt von Atlanta. Dies sei bereits die achte Niederlassung, die im laufenden Geschäftsjahr neu eröffnet werde; insgesamt betreibe man nun 143 Läden, weitere 22 seien im Aufbau, hieß es. Der Kurs kletterte um vier Prozent auf 53,09 Dollar.

Weitere Markterfolge ihres energiesparenden Crusoe-Prozessors meldete Transmeta Corp. (WKN 564775). Der US-amerikanische Chiphersteller veröffentlichte außerdem Einzelheiten seiner neuen Chip-Generation namens "Astro", die ab dem dritten Quartal 2003 in Serie produziert werden soll. "Astro" soll laut Unternehmensangaben bei höherer Leistung den Energieverbrauch noch weiter senken. Die Transmeta-Aktie verbilligte sich um vier Prozent auf 1,21 Dollar.




Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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