17.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

17.3.2004: Steigt die Harpen AG Harpen ins Offshore-Geschäft ein? Zur Bilanzpressekonferenz der Harpen AG

Die Dortmunder Harpen AG will möglicherweise ins Offshore-Windenergie-Geschäft einsteigen. Anlässlich der Bilanzpressekonferenz der Harpen AG sagte Gerd Jäger, Vorstandsmitglied der RWE-Tochter Harpen, dass sich RWE mit diesem Thema auseinandersetze. Jäger ist auch Vorstandsmitglied der RWE Power AG. Es sei noch nicht entschieden, ob Harpen oder RWE Power die Offshore-Geschäfte führen solle, hieß es gegenüber ECOreporter.de.

Die Ursache für die Überlegungen ist Jäger zufolge, dass alle attraktiven deutschen Binnenstandorte vergeben seien. Deshalb prüfe man Standorte für Offshore-Anlagen in der Nordsee. Viel hänge von politischen Entscheidungen bezüglich der Genehmigungsverfahren von Offshore-Parks ab, so Jäger.


Die Harpen AG erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 56,8 Millionen Euro. Damit sei der Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Millionen Euro gefallen. Verantwortlich dafür ist laut Finanzvorstand Roland Stauber die Veräußerung der Verkehrssparte, die 2003 nicht mehr zum Gewinn beitragen konnte. Das um diesen Effekt bereinigte EBIT sei im Vergleich zum Vorjahr um 19,1 Prozent gestiegen. Gegenüber 2000 hat sich das EBIT nahezu verdoppelt: Vor vier Jahren wies Harpen noch einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 30,2 Millionen Euro aus. Die Umsätze sind gegenüber 2002 den Angaben zufolge unbereinigt um 3,1 Prozent auf 264,5 Millionen Euro gewachsen. Die bereinigten Umsätze wuchsen um 30,9 Millionen Euro. Das sind 13,2 Prozent. Harpen plant, eine Dividende von 0,52 Euro pro Aktie auszuschütten.

Durch den Unternehmensumbau könne sich Harpen jetzt ganz auf das Kerngeschäftsfeld Energie konzentrieren, so Jäger. Schon im letzten Jahr seien die Umsätze in diesem Bereich um 22,5 Prozent gestiegen. 2003 trugen den Angaben zufolge insbesondere Windparkprojekte in Südeuropa zur Umsatzsteigerung bei. Im Dezember nahm die Harpen AG ihren ersten italienischen Windpark in der Nähe von Neapel in Betrieb. Jäger zu den Aktivitäten im Windsegment: "Der Ausbau unseres regenerativen Energie-Portfolios erfolgt hauptsächlich in Süd- und Westeuropa. So sind etwa im spanischen Binnenland noch viele windexponierte Lagen verfügbar."

Auch in den nächsten Jahren soll der Fokus der Harpen AG bei der Windkraft in Spanien liegen. Im Juli 2002 erwarb das Unternehmen den spanischen Windparkprojektierer Aersa. Mit dem Tochterunternehmen baut Harpen derzeit acht neue Windparks in Zentralspanien. Damit soll bis Ende 2004 eine Leistung von 177 Megawatt installiert werden.

Die Harpen AG war 2003 aber nicht nur in der Windbranche aktiv: In Portugal wurde ein Wasserkraftwerk mit einer installierten Leistung von 6,5 Megawatt ans Netz angeschlossen. In Zukunft sollen in Portugal noch weitere Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 Megawatt installiert werden.

Zudem ist Harpen an der Essener Mingas-Power GmbH beteiligt. Mingas Power baut Blockheizkraftwerke, die Grubengas verbrennen, das aus Bergwerken austritt. Dieses Gas besteht zum großen Teil aus dem klimaschädlichen Methan. Derzeit sind 26 Blockheizkraftwerke mit einer installierten Leistung von 33 Megawatt in Betrieb. Jäger: "Die jährliche Stromproduktion dieses Anlageportfolios liegt in einer Größenordnung von rund 200 Gigawattstunden. Der Entlastungseffekt für die Umwelt im Vergleich zu einer ungehinderten Methanemission beläuft sich auf rund 2,3 Millionen Tonnen CO2 im Jahr."

Im Geschäftsjahr 2004 will Harpen 80 Millionen Euro investieren (2003: 140 Millionen Euro). Die Aufwendungen sollen insbesondere in das Wachstumsgeschäft Energie fließen. Neben ersten Windparks, die in Frankreich entstehen, sind Projekte zur Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis von Biomasse die Expansionsschwerpunkte. Diese Anlagen werden vor allem im Auftrag mittelständischer Unternehmen erstellt werden. "Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft und im Rahmen von Kostensenkungsprogrammen gehen mittelständische Unternehmen dazu über, ihre Energieversorgung an hochspezialisierte Dienstleister abzugeben", so Gerd Jäger. Man wolle sich auf mittelgroße Kundenkraftwerke fokussieren und sich von kleinen Wärmeversorgungsanlagen trennen. 2003 habe Harpen schon Kleinanlagen mit einem Anschlusswert von rund 92 Megawatt veräußert.

Zu den Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sagte Jäger: "Wir rechnen für 2004 mit einer Steigerung des Konzernumsatzes. Alles in allem gehen wir davon aus, auch 2004 wieder ein Ergebnis zu erzielen, das uns die Ausschüttung einer angemessenen Dividende ermöglichen soll."

Bilder: Vorstand Gerd Jäger, Ebit des Konzerns, Harpen-Windpark in Spanien / Quelle: Unternehmen
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