17.03.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

17.3.2005: F?hren Umweltfrevler wie Alcoa das best-in-class Prinzip ad absurdum? - Nachhaltigkeitsfonds geben den Schwarzen Peter weiter

Die Aluminium Company of America (Alcoa) gilt vielen Natursch?tzern als ein Konzern, der schwere Umwelts?nden zu verantworten hat. Der weltweit f?hrende Aluminiumhersteller steht unter anderem durch sein Projekt im isl?ndischen Karahnjukar in der Kritik. Um ein neues Aluminiumschmelzwerk von Alcoa mit Strom zu versorgen, wird dort bis voraussichtlich 2007 für 1,1 Milliarden Dollar ein Staudamm-Projekt durchgef?hrt, dem eines der letzten Wildnisgebiete Europas mit seltenen Vogel- und Pflanzenarten zum Opfer f?llt. Durch den Bau von neun Staud?mmen und drei Reservoirs werden nach Angaben von Umweltschutzorganisationen wie urgewald mit der Dimmugljufur Schlucht der Grand Canyon Islands, dazu rund 60 Wasserf?lle sowie au?ergew?hnliche geologische Formationen ?berflutet oder durch Flussumleitungen ausgetrocknet.

Laut urgewald ist das K?rahnj?kar Projekt das erste einer Serie von Staudammprojekten für neue Aluminiumschmelzwerke, die Island zum gr??ten Produzenten von Aluminium in Westeuropa machen soll. F?r den US-Konzern Alcoa sei der Standort Island nicht nur deswegen attraktiv, weil er durch hohe Subventionen Strom zu einem Spottpreis beziehen k?nne. Alcoa profitierte auch von Islands Ausnahmestatus im Kyoto-Protokoll, das dem Inselstaat erlaube, seine Treibhausgasemissionen zun?chst noch zu erh?hen. Als Industriezweig mit hohen Schwefeldioxidemissionen k?nne sich die Aluminiumindustrie durch diese Ausnahmeregelung erhebliche Kosten für Umweltschutzmassnahmen einsparen. So schlie?e Alcoa einige seiner Werke in den USA, w?hrend auf Island ein neues entsteht, das internationale Emissionsstandards missachte. Die Schwefeldioxid- Emissionen des neuen Werks l?gen 12mal h?her als Richtwert der Weltbank für moderne Aluminiumschmelzwerke.

Wie eine Nachforschung in der Datenbank ECOfondsreporter ergab, ist die Aktie von Alcoa in mehreren im deutschsprachigen Raum erh?ltlichen Nachhaltigkeitsfonds vertreten. ECOreporter.de befragte das Management einiger dieser Fonds, inwiefern Alcoa dennoch als nachhaltige Aktie einzustufen sei. Zu diesen Fonds geh?ren etwa der Postbank Dynamik Vision, der KCD-Union-Aktien Nachhaltig DJSG-Index der Union Investment Privatfonds GmbH und der DLI-Global Quality der Delta Lloyd Investment Managers GmbH. Die Antworten auf die Anfrage von ECOreporter.de lautete unisono, dass zum einen Alcoa nur ein kleiner Posten im Portfolio sei, zum anderen nicht das Fondsmanagement die Aktie auf ihre Nachhaltigkeit hin bewerte. Dieses ?berlasse man der SAM Indexes GmbH und w?hle aus den Unternehmen aus, die SAM (Sustainable Asset Management) für den Nachhaltigkeitsindex DJSI ausw?hle. Somit lag der Schwarze Peter bei dem Schweizer Verm?gensverwalter SAM.

Dort ist Sybille Borner die für Alcoa zust?ndige Nachhaltigkeitsanalystin. Sie erl?uterte gegen?ber ECOreporter.de, warum der Aluminiumhersteller Eingang finden konnte in den SAM-Nachhaltigkeitsindex DJSI World. Dieser umfasst die hinsichtlich Nachhaltigkeit f?hrenden 10 Prozent jeder Branche unter den weltweit gr??ten 2500 Unternehmen. Im Branchensektor Basic Materials z?hlt SAM Indexes dazu neben Alcoa ebenfalls umstrittene Firmen wie Dow Chemical, Rio Tinto oder Bayer. Laut Sybille Borner geh?rt Alcoa in diesem Sektor "zu den Nachhaltigkeitsleadern, es lassen sich viele Beispiele lobenswerten Verhaltens finden". Sowohl die Umweltbilanz als auch die Umweltberichterstattung des US-Konzerns liege ?ber dem Branchendurchschnitt. Das Unternehmen habe sich bis 2020 ehrgeizige Ziele für mehr Klimaschutz und eine geringere Belastung von B?den und Gew?ssern gesetzt. Auch verfolge Alcoa eine hervorragende Strategie zur F?rderung der Artenvielfalt. Das Islandprojekt des Unternehmens geh?re allerdings "nicht zu den Aush?ngeschildern von Alcoa". Aufgrund dieses Projektes seien ihm bei der Bewertung auch Punkte abgezogen worden. Solch ein Punkteverlust k?nne durchaus dazu f?hren, dass eine Firma nicht mehr zu den besten 10 Prozent geh?rt und somit aus dem DJSI herausf?llt.

"Sie werden bei allen Basic Materials Firmen Projekte finden, die auf berechtigten Widerstand sto?en", erkl?rte Borner gegen?ber ECOreporter.de. Dabei gelte es, den Blick für das Ganze nicht zu verlieren. Gerade in Industrien mit gro?em Einfluss auf Mensch und Umwelt l?gen die gr??ten Verbesserungspotentiale. Sie stellte klar, dass das erreichte Nachhaltigkeitslevel unter den verschiedenen Industrien variiert und SAM keines der Unternehmen im DJSI als vorbehaltlos nachhaltig einstufe. "Wir behaupten lediglich, dass diese Unternehmen nachhaltiger sind als ihre Mitbewerber", so die Nachhaltigkeitsanalystin. In besonders massiven F?llen erlaube das Regelwerk zwar den Ausschluss eines Unternehmen vom DJSI. Aber: "Explizit ausschlie?en werden wir eine Firma nur in extremen F?llen". Alcoa sei bis jetzt kein solcher Fall.

Alcoa (Aluminium Company of America) Inc.: ISIN US0138171014 / WKN 850206

Bildhinweis: Alcoa-Firmenzentrale in Pittsburg, USA; Aluminiumverarbeitung am Alcoa-Standort Fusina in Italien / Quelle: Unternehmen
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