17.05.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

17.5.2004: Wochenrückblick: Streit um CO2-freie Kohlekraftwerke - Bundesrat verzögert EEG-Novelle - Probleme bei Vestas-Offshore-Turbinen

Die Aktienindizes gaben in der vergangenen Woche weiter nach. Zwei Prozent verlor der DAX, fünf Prozent der TecDAX. Ebenfalls um fünf Prozent sank der japanische Index Nikkei-225. In New York wurden der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Combined Composite Index je ein Prozent niedriger notiert. Der Euro zog leicht auf 1,1888 US-Dollar an.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone ist im ersten Quartal 2004 um 1,3 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr des Vorjahres gewachsen. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mit.

Das US-amerikanische Worldwatch Institute äußerte Kritik am Konzept des BIP. Eine nachhaltige Ökonomie benötige eine andere Methode, um die menschliche Aktivität zu messen und Signale für Investoren, Produzenten und Konsumenten zu liefern. In einem nachhaltigen Wirtschaftssystem würden Umsätze und Profite der Unternehmen nicht mehr mit der Maximierung von hergestellten und verkauften Produkten verknüpft sein, sondern am Nutzen für den Menschen gemessen. Material- und Energieverbrauch würden dadurch gesenkt, der Qualität käme die entscheidende Rolle zu, heißt es in der Studie "State of the World", die das Institut jährlich herausgibt.

Die Preise für Rohöl verharren weiter auf historischen Höchstständen. An der New Yorker Börse erreichten Kontrakte für die Sorte Light Sweet Crude sogar ein Allzeithoch von 41,50 Dollar.

Nach Angaben von Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für nachhaltige Entwicklung beim Bundeskanzler, sei eine Dekarbonisierung - also der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern - keine Perspektive für die globale Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten. Auf dem Kongress "Innovative Technologien zur Stromerzeugung - Auf dem Weg zu CO2-freien Kohle- und Gaskraftwerken" wies Hauff darauf hin, dass insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer oftmals über große Vorräte des CO2-intensiven Energieträgers Kohle verfügten, auf die sie nicht verzichten würden. Deutschland sollte hier eine Technologieführerschaft anstreben. Nach Angaben von Hauff würden die Ölressourcen noch knapp 100 Jahre reichen, die gesamten theoretisch denkbaren fossilen Ressourcen sogar 150 Jahre. Der Vorsitzende ging allerdings nicht auf die Frage ein, ob die Rohstoffländer ihre Vorräte auch an die Industrieländer mit ihrem großen Energiehunger verkaufen wollen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. wies in einer Stellungnahme an den Rat darauf hin, dass technische Lösungen, das Kohlendioxid (CO2) abzuscheiden und zu lagern, weniger nachhaltig seien als Maßnahmen zur Emissionsreduktion durch Effizienzsteigerung und zum Ersatz fossiler Brennstoffe - auch aus ökonomischer Sicht. Biologen wiesen unterdessen auf Gefahren für die Nahrungsketten hin, sollten Pläne Wirklichkeit werden, das abgeschiedene CO2 in den Weltmeeren zu speichern. Nach verschiedenen Publikationen der letzten Monate ist zudem Hauffs Angabe falsch, die Ölreserven würden noch 100 Jahre ausreichen - es dürfte wesentlicher kürzer sein.

Der Bundesrat hat die Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes an den Vermittlungsausschuss verwiesen. Dieser soll am 26. Mai über das Gesetz beraten. Es könnte damit frühestens am 15. Juli 2004 in Kraft treten. Hätte der Bundesrat zugestimmt, wäre das Gesetz schon am 1. Juni wirksam geworden. Branchenverbände der erneuerbaren Energien wiesen auf die wirtschaftlichen Nachteile hin, die sich aus der Verzögerung ergäben - nicht nur für die regenerative Energiewirtschaft, sondern auch für Anlagenhersteller, Landwirte und die stromintensive Industrie. Nach Einschätzung der Verbände wird die Novelle unverändert beschlossen werden, da sie nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf.

SolarWorld AG legte den Bericht für das erste Quartal vor. Der Bonner Konzern präzisierte in dem Bericht seine Pläne für die Ausweitung der Produktion: Geplant sei der Ausbau der Zellen- und Modulkapazitäten sowie eine Steigerung der Waferproduktionsbasis. Dem Zahlenwerk zufolge haben sämtliche Konzernsegmente ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Das schwächste Ergebnis lieferte der Bereich Handel, das Vertriebssegment. Die SolarWorld-Aktie kletterte um zwölf Prozent auf 21 Euro.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG wies in seinem Quartalsbericht einen Umsatz von 14,3 Millionen Euro aus, nach 3,9 Millionen im ersten Quartal des Vorjahres. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist mit 0,6 Millionen Euro positiv. Die in den vergangenen 18 Monaten umgesetzten Rationalisierungsmaßnahmen seien damit abgeschlossen, hieß es. Im Juni des Jahres soll eine dritte Fertigungslinie installiert werden. Sie werde über ein Kreditinstitut finanziert und soll im zweiten Halbjahr den Betrieb aufnehmen. Die Eigenkapitalquote der Solon AG lag am 31. März bei 4,5 Prozent. Solon stürzten um elf Prozent auf 8,80 Euro ab.

Die Solar-Fabrik AG, ein Modul-Hersteller aus Freiburg, berichtete Quartalsumsätze von 9,3 Millionen Euro, eine Steigerung um 91 Prozent. Das EBIT ist mit 9.300 Euro erstmals positiv. Das Nettoergebnis liegt infolge der Zinslast im roten Bereich. Für das Gesamtjahr hofft der Vorstand auf den Turnaround. Der Kurs gab zwei Prozent auf 7,00 Euro nach. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg erhöhten ihre Gewinnprognose für die Solar-Fabrik. Die Aktie sei jedoch auch auf Basis der neuen Prognosen überbewertet, Anleger sollten sie "verkaufen", meinten die Analysten.

Die S.A.G. Solarstrom AG, ein Projektierer und Betreiber von Solarstrom-Kraftwerken aus Freiburg, berichtete über eine gute Auftragslage. Diese stelle den geplanten Jahresumsatz von 16 Millionen Euro sicher, sagte Finanzvorstand Benedikt Ortmann. Ab dem kommenden Jahr wolle man schwarze Zahlen schreiben, so Ortmann. S.A.G. verloren nach einem Ausflug über die drei Euro-Grenze 13 Prozent auf 2,48 Euro.

Der Windturbinen-Hersteller REpower Systems AG meldete eine um 13 Prozent gesteigerte Gesamtleistung von 41,2 Millionen Euro für das erste Quartal. Der Umsatz ist jedoch um ein Drittel auf 21,4 Millionen Euro gesunken. Man habe in diesem Quartal keine eigenen Projekte umsatzwirksam realisiert, heißt es im Bericht des Hamburger Konzerns. Nur neun Anlagen seien umsatzwirksam verkauft worden, weitere zehn seien Teil eines Portfolios, welche dem Erwerber eines Großprojektes vertragsgemäß angeboten worden seien. Diese insgesamt 41 Windenergieanlagen seien bereits im Vorjahr verkauft worden. Das EBIT ist mit minus 3,3 Millionen Euro wie im Vorjahresquartal negativ. Vorstandsvorsitzender Fritz Vahrenholt sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX, er glaube, als Technologieführer unabhängig bestehen zu können. Man werde sich aber möglichen Zusammenschlüssen nicht verschließen, wenn eine strategisch günstige Situation bestehe. REpower legten ein Prozent auf 18,14 Euro zu.

Wettbewerber Nordex AG berichtete für das abgelaufene Quartal Umsätze von 120 Millionen Euro, ein Rückgang um 20 Prozent. Aufgrund restriktiverer Bilanzierungsmethoden sei ein direkter Vergleich mit dem Vorjahresquartal nicht sinnvoll, hieß es. Der EBIT-Verlust hat sich auf minus 12,5 Millionen Euro mehr als halbiert. Die eigenen Planungen seien damit übertroffen worden. Dies sei als Erfolg der laufenden Restrukturierung zu werten, die mittlerweile zu 70 Prozent abgeschlossen sei. Der Auftragseingang sei in den letzten beiden Quartalen um 16 Prozent auf 124 Millionen Euro gestiegen, wobei 65 Prozent der Bestellungen aus dem Ausland gekommen seien. Im kommenden Geschäftsjahr wollen die Hamburger in die Gewinnzone zurückkehren. Die Nordex-Aktie notierte zwei Cent niedriger bei 0,75 Euro.

Der dänische Energieversorger Elsam berichtete über technische Probleme im Offshore-Windpark Horns Rev. Bereits im Herbst 2003 seien Probleme mit den Transformatoren der Windturbinen aufgetreten. Später seien darüber hinaus Produktionsfehler bei einer großen Zahl der Mühlen offensichtlich geworden. Der gesamte Windpark könne nicht zufriedenstellend betrieben werden. Vestas Wind Systems A/S, der Hersteller der Anlagen, sei derzeit mit der Behebung der Fehler befasst. Wegen der Wetterbedingungen in der Nordsee werde erwogen, sämtliche Gondeln abzumontieren, um sie an Land ausbessern zu können. Da Elsam einen Garantievertrag mit Vestas abgeschlossen habe, seien nur begrenzte finanzielle Auswirkungen für Elsam zu erwarten, so der Versorger. Vestas hat bisher keine Mitteilung zu diesem Sachverhalt veröffentlicht. Vestas wurden in Kopenhagen eine halbe Krone höher bei 88 Dänischen Kronen notiert.

Die ostfriesische Enercon GmbH, nach Vestas und General Electric die Nummer drei auf dem Windturbinen-Weltmarkt, hat nach eigenen Angaben Patentrechts-Streitigkeiten mit der US-amerikanischen General Electric Co. beigelegt. Sämtliche Klagen seien auf beiden Seiten zurückgenommen und bereits bestehende Entscheidungen aufgehoben worden. Des weiteren wurde bekannt, dass Enercon sich an dem geplanten Windpark "Borkum Riffgat" in der Nordsee beteiligen will. Enercon hat darüber hinaus zusammen mit dem norwegischen Erdöl- und -gasunternehmen Norsk Hydro ASA ein Demonstrationsprojekt realisiert, welches die Schwankungen des Windstroms durch Speicherung in Schwungmasse-Systemen und Wasserstoff ausgleicht. Nach Enercon-Darstellung sei dies weltweit die erste Anlage im industriellen Maßstab. Die Energieversorgung eines Gemeinwesens könne damit völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen gewährleistet werden, hieß es.

Der Windparkprojektierer Plambeck Neue Energien AG meldete einen Quartalsumsatz von 8,9 Millionen Euro, nach 11,7 Millionen im Vergleichsquartal des Vorjahres. Das EBIT beträgt minus 1,1 Millionen Euro, nach plus 0,7 Millionen in ersten Quartal 2003. Das Unternehmen hat im vergangenen Quartal die Abschreibungsmethode in der Bilanzierung umgestellt. Der Kurs gab drei Prozent auf 2,15 Euro nach.

Bis zum Jahr 2010 sollen sechs Milliarden Euro in Windräder auf See investiert werden. Das sagte Umweltstaatssekretärin Simone Probst auf der Messe WindEnergy in Hamburg.

Die Centrotec AG meldete ein Umsatz- und Ergebniswachstum um jeweils über 30 Prozent im vergangenen Quartal. Das Unternehmen aus Marsberg im Sauerland stellt Wärmerückgewinnungsanlagen für Raumluftsysteme her, Abgassysteme sowie medizinische Produkte und profitiert nach eigenen Angaben vom anhaltenden Trend zur Niedrigenergiebauweise. Die Aktie legte ein Prozent auf 13,35 Euro zu.

Die ITT Industries German Holding GmbH, Tochtergesellschaft der US-amerikanischen ITT Industries Inc., kündigte an, die verbliebenen freien Aktionäre der Wedeco AG im Wege eines Squeeze Out-Verfahrens aus der Gesellschaft zu drängen. Die ordentliche Hauptversammlung der Düsseldorfer Wedeco am 30. August 2004 muss diesem Vorhaben noch zustimmen. Derzeit hält ITT nach eigenen Angaben 95,28 Prozent der Wedeco-Anteile. Der Kurs der Wedeco-Aktie sprang nach Bekannt werden dieser Nachricht um vier Prozent auf 18,72 Euro. Den freien Aktionären des Wassertechnik-Herstellers war zuvor angeboten worden, ihre Anteile zum Preis von 18 Euro an die ITT zu verkaufen.

Die Beate Uhse AG, Flensburg, kündigte eine Entscheidung über den geplanten Einstieg bei der Condomi AG, Köln, noch im laufenden Quartal an. Condomi kletterten um sechs Prozent auf 2,30 Euro.

Der österreichische Wassertechnik-Spezialist Best Water Technology AG (BWT) berichtete über einen Umsatzzuwachs von 16 Prozent auf 113 Millionen Euro im ersten Quartal. Das EBIT ist um 38 Prozent auf 6,7 Millionen Euro gewachsen, der Auftragseingang stieg um 31 Prozent auf 136 Millionen. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einer deutlichen Umsatzsteigerung und einem überproportionalen Ergebnisanstieg. BWT notierten in Wien unverändert bei 19,33 Euro.

Die Lenzing AG aus Österreich meldete Quartalsumsätze von 157 Millionen Euro, nach 151 Millionen im Vorjahresquartal. Das EBIT ging auf 17,1 Millionen von 20,7 Millionen Euro zurück. Der Hersteller von Zellulosefasern macht den schwachen Dollarkurs und Aufwendungen für die Tencel-Übernahme für den Rückgang des Ergebnisses verantwortlich. Lenzing gaben drei Prozent auf 170,06 Euro nach.

Der französische Mischkonzern Suez S.A. rechnet sich gute Chancen im Zuge der Liberalisierung des französischen Strommarktes aus. Der Schwerpunkt der Investitionen liege für Suez bei den erneuerbaren Energien, sagte CEO Gerard Mestrallet gegenüber Agenturen. Suez ist nach eigenen Angaben fünftgrößter europäischer Stromproduzent. Mit jährlich verkauften 207 Terawattstunden liege der Marktanteil in Frankreich bei sieben Prozent. Das Unternehmen betreibt vor allem Wasser- und Atomkraftwerke. Die Aktie wurde am Freitag in Paris für 15,92 Euro gehandelt.

Bei einigen US-amerikanischen Umweltwerten waren drastische Kursverluste zu beobachten: Gaiam Inc. verloren 18 Prozent, Interface Inc. 16 und Transmeta Corp. 17 Prozent. An der Frankfurter Börse gab es einen Ausverkauf der Umweltkontor Renewable Energy AG. Der Kurs sank um 14 Cent oder 20 Prozent auf 0,57 Euro.

Best Water Technology AG (ISIN AT0000737705 / WKN 884042)
Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Gaiam Inc. (ISIN US36268Q1031 / WKN 929048)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Lenzing AG (ISIN AT0000644505 / WKN 852927)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Suez S.A. (ISIN FR0000120529 / WKN 852491)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)

Bildnachweis: Vestas Windkraftanlagen im Offshorewindpark Horns Rev / Quelle: Unternehmen


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