17.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

17.9.2004: Neues Format - bald eine Öko-Bild? / Öko-Test-Magazin bringt jeden Monat ein Minus / Keine Geldanlage bei grünen Banken / Chefredakteur Stellpflug auch bedeutender Einzelaktionär: Bericht von der Hauptversammlung der Öko-Te

Die Hauptversammlung der Öko-Test Holding AG, Trägergesellschaft der Zeitschrift
Öko-Test, fand am 20. August in Frankfurt statt - aber ohne Aufsichtsrat: Zur formgerechten Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft gehört zwar normalerweise die Teilnahme des Aufsichtsrates und die Leitung der Versammlung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden. Der Aufsichtsrat der Öko-Test Holding AG ließ sich allerdings entschuldigen. Alle drei Mitglieder des Gremiums, berichtete Öko-Test Chefredakteur Jürgen Stellpflug den überraschten und verärgerten Aktionären, kämen aufgrund der unsicheren Wetterbedingungen nicht per Flugzeug nach Frankfurt. Damit blieben auch die beiden Repräsentanten des Grossaktionärs, der SPD-eigenen Medienholding Deutsche Druck-und Verlagsgesellschaft mbH GmbH (DDVG), dem Treffen fern: der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Berendsen, Geschäftsführer der DDVG, und sein Stellvertreter Gerd Walter, ebenfalls Geschäftsführer des Großaktionärs.

Stellpflug, der auch Vorstandsvorsitzender der Öko-Test Holding ist, erklärte, der Verlagsanwalt habe ihm einen 24-seitigen "Leitfaden" für die Versammlungsleitung zusammengestellt. Rund 15 Aktionäre nahmen an dem Treffen am Sitz der Gesellschaft im Frankfurter "Ökohaus" teil, darunter auch einige Aktivisten der ersten Stunde. Medienvertreter waren mit Ausnahme des ECOreporter.de-Redakteurs nicht vertreten. Öko-Test feiert im nächsten Jahr 20-jähriges Bestehen.

Die Versammlungsleitung sei wegen des verhinderten Aufsichtsrates kurzfristig ihm zugefallen, erklärte Chefredakteur Stellpflug den Aktionären. Da er als Vorstand nicht sich selbst entlasten dürfe, würden die Stimmrechte des Großaktionärs DDVG durch eine Vertreterin übernommen. Die Kraftverhältnisse in der Trägergesellschaft der Öko-Test Zeitschrift sind klar: Mit etwa mehr als 2,5 Millionen Anteilsscheinen besitzt die DDVG knapp über 50 Prozent der Stimmen. Chefredakteur Stellpflug verfügt eigenen Angaben zufolge über 340.000 Aktien, er ist nach der SPD Medienholding größter Einzelaktionär. Zusätzlich dazu habe er Vollmachten für cirka 1,5 Millionen weitere Aktien von freien Aktionären, so Stellpflug. Das gesamte Aktienkapital der Gesellschaft besteht aus fünf Millionen Aktien, es gibt 1450 Aktionäre. Durch die per Vollmacht an ihn übertragenen Stimmrechte gebe es in der AG ein gesundes Gegengewicht zum Mehrheitsaktionär, sagte Stellpflug auf Nachfrage von Versammlungsteilnehmern: "Die können nicht alles machen."


Man wolle das an die DDVG verliehene Geld für Projekte einsetzen, erklärte Stellpflug den Aktionären, deshalb sei die kurzfristige Verfügbarkeit so wichtig. Unter anderem plane Öko-Test die Herausgabe neuer Formate. Stellpflug nannte das Schlagwort "Öko-Bild". Die Anlage der liquiden Mittel bei einer Grünen Bank sei kein Thema gewesen, sagte Stellpflug auf Nachfrage von ECOreporter.de. "Nein, uns ging es vorwiegend um Sicherheit und optimal Rendite. Ideologische Aspekte spielten keine Rolle," so Stellpflug.

Eine weitere Frage zielte auf die Vertrauenswürdigkeit des Großaktionärs ab. Der Chefredakteur antwortete: "Fakt war, das wir Mitte des Jahres 2000 pleite waren, das muss man einfach so sagen." Die DDVG habe damals das fairste Angebot gemacht, so Stellpflug. Die Zusammenarbeit verlaufe harmonisch, das SPD-Verlagsunternehmen mische sich in keiner Weise in die redaktionelle Arbeit bei Öko-Test ein. Es gebe bisher auch keine festgeschriebenen wirtschaftlichen Zielvorgaben. "Ich bin nicht unglücklich über den Mehrheitsaktionär", sagte der Öko-Test Chef. Mit anderen Verlagsgruppen wäre es seiner Meinung nach sicher zu Interessenskonflikten bei Werbekunden gekommen, mit der DDVG gebe es diesbezüglich keinerlei Probleme. "Wir haben einen starker Partner gefunden, der uns in zukünftigen schwierigen Zeiten schützen wird", so das Resümee von Stellpflug zur Rolle des Mehrheitsaktionärs.

Heftige Reaktionen der anwesenden Aktionären gab es bei dem der Frage nach der Handelbarkeit der Öko-Test Aktie. Zur Zeit gebe es keinen offenen Handel mit den Papieren, sagte Stellpflug. Allerdings erreichten immer wieder Anfragen von verkaufswilligen Aktionären die Geschäftsführung; die dürfe er nicht weiterleiten, da er sonst Schwierigkeiten mit dem Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bekomme. In einem Fall - der Verkäufer habe auf eine aktuelle Notlage hingewiesen - habe er die Papiere dann selbst gekauft. "Ich wollte helfen und habe statt der zuletzt bezahlten 50-60 Cent je Aktie 70 Cent überwiesen", sagte Stellpflug. Den Aktionären wollte das nicht recht einleuchten: Darf ein Vorstand keine Informationen weitergeben, selbst jedoch auf eigene Rechnung kaufen? Nutzt er damit nicht in unzulässiger Weise seine Position gegenüber anderen kaufinteressierten Aktionären aus? In der Runde wurde Unmut laut: "Für 70 hätte ich auch gekauft!" Ein fairer Preis für die Aktien bilde sich erst durch den Handel über transparente öffentliche Märkte, sagte ein Aktionär. Dafür solle die Gesellschaft, die das schon mehrfach angekündigt habe, nun schnellstens sorgen.

Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte Jürgen Stellpflug dann, dass es kein Hindernis dafür gebe, Öko-Test Aktien ausserbörslich etwa über die Bad Mergentheimer DepotVG zu handeln. "Sie müssen allerdings dafür sorgen, dass die Urkunde bei einer Übertragung der Aktien neu geschrieben wird," so Stellpflug. Bei den durch Öko-Test verwendeten Namensaktien könne das nur direkt bei der Gesellschaft geschehen, die führe das Aktienbuch.

Die neue Formate, die Öko-Test derzeit vorbereite, sollten die Wirtschaftlichkeit verbessern, berichtete der Chefredakteur weiter: "Das Öko-Test Magazin selbst trägt sich nicht, wir machen jeden Monat Minus!" Allein die Testkosten beliefen sich auf über 100.000 Euro im Monat, rechnete er vor. Ziel der neue Produkte, die vor allem kompakt sein sollen, sei die bessere Vermarktung der Inhalte.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarte er Rekordverkaufszahlen, sagte Stellpflug. Genaue Angaben zur aktuellen Lage könne er zwar nicht machen - es seien hohe Vorlaufkosten zu berücksichtigen - ein Plus von 20-25 Prozent im Anzeigengeschäft über alle Bereiche sei aber möglich. Im ersten Quartal habe die Öko-Test eine Auflage von 205.000 Stück gehabt, das Zweite werde allerdings wie saisonal üblich etwas schwächer ausfallen.

Infolge von hohen Abschreibungen musste die Öko-Test Holding AG für das Geschäftsjahr 2003 einen Verlust ausweisen. Die Abschreibungen würden auf den als Vermögen aktivierten Abonnentenstamm der Öko-Test fällig, erklärte Stellpflug den Aktionären. Bei der Umwandlung der ehemaligen Kommanditgesellschaft in eine AG sei es nötig gewesen, den Abonnentenstamm als Vermögen der Gesellschaft zu aktivieren. "Anderes Vermögen besaß Öko-Test nicht mehr!", so der Chefredakteur. Den damaligen Berechnungen sei eine "Abonnentenhaltbarkeit" von 6 1/2 Jahren zugrunde gelegt worden. Daraus habe sich ein Wert von 2,4 Millionen Euro ergeben, auf den nun 6 1/2 Jahre lang Abschreibungen fällig würden.
Öko-Test Chef Stellpflug zeigte sich nicht unglücklich über die hohen Abschreibungen: "Auf diese Weise bleibt das Geld in der Firma und steigert den Unternehmenswert", erklärte er. Auch die Zahlung einer Dividende sei nicht sein primäres Ziel, ergänzte er auf Nachfrage.

Zum Abschluss der Aussprache gelobte Jürgen Stellpflug Besserung in einem Schwachpunkt der Öko-Test AG: "Wir werden noch im laufenden Jahr ein Infosystem für unsere Aktionäre in bereitstellen", so Stellpflug. Er bedauere ehrlich, dass der Informationsfluss bisher spärlich gewesen sei. Man müsse allerdings mit einer sehr dünne Personaldecke leben; nicht zuletzt sei die auch Folge der Einsparmassnahmen, durch die sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens deutlich verbessert habe.

Bilder: Öko-Test Chefredakteur Jürgen Stellpflug und Kerstin Thomberg, Finanzvorstand der Öko-Test Holding AG; Blick aus einem Fenster des Öko-Hauses auf die Skyline von Frankfurt; Jürgen Stellpflug; Foyer des Ökohauses; Jürgen Stellpflug und Kerstin Thomberg; Eingang des Ökohauses / Quelle: ECOreporter.de
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