18.11.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

18.11.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Das Jammern in Deutschland wird immer lauter, aber wenigstens hier spielt die Börse nicht mit

(H.K.) Erneut haben Volkswirte die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa gesenkt, was in den Medien ein lautes Wehklagen auslöste und düstere Szenarien hervorrief. Ein Lichtblick: Die deutschen Aktienindizes spiegelten die Stimmung im Jammerland nicht wieder und bewegten sich wenig. Der DAX und die Nemax-Indizes glichen sogar die Verluste der Vorwoche im wesentlichen aus; der MDAX, in der Vorwoche gestiegen, sank wieder etwas zurück. In den USA hat sich die leichte Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Die japanische Börse meldete weiter sinkende Indizes. Der Preis für das Rohöl ist deutlich gefallen.

In den vergangenen Wochen waren wiederholt Äußerungen der großen deutschen Stromversorger zu lesen, dass die erneuerbaren Energien hohe Kosten verursachen würden. Besonders die Windenergie sei für die Versorger betriebswirtschaftlich teuer. Man sehe sich daher gezwungen, die Strompreise zu erhöhen, las man. In der zurückliegenden Woche haben nun mehrere Energiekonzerne ihre Quartalsberichte vorgelegt. Diese Konzerne haben in der ganzen Welt Zukäufe getätigt, auf die nun hohe Abschreibungen vorgenommen werden müssen. Auf Wertpapierbestände und Beteiligungen, die nichts mit dem Kerngeschäft Energieversorgung zu tun haben, wurden hohe Wertberichtigungen vorgenommen. Die Nicht-Kerngeschäftsfelder hatten sinkende Gewinne oder gar Verluste zu verzeichnen. Außerordentlich hohe Gewinnzuwächse gab es hingegen im deutschen Stromgeschäft. So stieg das Betriebsergebnis des zurückliegenden Neunmonats-Zeitraums bei der Düsseldorfer E.ON Energie AG um 52 Prozent, wodurch der gesamte E.ON Konzern sein Betriebsergebnis um 36 Prozent steigern konnte. Die Stromsparte E.ON Energie AG profitierte dabei vor allem vom deutschen Stromgeschäft, geht aus dem Bericht hervor. Ähnlich sind die Zahlen bei der Essener RWE AG, hier steigerte die Stromsparte ihr Betriebsergebnis um 46 Prozent. Auch RWE erzielte die höchsten Gewinnzuwächse durch das Stromgeschäft in Deutschland. Die Energiekonzerne bekräftigten, dass sie trotz der schlechten Konjunktur die angekündigten Ertragssteigerungen erreichen würden. Analysten äußerten sich positiv zu den Aktien dieser marktbeherrschenden Unternehmen. Ein Analyst von Helaba Trust sagte es deutlich: Wegen der "voraussichtlich weiterhin positiven Entwicklung der Strompreise" sollte sich der positive Trend im deutschen Stromgeschäft fortsetzen.

In Australien kündigen sich hohe Zuwachsraten beim Ausbau der Windenergie an. Die staatliche Stromgesellschaft Hydro Tasmania gab die Absicht bekannt, Windparks mit insgesamt bis zu 430 Megawatt aufzubauen. Profitieren könnten davon auch deutsche Turbinenhersteller. Die Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703) hatte bereits im Juli den Markteintritt in Australien gemeldet. REpower-Aktien stiegen in der vergangenen Woche um 15 Prozent auf 23 Euro. Der Kurszuwachs könnte auch durch den Aufstieg der Aktie in den Auswahlindex Nemax-50 begründet sein. Anfang Dezember wird REpower hier Senator Entertainment ersetzen, teilte die Deutsche Börse AG mit.

Auch die Nordex AG (WKN 587357) exportiert einen großen Teil ihrer Windenergie-Anlagen. Aktuell meldeten die Norderstedter einen Auftrag aus China für Anlagen mit insgesamt 16 Megawatt. Nordex ist nach eigenen Angaben Marktführer in China. Der Nordex-Kurs war am Freitag vormittag bis auf 3,18 Euro eingebrochen. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, dass Finanzvorstand Schulz sein Amt niedergelegt habe. Neuer Vorstand für Finanzen und Controlling soll ab 1. Dezember Thomas Richterich sein. Die Aktie ging insgesamt mit einem Wochenverlust von drei Prozent auf 3,30 Euro aus dem Handel.

Die Umsätze der Projektierer von Windkraftwerken beruhen dagegen noch stark auf dem Inlandsgeschäft. Energiekontor AG (WKN 531350, Bremen) und P&T Technology AG (WKN 685280, Hamburg) wollen in dieser Woche ihre Quartalsberichte vorlegen. Die Kurse sanken im Vorfeld schon einmal ab: Energiekontor verloren vier Prozent auf 2,43 Euro, P&T Technology 15 Prozent auf 0,95 Euro.

Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) hat die Übernahme der Beteiligungsgesellschaft New Mine Energy GmbH abgeschlossen. Die Kapitalerhöhung sei ins Handelsregister eingetragen, es gebe nun 26,6 Millionen Umweltkontor-Aktien, davon 30 Prozent im Streubesitz, teilten die Erkelenzer mit. Umweltkontor will weiterhin Windparks und Biomasse-Kraftwerke verkaufen; in zunehmenden Maße wolle man nun auch Solarzellen und Wasserkraftturbinen sowie Biodiesel herstellen. Die Biodiesel-Tochter NEVEST new energy AG hat über die Biodiesel Schwarzheide GmbH im brandenburgischen Schwarzheide eine Produktionsanlage errichtet, die am Freitag in Betrieb genommen wurde. Jährlich sollen hier 100.000 Tonnen Biodiesel aus Rapsöl erzeugt werden. Brandenburgs Umweltminister Wolfgang Birthler will zur Sicherung der Rohstoffversorgung die Raps-Anbaufläche auf das Fünffache vergrößern, jeder Hektar soll mit 45 Euro gefördert werden. Bundesweit gab es zuvor eine Produktionskapazität von 450.000 Tonnen Biodiesel, davon in Brandenburg 65.000 Tonnen. Umweltkontor-Aktien gaben vier Prozent auf 2,45 Euro ab.

Die Produktionskapazität für Solarstromtechnik in Deutschland reiche inzwischen aus, um den Inlandsbedarf vollständig zu decken. Diese Einschätzung gab Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS), auf einer Branchentagung in Berlin. Es gebe inzwischen drei Waferhersteller, neun Zellen- und 22 Modulproduzenten. Die Branche werde künftig mehr exportieren müssen, sagte Körnig.
Die Quartalszahlen des Konstanzer Solarzellen-Herstellers Sunways AG (WKN 733220) fielen erwartungsgemäß schwach aus. Zwar wurde der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent gesteigert, der Auslandsanteil erreicht inzwischen beachtliche 29 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist aber mit minus 0,4 Millionen Euro weiter negativ. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein EBIT von minus 1,8 Millionen - das Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses in diesem Jahr habe man damit aufgegeben. Dennoch will Sunways Anfang 2003 die Produktionskapazität für Solarzellen verdoppeln. Einige Investoren hatten sich wohl besseres erhofft, denn die Aktie verteuerte sich zuvor um zehn Prozent bis auf 2.20 Euro. Mit den Zahlen fiel auch der Kurs zurück, er schloss am Freitag abend bei 1,95 Euro - zwei Prozent weniger als in der Vorwoche.

Die Freiburger Solar-Fabrik AG (WKN 661471) produziert derzeit Solarmodule auf Halde. Im Vergleich zum Jahresanfang haben sich die Lagerbestände auf 13 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Konzern-Fehlbetrag ist für diesen Zeitraum auf 4,9 Millionen Euro angewachsen, das sind minus 0,91 Euro pro Aktie. Auch die Solar-Fabrik setzt Hoffnungen auf ausländische Abnehmer: Bereits jetzt sei der Export-Umsatz drei Mal so hoch wie im gesamten vergangenen Jahr. Die Aktie verlor 17 Prozent auf 2,50 Euro.

Die US-amerikanischen Solaraktien der AstroPower Inc. (WKN 912953) und Spire Corp. (WKN 870534) konnten ihre Vorwochenverluste zum Teil wieder ausgleichen. Weiter gestiegen sind Evergreen Solar Inc. (WKN 578949), die 0,88 Dollar erreichten.

Energy Conversion Devices Inc. (WKN 858643) meldete für das abgelaufene Quartal deutlich weniger Umsatz und ein auf minus 0,16 Dollar pro Aktie verschlechtertes Ergebnis. Sowohl die Solar- als auch die Batteriesparte hätten Verluste verursacht, die höher als erwartet ausgefallen seien, hieß es in der Erklärung. Die Anteilsscheine gaben vier Prozent auf 9,99 Dollar nach.

Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (WKN 540750) aus Marsberg imSauerland konnte sowohl bei den Umsätzen als auch beim Gewinn deutlich zulegen. Der Überschuss sei allerdings durch Goodwill-Abschreibungen belastet. Besonders resistent gegen die Konjunkturschwäche hätten sich die Umweltprodukte gezeigt, hieß es. Dazu zählt Centrotec Systeme zur Wärmerückgewinnung und Abgastechnologie. Die Aktie war im Oktober kräftig gestiegen, sie gab vergangene Woche zwei Prozent auf 6,50 Euro ab.

Die kanadische Hydrogenics Corp. (WKN 588386) meldete für das dritte Quartal einen um 80 Prozent angestiegenen Umsatz. Gegenüber einem Gewinn im Vorjahresquartal musste das Brennstoffzellen-Unternehmen nun allerdings deutliche Verluste ausweisen. Hydrogenics hat Tochterunternehmen in verschiedenen Ländern, unter anderem in Deutschland (Gelsenkirchen). Zu den Kunden gehören vorrangig die Autoindustrie und das Militär. Die Aktie gewann sieben Prozent auf 6,33 kanadische Dollar (3,96 Euro).

Plug Power Inc. (WKN 928999), Hersteller von Brennstoffzellen und Stromgeneratoren aus den USA, gab die Absicht bekannt, den Brennstoffzellen-Hersteller H Power Corp. (WKN 940696) zu übernehmen. H Power stiegen um 71 Prozent auf 3,90 Dollar, Plug Power verloren sieben Prozent auf 5,29 Dollar. Das Übernahme-Karussell wird in Schwung gehalten: Willibald Dörflinger, Vorstand der AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG (WKN 922230), sagte der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins "Euro am Sonntag", er wolle die Beteiligung an der Adcon Telemetry AG (WKN 922220) "deutlich erhöhen", auch eine Übernahme sei nicht ausgeschlossen. Adcon-Aktien notierten am Freitag Abend bei 1,70 Euro.

Wedeco AG (WKN: 514180), ein Hersteller von Anlagen zur chemikalienfreien Wasseraufbereitung, steigerte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres den Umsatz um 77 Prozent. Der Konzernüberschuss sei durch Abschreibungen auf die im Februar übernommene Wedeco UWT belastet, er sei deshalb nur genau so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis pro Aktie belaufe sich auf 0,46 Euro. Die Mitarbeiterzahl ist von 410 im Vorjahr auf nun 732 angestiegen. Die Düsseldorfer bestätigten ihre Jahresziele und kündigten weitere Firmenübernahmen für die Ozonsparte an. Analysten zeigten sich positiv überrascht von der Profitabilität. Wedeco sei Weltmarktführer sowohl bei der Desinfektion mit UV-Licht als auch bei der Reinigung mit Ozon. Die Aktie wurde zum Kauf empfohlen, den fairen Wert sehen die verschiedenen Analystenhäuser zwischen 15 und 18 Euro. Das Papier verteuerte sich um neun Prozent auf 13,08 Euro.

Der österreichische Wasseraufbereiter Best Water Technology AG (BWT, WKN 884042) steigerte seine Umsätze in den zurückliegenden drei Quartalen um zwei Prozent. Das EBIT ist um fünf Prozent zurückgegangen, das Konzernergebnis stieg um sechs Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet die BWT-Gruppe einen um 2,5 Prozent gesteigerten Umsatz bei gleich bleibendem Konzernergebnis. BWT verloren sechs Prozent auf 10,28 Euro.

CCR Logistics Systems AG (WKN 762720), ein Logistik-Anbieter aus München, erzielte einen um acht Prozent höheren Quartalsumsatz, das EBIT wurde auf minus 255.000 Euro verbessert. Ziel sei ein ausgeglichenes Ergebnis, das Unternehmen machte aber keine Angaben dazu, wann dieses Ziel erreicht werden könne. Die Anleger zeigten sich trotzdem optimistisch und handelten das Papier um sieben Prozent auf 1,08 Euro hoch.

Die Bremer Woll-Kämmerei AG (WKN 527200) berichtete über sinkende Umsätze und ein stark negatives Ergebnis. Die Lage in der Textilindustrie sei "schlimm", zudem hätten sich die Einkaufspreise stark erhöht, begründete der Vorstand die schlechten Zahlen. Die Auftragslage lasse eine Auslastung bis in das Jahr 2003 hinein erwarten. Der Kurs der selten gehandelten Aktie gab in der vergangenen Woche an der Frankfurter Börse um neun Prozent auf 10,20 Euro nach.

Zwei Entsorgungsunternehmen konnten in der vergangenen Woche ihre Kurse um je zehn Prozent steigern: Die a.i.s AG (WKN 649290) stieg auf 0,33 Euro, Interseroh AG (WKN 620990) kletterten auf 8,70 Euro. Deutliche Zunahmen gab es auch für den US-amerikanischen Bekleidungshersteller Timberland Co. (WKN 873525). Wild Oats Markets (WKN 903461) stiegen nach dem Einbruch der Vorwoche nun wieder um zwölf Prozent. Wochenverlierer ist die Nürnberger UmweltBank AG (WKN 557080) mit einem Minus von 21 Prozent auf 3,89 Euro.

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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