18.11.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

18.11.2006: Bank Sarasin untersucht Nachhaltigkeit international tätiger Großbanken - gute Noten für britische, niederländische und schweizerische Institute

Die Baseler Bank Sarasin hat vierzehn international tätige Großbanken einem Nachhaltigkeitsranking unterworfen. Die aktuelle Studie der Bank zeigt auf, dass weltweit lediglich vier der untersuchten Institute überdurchschnittliche Werte erzielen. Die britische HBOS führt das Ranking an - die Deutsche Bank findet sich nur im unteren Drittel. Die Ansprüche der Öffentlichkeit an die Banken steigen. Und die Umweltschutzorganisation Urgewald kritisierte jüngst im Rahmen einer Studie die Finanzierung der russischer Ölkonzerne durch deutsche Banken.

Bei den Banken sei Nachhaltigkeit zunehmend in den Fokus gerückt, so Sarasin. Immer mehr Häuser der größten Branche am Aktienmarkt versuchten, sich als sozial, finanziell und ökologisch nachhaltig zu positionieren. Nicht nur für kleine spezialisierte oder gemeinnützige Banken sei ein soziales und Umweltbewusstsein von Bedeutung. Auch große, weltweit tätige Banken würden realisieren, dass ein nachhaltiges Engagement für Reputation und Aktienkurs wichtiger werde.

Im Rahmen der Studie mit dem Titel "Ist Ihre Bankverbindung nachhaltig? - Eine Analyse von Umwelt- und Sozialaspekten bei Großbanken" untersuchte Sarasin die Großbanken anhand eines Kriterienkatalogs. Unter anderem wurde verglichen, ob angemessen über Risiken und Kosten aufgeklärt wird, wie effektiv Interessenskonflikte vermieden werden und ob es negative soziale und Umweltauswirkungen bei der Finanzierungen von Unternehmen gibt. Darüber hinaus prüften die Schweizer Banker die Einhaltung aller Vorschriften für das Bankgeschäft sowie die Sicherung der Arbeitsplätze der Mitarbeiter.


Gleich zwei britische Banken überdurchschnittlich bewertet

Als einzige herausragende Bank erhält die britische HBOS in der Studie überdurchschnittliche Bewertungen in allen Kriterien. Besonders ihr Einsatz für kleine und mittelständische Unternehmen und die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus in großem Umfang führen zu diesem Ergebnis. Positiv fallen ebenso ihr etabliertes Nachhaltigkeitsmanagement, die Förderung von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien sowie ihre Maxime, in potentiell kritischen Bereichen keine Kredite zu vergeben, auf. Lediglich drei weitere Banken werden ebenfalls als überdurchschnittlich bewertet: die niederländische ABN Amro, die britische HSBC sowie die Schweizer UBS. Im Gegensatz zur HBOS sind alle drei Banken auch international tätig und stärker rechtlichen Risiken ausgesetzt. Besonders positiv fällt bei der Entscheidung für ABN Amro der Einsatz für den Schutz der Wälder ins Gewicht. Die HSBC war in den letzten Jahren praktisch skandalfrei und ragt hinsichtlich der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Kreditvergabe heraus. Die UBS bietet im Hinblick auf die Akquisitionen ein positives Bild. Sie achtet darauf, dass die Unternehmenskulturen passen und kauft keine ausländischen Banken, um diese zu restrukturieren oder zerteilen. Des Weiteren hat sie ein sehr gutes Risikomanagement.


Deutsche Bank im unteren Drittel - Vertrauensverlust

Den Banken BNP Paribas, Credit Suisse, Santander Central Hispano und Bank of America stellt Sarasin durchschnittliche Nachhaltigkeitsbewertungen aus. Es seien aber "vielversprechende Konzepte" zu erkennen, hieß es. Die Credit Suisse wolle beispielsweise mit dem Vergleich der Gehälter die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen kompensieren. Unter den sechs Instituten im unteren Drittel des Rankings findet sich neben der weltgrößten Bank Citigroup und der italienischen UniCredito auch die Deutsche Bank. Der deutsche Marktführer habe mit unterdurchschnittlichen Werten im Unternehmensranking knapp die Aufnahme in das nachhaltige Anlageuniversum der Bank Sarasin verpasst, so die Studie. Diese Entscheidung beruhe zum Großteil auf den vielfachen Umstrukturierungen der Bank seit 2001, mit denen Vertrauensverlust und hoher Stellenabbau einhergingen. Außerdem weise die Deutsche Bank Verbesserungspotential beim Risiko- und Reputationsmanagement auf.


Umweltschützer: Deutsche Bank finanziert schmutzige Ölförderung in Russland

Laut einer Untersuchung der Berliner Umweltschutzorganisation urgewald e.V. vom Juli 2006 hat sich die Deutsche Bank über Jahre hin aktiv an der Finanzierung der besonders umweltbelastenden russischen Ölförderung beteiligt. Die Bank sei federführend an acht Krediten mit einer Kreditsumme von 6,8 Milliarden US-Dollar beteiligt gewesen, so urgewald. Jeweils drei Kredite an Gazprom und Rosneft und einen Kredit an TNK-BP und Yukos habe sie aktiv mitgestaltet. Ihren letzten großen Auftritt als federführende Konsortialbank habe die größte deutsche Bank im Zusammenhang eines Zwei-Milliarden-Dollar-Kredits zur Exportvorfinanzierung an Rosneft im November 2005 gehabt. Anfang 2006 übernahm die Deutsche Bank der Studie zufolge zudem die restlichen 60 Prozent an der russischen Investmentbank United Financial Group (UFG ), von der sie 2004 schon 40 Prozent erworben hatte. Die jetzt Deutsche UFG genannte Bank sei vor allem als Finanzberater (financial adviser) für die größten russischen und multinationalen Konzerne tätig. Sie habe bei zahlreichen bedeutenden Transaktionen und Übernahmen im russischen Ölsektor eine Rolle gespielt.

Wie die Studie der Umweltschützer detailliert beschreibt, stellt das Ölgeschäft eine große Bedrohung für die Umwelt dar. Auf dem Papier seien die russischen Umweltgesetze stark, doch die Realität sehe anders aus: Wo die Umweltgesetze der Ölindustrie im Wege stünden, würden sie umgangen. Marode Pipelines und Lecks verseuchten großflächig Landstriche und vergifteten Mensch und Natur. Diese Katastrophe werde weitgehend ignoriert.

Anfang 2006 hat auch die Münchener Ratingagentur oekom eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit von Banken veröffentlicht. Als bestes Geldinstitut ermittelte die Agentur die australische Bank Westpac Banking Corporation. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag vom 26. Februar 2006.

Bild: Sitz der Bank Sarasin in Basel / Quelle: Unternehmen
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