18.02.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

18.2.2004: Plambeck Neue Energien: Fragwürdige Kritik der Aktionärsschützer und eine Kaufempfehlung

Wechselduschen für die Cuxhavener Plambeck Neue Energien AG: Die Zeitschrift "Der Börsendienst" sieht in der aktuellen Entwicklung eine gute Investitionsmöglichkeiten. Sie stuft die von Plambeck ausgegebene Wandelanleihe (ECOreporter.de berichtete) als sehr attraktiv ein und rät zum Kauf.

Gestern allerdings wurde die Plambeck Neue Energien AG in der Watchliste der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) als Deutschlands zweitgrößter "Kapitalvernichter" aufgeführt. Die Düsseldorfer Aktionärsschützer haben gemeinsam mit der Zeitschrift Wertpapier eine Liste der 50 größten "Kapitalvernichter" unter den deutschen Aktiengesellschaften erstellt. Im Einjahresvergleich stehe Plambeck sogar auf Platz eins, so die Meldung. Das vorwiegend mit der Planung von Windparks befasste Unternehmen habe 2003 über 60 Prozent des eingesetzten Kapitals "vernichtet", heißt es.

Der DSW-Liste liegt die Wertentwicklung von 391 Aktiengesellschaften zugrunde, die im Prime-Standard-Segment der Deutschen Börse notiert sind. Nach Angaben der DSW untersucht die Rangliste die Kursentwicklung der getesteten Standardtitel über drei verschiedene Zeiträume. Die Fünfjahresperformance gehe zu 50 Prozent in die Berechnungen ein, die Dreijahresperformance zu 30 Prozent und die Einjahresperformance zu 20 Prozent.

Die Auswertung ist jedoch von äußerst begrenzter Aussagekraft. So sank beispielsweise die Aktie des Plambeck Neue Energien-Konkurrenten Umweltkontor von Herbst 2000 (über 35 Euro) bis heute (unter 1 Euro) erheblich stärker. Genauso Energiekontor: Auch diese Aktie fiel vom Herbst 2000 (26 Euro) auf unter 3 Euro. Bei beiden Aktien hätte der Anleger in drei Jahren also prozentual erheblich mehr verloren. Energiekontor ist im geregelten Markt notiert, Umweltkontor im Prime Standard

Fragwürdig ist die DSW-Liste auch, weil sie auf den prozentualen Verlust abstellt. Die größten Kapitalvernichter waren jedoch Blue-Chip-Werte. Sie verloren prozentual weniger als Unternehmen wie Plambeck oder Umweltkontor, in absoluten Zahlen jedoch mehr: Oft Dutzende Milliarden.

Insgesamt zweifelhaft erscheint die Wortwahl der Aktionärsschützer: Kapital wird schließlich nicht vernichtet, wenn der Aktienkurs sinkt. "Wertverlust" wäre aber wohl nicht so öffentlichkeitswirksam gewesen. Zudem hätte man dafür in die Bilanz schauen müssen. Die hat Plambeck Neue Energien für 2003 noch gar nicht veröffentlicht.

Die Berliner Tageszeitung Taz bezweifelt in ihrer aktuellen Ausgabe sogar, das DSW-Chef Ulrich Hocker berechtigt ist, "den moralischen Zeigefinger zu heben". Er habe selbst jahrelang im Aufsichtsrat eines großen Kölner Wertevernichters, der Immobilienholding CBB, gesessen. Mehrere tausend geschädigte Anleger erwägten derzeit eine Klage.

Plambeck Neue Energien AG: (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
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