18.04.07 Fonds / ETF

18.4.2007: Zertifikate-Test: Drei neue Erneuerbare-Energie-Zertifikate: Zwei tragen den Namen zu recht, eins ist ein untauglicher Versuch, mit dem Thema Klimawandel den Absatz anzukurbeln

"Alternative Energien ja - aber bitte mit begrenztem Risiko." So lautet der aktuelle Investitionswunsch vieler Anleger. Die klassische Möglichkeit: Diversifikation. Seine Anlage breiter zu streuen, ist auch innerhalb eines Anlagethemas interessant. Und im Bereich Erneuerbarer Energien kommen derzeit laufend neue Produkte von Banken und Investmentgesellschaften auf den Markt, die das ermöglichen sollen. Allerdings gleicht kaum ein Produkt dem anderen. Drei neue Zertifikate zeigen das.

Eine breite Streuung bietet vor allem das endlos laufende Index-Zertifikat auf den Ardour Global Alternative Energy Extra Liquid TR Index an. Es stammt von der Schweizer Bank UBS. Der Index enthält nach Angaben der Emittentin "die 30 liquidesten Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette der alternativen Energieerzeugung tätig sind". Dabei müssen sie mindestens 50 Prozent ihres Gesamtumsatzes in der Branche erwirtschaften. Positiv auch: In die Berechnung des Index fließen die Dividenden der Aktien ein. "TR" steht in diesem Sinne für "Total Return".

Inzwischen wird kaum noch ein Zertifikat herausgegeben, dessen Zusammensetzung während der Laufzeit gleich bleibt. Und so wird auch der Index des UBS-Produkts vierteljährlich angepasst. Derzeit größte Titel mit rund zehn Prozent Gewicht im Index sind der dänische Windkraftanlagenhersteller Vestas Wind Systems A/S und das norwegische Photovoltaik-Unternehmen Renewable EnergyCorp. ASA. Mit über fünf Prozent vertreten sind außerdem der deutsche Erneuerbare-Energien-Spezialist Conergy AG, der spanische Windturbinenproduzent Gamesa Corporacion Tecnologica S.A., der deutsche Photovoltaik-Anbieter SolarWorld AG sowie das US-Unternehmen International Rectifier Corp., ein Anbieter von Technologie für das Energiemanagement.

Die UBS berechnet bei dem Zertifikat pro Quartal eine so genannte "Risk Management Fee" von 0,3 Prozent. Hinzu kommt derzeit ein recht moderater Spread, das heißt eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, die die UBS zur Marktpflege stellt, von rund 0,75 Prozent. Gehandelt wird das Zertifikat an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart.

Dass derzeit die Märkte für Fonds und Anlagezertifikate zusammenwachsen, wird an dem Produkt der Deutsche-Bank-Tochter DWS deutlich. Die DWS, eigentlich als Fondsanbieter bekannt, hat neben anderen Zertifikaten ein DWS GO Zukunfts-Energien Aktiv TR Index Zertifikat auf den Markt gebracht. Das Papier läuft ebenfalls endlos. Es bezieht sich auf den DWS Renewable Energies Active TR Index, der aktiv gemanagt wird. Auch hier fließen die Dividenden in die Indexberechnung ein, berechnet wird aber eine jährliche Managementgebühr von immerhin 1,5 Prozent.

Der Index besteht zunächst aus 16 Unternehmen, die nach Angaben der DWS vorwiegend "im Geschäft mit Erzeugung oder Dienstleistungen im Bereich erneuerbarer Energien bedeutend sind und/oder einen wesentlichen Teil ihrer Erträge in diesem Bereich oder durch Aktivitäten mit Bezug zu erneuerbaren Energien erzielen". Entsprechend sind auch hier mit einem Gewicht zwischen fünf und acht Prozent Unternehmen wie Gamesa, Vestas und SolarWorld vertreten, ebenso die deutsche Wacker Chemie AG als Zulieferer der Photovoltaik-Branche. Enthalten sind darüber hinaus Versorger wie die italienische Enel SPA, die spanische Iberdrola SA und die US-amerikanische FPL Group Inc. Letztere ist nach eigenen Angaben größter Windkraftbetreiber in den USA mit einem Windkraftanteil an der eigenen Erzeugungskapazität von 26 Prozent im Jahr 2005. Während Gas gleichzeitig einen Anteil von 54 Prozent hatte, erzeugte das Unternehmen allerdings zu neun Prozent auch Strom aus Kernenergie - ein Produkt also für Anleger, die Kernenergie nur weitgehend und nicht komplett von ihrem Depot fernhalten wollen.

Das DWS-Zertifikat wird ebenfalls in Frankfurt und Stuttgart gehandelt. Die Geld-Brief-Spanne (Spread) lag dabei zuletzt bei 0,9 Prozent.

Als "grüne" Geldanlage kaum interessant ist dagegen ein neuer so genannter Wertsicherungsfonds der Fondsgesellschaft cominvest der Commerzbank. Der cominvest Green Energy Protect 4/2013 kann noch bis zum 23. April mit einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent gezeichnet und im Anschluss lediglich an die Bank zurückverkauft werden. Zum Laufzeitende am 30. April 2013 bietet er dabei einen vollständigen Schutz des eingesetzten Kapitals. Allerdings kann die Zusammensetzung des Commerzbank Green Energy Baskets, den der Fonds abbilden soll, wenig überzeugen, wenn man in ihm "grüne" Unternehmen erwartet und den Klimawandel im Auge hat. Zählen doch zu den Schwergewichten der insgesamt 17 Titel mit jeweils rund zehn Prozent Anteil die drei Ölkonzerne Total, Royal Dutch Shell und BP - und damit Unternehmen, die ihr Hauptgeschäft immer noch mit schwarzer und nicht grüner Energie betreiben. Ebenfalls mit zehn Prozent gewichtet sind Enel sowie immerhin die spanische Gamesa.

Die jährlichen Verwaltungs- und Depotbankvergütungen des Fonds liegen bei zusammen 0,65 Prozent. Die Dividenden der Basket-Aktien kommen Anlegern jedoch nicht zugute.

Fazit: Wer mit verteiltem Risiko in alternative Energien investieren will, für den sind die Produkte von UBS und DWS einen Blick wert. Der Fonds von cominvest überzeugt trotz vollständigen Kapitalschutzes dagegen nicht, wenn Anleger von Erneuerbaren Energien profitieren wollen. Und dass solche Anleger mit dem Titel des Produkts angesprochen werden, dürfte feststehen. Erneut bleibt nur der Ratschlag: Anleger sollten sich bei ihrer Kaufentscheidung nicht vom Titel eines Produkts beeinflussen lassen, sondern sich den Inhalt genau anschauen. Sonst können die Anbieter mit Leichtigkeit Bauernfängerei betreiben.

- Indexzertifikat auf Ardour Global Alternative Energy Extra Liquid TR Index (UBS): ISIN CH0029278584 / WKN UB1ARD

- DWS GO Zukunfts-Energien Aktiv TR Index Zertifikat (DWS): ISIN DE000DWS0GK3 / WKN DWS0GK

- cominvest Green Energy Protect 4/2013: ISIN LU0279146160 / WKN A0LF52

Bilder: Hauptsitz der Bank UBS in Zürich; Produktion bei Conergy im Werk Rangsdorf; Photovoltaikprojekt der Iberdrola bei Madrid / Quelle: Unternehmen; Ölbohrplattform / Quelle: Frei (Webshots)
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