18.06.03 Anleihen / AIF

18.6.2003: Sicherheitspolster - e.n.o. legt Windfonds mit Bürgschaft für Ertragsausfall auf

(JR) Mit einer Ertragsausfall-Bürgschaft für ihren neuesten Windparkfonds wartet die Energiegesellschaft NordOst mbH (e.n.o.) aus Rerik an der Ostsee auf. Als Errichter des Windparks Giesensdorf/Langenrieth in Brandenburg verpflichten sich die Mecklenburger zu einer anteiligen Ausgleichszahlung, sofern das prognostizierte Windertragspotenzial während des ersten Betriebsjahres unterschritten wird. Dieses Potenzial wurde durch eigene Berechnungen sowie durch unabhängige Gutachten ermittelt. Das Projekt besteht aus sieben Windkraftanlagen, von denen bereits fünf in Betrieb sind. Die beiden übrigen werden laut e.n.o. ab Juli dieses Jahres errichtet und voraussichtlich im November in Betrieb genommen. Zusammen sollen sie eine Nennleistung von insgesamt 10 Megawatt (MW) erreichen. Eine Beteiligung an dem Windfonds ist ab 5000 Euro möglich. Zusätzlich zur Einlage ist ein Agio von 5 Prozent zu zahlen. Höhere Einlagen müssen durch 500 Euro teilbar sein.

Ein eigenes Umspannwerk

Die e.n.o. ist spezialisiert auf die Planung, Errichtung, Finanzierung, Verwaltung und den Betrieb von Einrichtungen zur regenerativen Energieerzeugung. Seit 1995 haben die Gesellschafter des Unternehmens eigene Windenergieprojekte geplant und realisiert. Diese Aktivitäten wurden dann ab 1999 in der e.n.o. gebündelt. Nach Angaben der Gesellschaft wurden bis 2003 Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 60 MW errichtet. Das gesamte Investitionsvolumen dafür beziffert e.n.o. mit etwa 60 Millionen Euro. Fortan werde man jährlich Windparks mit einer Leistung von 30 bis 50 MW realisieren. Die Gruppe ist auch in Griechenland, Lettland, Ägypten und China aktiv. Neben den Windparks betreut die Gesellschaft in Deutschland Umspannwerke. 2002 nahm sie in Sachsen- Anhalt ein eigenes Umspannwerk in Betrieb. Kurzfristig sollen weitere folgen.

Haftung in Höhe der Einlage

Für die Errichtung und den Betrieb des Windparks Giesensdorf/Langenrieth hat e.n.o. einen geschlossenen Fonds in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft aufgelegt. Die Kommanditisten werden anteilig am Gewinn beteiligt. Die Haftung ist auf die Höhe der Einlage begrenzt. Die Gesellschaft wurde auf unbestimmte Zeit errichtet, verfügt jedoch nur über befristete Standortnutzungsrechte. Eine Kündigung der Beteiligung ist frühestens zum 31. Dezember 2018 möglich.
Die Planrechnungen gehen davon aus, dass die sieben Windenergieanlagen über einen Zeitraum von 20 Jahren betrieben werden können. Das Investitionsvolumen für den Windpark liegt laut Emissionsprospekt bei 15,86 Millionen Euro. Davon werden 4,10 Millionen Euro als Eigenkapital eingebracht und 11,76 Millionen Euro als Fremdkapital. Bei einer Laufzeit von 21 Jahren betragen die prognostizierten Ausschüttungen ohne Agio insgesamt etwa 266 Prozent der Kommanditeinlage. In diesen 266 Prozent ist die Einlage der Kommanditisten enthalten (also ergeben sich 100 Prozent Einlage plus 166 Prozent weitere Ausschüttungen).
Für alle Windkraftanlagen am Standort Giesensdorf liegt ein verbindlicher Einspeisevertrag mit dem regionalen Energieversorgungsunternehmen E.DIS AG vor. Für den Standort Langenrieth hat die envia Mitteldeutsche energie AG eine Einspeisezusage abgegeben. Es wird nach Berechnungen von e.n.o. eine Einspeisevergütung von 8,9 EuroCent pro Klilowattstunde (kWh) gezahlt. Diese erfolge gemäß dem Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) und auf Grundlage der prognostizierten Winderträge. Am Standort Giesensdorf soll dieser Betrag für die Dauer von 19 Jahren und 11 Monaten gezahlt werden. Anschließend betrage die Vergütung 6 Cent pro kWh. Auf der Basis des gemittelten Nettostromertrages ergeben sich laut e.n.o. jährliche Einnahmen von rund 1,97 Millionen Euro bis zum Jahr 2022 und rund 1,62 Millionen Euro im Jahr 2023.

Bürgschaft ohne weitere Sicherheiten

Allerdings kann e.n.o. nicht ausschließen, dass die prognostizierten Winderträge in einzelnen Jahren oder sogar dauerhaft verfehlt werden. Das kann sich auf die Liquidität der Kommanditgesellschaft auswirken. Auch im Fall der anteiligen Ausgleichzahlung gemäß der Ertragsausfallbürgschaft kann es Mindererträge gegenüber den prognostizierten Erträgen geben. Zudem sei die Bürgschaft nicht mit Sicherheiten unterlegt. Grundsätzlich könne sich die Bonität des Bürgschaftsgebers ändern und in der Folge die Bürgschaft ausfallen.
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