18.06.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

18.6.2007: Aktien-News: Junge Beteiligungsgesellschaft Green Capital AG plant Investments in erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe – Vorstand Andrew Murphy im ECOreporter.de-Interview: „Ende 2009 soll der Börsengang kommen.

Eine neue Private Equity Gesellschaft für grüne Unternehmen will im Sommer ein Private Placement durchführen. Die ‚Murphy&Spitz Green Capital AG’ plant die Beteiligung an Unternehmen und Projekten aus den Bereichen erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe. Initiator des jungen Unternehmens ist das Umwelt Aktiendepot (UAD) Deutschland. Andrew Murphy, Vorstand der Green Capital AG’ erklärt im Interview mit ECOreporter.de das Konzept des jungen Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr Murphy, Sie sind Vorstand der neu gegründeten Beteiligungsgesellschaft Murphy&Spitz Green Capital AG (M&S Green Capital). Mit dem Namen Murphy&Spitz ist bisher ein hoher Anspruch an Nachhaltigkeit verbunden. Wird sich auch M&S Green Capital diesem Anspruch verpflichten?
Andrew Murphy: Wir haben ganz bewusst unseren Namen mit eingebunden. Murphy&Spitz steht für verantwortungsvolles und nachhaltiges Investment. Als wir im Juni 1999 die Umwelt Aktiendepots gegründet haben, hatten wir den Anspruch, unseren Investoren ein ökologisches und transparentes Investment zu ermöglichen. Und ich glaube, dass haben wir in den letzten Jahre sehr erfolgreich verwirklicht.


ECOreporter.de: Was für Investments kommen für die neue Beteiligungsgesellschaft in Frage? Haben Sie mehr etablierte Unternehmen oder junge Firmen im Visier?
Murphy: Wir fokussieren uns auf zwei Themenbereiche: nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien. Diese beiden Investitionsthemen bieten nach unserer Einschätzung die größten Renditechancen. Wir laufen auf ein Energieproblem zu. Wie ersetzen wir Öl? Wie decken wir die steigende Nachfrage? Das geht langfristig nur mit den erneuerbaren Energien. Vielleicht nicht heute und vielleicht noch nicht morgen, aber jeden Tag ein bisschen mehr. Bei der Fokussierung auf die beiden Boommärkte werden wir die komplette Wertschöpfungskette abdecken. Also vom Startup bis zum etablierten Börsenkandidaten.


ECOreporter.de: Wie werden die Entwicklungschancen der einzelnen Branchen eingeschätzt? Wo erwarten Sie ein rasches, wo ein kontinuierliches Wachstum?
Murphy: In der Solarbranche lagen die Steigerungszahlen der letzten beiden Jahre über 30 Prozent. Auch die Prognosen für die nächsten Jahre könnten nicht besser sein. Bis zum Jahr 2010 erwarten wir einen jährlichen Anstieg von 25 Prozent. Aus dem deutschen Mittelstand kommen starke Entwicklungsschübe für die Solarbranche. In diese Unternehmen investieren wir. Dort ist der Hebel am größten: für die Gesellschaft, für die Umwelt und für uns als renditeorientierte Investoren.

Der Bereich nachwachsende Rohstoffe verzeichnet auch enorme Wachstumsraten, wie bspw. die Naturkost, die 2006 um 16,8 Prozent zulegte. Die Steigerungsraten im ersten Quartal 2007 liegen bei 9,2 Prozent. Der Gesamtmarkt hat mittlerweile ein Volumen von rund 4,7 Milliarden Euro. Hier wollen wir uns an Unternehmen in Schlüsselpositionen beteiligen.


ECOreporter.de: Wird es geographische Schwerpunkte für M&S Green Capital geben? Welche Währungen kommen für Engagements in Frage?
Murphy: Der Schwerpunkt wird Mitteleuropa sein. Hier liegt seit Jahren unsere Kompetenz und hier verfügen wir über ein ausgeprägtes Netzwerk von Kontakten. Wir können aus einer Fülle hervorragender Investments auswählen. 30 Prozent der Investitionen können auch außerhalb des Euro-Raums liegen, dort ist aber nichts Konkretes in der Vorbereitung.


ECOreporter.de: Was sind nach Ihrer Einschätzung die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg eines Private Equity Investments?
Murphy: Ein gutes Management Team, eine innovative Technologie oder/und eine Schlüsselpositionen im Markt.


ECOreporter.de: Wer leistet das Research für die Auswahl der Unternehmen, in die Sie investieren? Und was kostet das Research?
Murphy: Das Research wird von Murphy&Spitz Research geleistet. In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Unternehmensstudien erstellt. Sei es für internationale Investoren oder bspw. auch für den Börsengang der Solarworld. Im englischsprechenden Raum sind wir als erfolgreicher Advisor und Ansprechpartner für die Bewertung von deutschen erneuerbaren Energienunternehmen, gefragt. Murphy&Spitz Research gehört zur Murphy&Spitz Umwelt Consult GmbH, die ist wiederum die Verwaltungsgesellschaft für die M&S Green Capital AG.

Es gibt eine Managementfee, die bei 0,15 Prozent im Monat liegt. Dadurch sind alle Kosten der AG abgedeckt. Als Vorstand bekomme ich beispielsweise kein Gehalt oder andere Zuwendungen von der Aktiengesellschaft. Mit der Managementfee sind auch die Erstellung von Unternehmensstudien, die Betreuung der Partnergesellschaften und alle anderen Verwaltungsaufgaben abgedeckt. Eine sehr komfortable Situation für Investoren: Es gibt keine Überraschungen und keine versteckten Kosten.


ECOreporter.de: Wie intensiv sollen die Unternehmen, in die investiert wird, begleitet werden? Wird M&S Green Capital zum Beispiel laufend Einblick in die Bücher der Beteiligungsunternehmen nehmen? Wird es ein Controlling der Beteiligungsunternehmen in Kooperation oder unter Leitung von M&S Green Capital geben?
Murphy: Selbstverständlich können sich unsere Investoren darauf verlassen, dass wir eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Von Fall zu Fall sieht das natürlich ganz unterschiedlich aus. Aktuell stehen wir beispielsweise mit zwei Unternehmen in Verhandlungen über einen Einstieg, deren Ausgangslage sehr verschieden ist.

Das eine ist ein gestandenes Unternehmen. Es erzielt seit Jahren Gewinne und will nächstes Jahr einen Umsatz von 30 Millionen Euro erreichen. Die Führungsmannschaft besteht aus Fachleuten, die seit Jahren erfolgreich im Markt tätig sind, weshalb sollen wir da eingreifen? Die Informationen, die uns das kontinuierliche Reporting liefert, reichen.
Das andere Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die den Alternativen am Markt weit überlegen ist. Es ist aber noch Aufbauarbeit zu leisten. Von Seiten des Unternehmens ist unsere Hilfestellung erwünscht.


ECOreporter.de: Mit welchen anderen Private Equity oder Venture Capital Gesellschaften wollen Sie bei den bisher ausgewählten Beteiligungsunternehmen zusammen arbeiten?
Murphy: Wir haben bisher zu keiner anderen Beteiligungsgesellschaft Kontakt aufgenommen, um gemeinsam Investitionen durchzuführen. Man muss sich seine Partner sehr gut aussuchen. Wenige haben bisher über einen längeren Zeitraum erfolgreich gearbeitet. Wir pflegen Kontakte mit einigen größeren Fonds und Investmentgesellschaften im Ausland, besonders aus dem amerikanischen und arabischen Raum. Sie wollen in M&S Green Capital investieren.


ECOreporter.de: Wie ist der Zeitplan für die weitere Entwicklung der Gesellschaft?
Murphy: Wir planen jetzt im Sommer ein Private Placement durchzuführen. Die Eigenkapitalseite soll noch ein wenig ausgebaut werden. Zur Jahreswende werden wir voraussichtlich ein festverzinsliches Wertpapier emittieren. In den nächsten zwei Jahren werden wir uns darauf konzentrieren, ein qualifiziertes Portfolio zu schaffen. Ende 2009 soll der Börsengang kommen.


ECOreporter.de: Als Rechtsform streben Sie die Gründung einer Unternehmensbeteiligungsgesellschaft (UBG) an. Welche Vorteile bietet die UBG gegenüber anderen Gesellschaftsformen?
Murphy: Die Rechtsform der Unternehmensbeteiligungsgesellschaft bietet den Vorteil, dass die Gesellschaft von der Spekulationssteuer befreit ist. Ferner müssen wir keine Gewerbesteuer entrichten. Das Anerkennungsschreiben vom Finanzministerium haben wir schon im November 2006 erhalten.


ECOreporter.de: Welche durchschnittliche Rendite streben Sie mit den Engagements der M&S Green Capital AG an?
Murphy: Wir streben eine durchschnittliche jährliche Wertsteigerung von 12 Prozent an. Dabei bleiben wir bewusst unter den in der Vergangenheit von uns erzielten Wertsteigerung von 18,6 Prozent p.a. durch das UAD Deutschland. Dort waren in der Vergangenheit unsere Private Equity Aktivitäten durchgeführt worden. Wir haben bewusst eine niedrigere Managementfee gewählt und dafür eine Hurdle rate von 9 Prozent eingeführt. Dadurch besteht für uns ein starker Anreiz mehr als 9 Prozent jährlich zu erreichen. (Anmerkung der Redaktion: Erst wenn mehr als 9 Prozent Plus erwirtschaftet werden, erhält die Geschäftsführung eine zusätzliche Erfolgsbeteiligung.)


ECOreporter.de: Der Markt für Private Equity Investments ist in den letzten Jahren enger geworden. Immer mehr Geldgeber sind auf der Suche nach erfolgversprechenden Gesellschaften. Wo sehen Sie Ihre Stärken gegenüber etablierten Konkurrenten?
Murphy: Zu unseren Stärken gehört unser Netzwerk, Murphy&Spitz ist seit vielen Jahren Anlaufstelle für Unternehmens- und Projektfinanzierung. Wir sind den „Lemmings“ immer einen Schritt voraus gewesen. Wir waren zum Beispiel mit die ersten die in Windkraft investiert haben; und als wir mit der Finanzierungen von Solarunternehmen begannen, wurden wir selbst von ökologischen Banken belächelt.

Wir haben in Unternehmen investiert, weil wir in Menschen investieren, nicht nur in Zahlen. Dabei gehen wir fair und transparent mit unseren Partnerunternehmen um, wie auch mit unseren Investoren. Unsere Messlatte liegt hoch, vor einiger Zeit haben wir beispielsweise ein Investment mit dem UAD Welt in Precious Woods wegen Intransparenz abgelehnt.

ECOreporter.de: Herr Murphy, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Bild: Andrew Murphy / Quelle: Unternehmen
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