18.08.05 Erneuerbare Energie

18.8.2005: Shell und Choren vereinbaren Zusammenarbeit bei "SunFuel" - Aus Biomasse soll in weltweit erster Produktionsanlage hochwertiger synthetischer Kraftstoff entstehen

Die Shell Deutschland Oil GmbH hat eine Minderheitsbeteiligung an Choren Industries GmbH, Freiberg/Sachsen, erworben. Das haben am Mittwoch beide Unternehmen in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hamburg bekannt gegeben. Mit diesem Engagement stellen Shell und Choren die Weichen für den Bau der weltweit ersten kommerziellen Anlage für die Umwandlung von Biomasse in hochwertigen synthetischen Kraftstoff, den Choren bereits unter der Bezeichnung "SunFuel" vermarktet. Vorgesehen ist eine Anlage, die j?hrlich 15.000 Tonnen Synthetikkraftstoff produziert, wie er von Automobilherstellern wie DaimlerChrysler und Volkswagen unterst?tzt wird. Der Kraftstoff soll in jedem Dieselmotor eingesetzt werden k?nnen. Er verringert, so die Unternehmesnangaben, deutlich den Schadstoffaussto?, ohne die Leistung zu senken. Die Beteiligung von Shell an Choren muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Choren Industries ist - nach eigenen Angaben - f?hrend auf dem Gebiet der Umwandlung von Biomasse in Synthesegas. Mit dem von Choren patentierten Carbo-V-Verfahren wird Biomasse wie zum Beispiel Restholz oder Stroh zu einem hochreinen, teerfreien und methanarmen Synthesegas umgewandelt. Dieses Synthesegas wird mit dem von Shell weiterentwickelten Fischer-Tropsch-Verfahren (Shell Middle Distillate Synthesis), einem katalytischen Verfahren zur Umwandlung von Erdgas in synthetische ?lprodukte zu synthetischem Biokraftstoff weiterverarbeitet. Shell wiederum ist - ebenfalls nach eigenen Angaben - f?hrend auf dem Gebiet der GTL-Technologie (GTL = Gas To Liquids) und verf?gt durch die erste gro?industriell genutzte GTL-Anlage im malaysischen Bintulu ?ber Know how. Der synthetische GTL-Kraftstoff ist wichtiger Bestandteil des Kraftstoffs Shell V Power Diesel.

Aus Biomasse hergestellte synthetische Kraftstoffe (BTL-Kraftstoffe) stimmen in der Zusammensetzung mit den aus Erdgas gewonnenen synthetischen Produkten ?berein. BTL-Kraftstoffe sind klar wie Wasser und fast frei von Schwefel und Aromaten. Sie sind aufgrund einer sehr hohen Cetanzahl besonders z?ndwillig, wodurch die Ger?uschentwicklung reduziert wird. Die Verbrennung l?uft im Vergleich zu herk?mmlichem Diesel deutlich sauberer ab. Die Treibhausgas-Emissionen synthetischer Biokraftstoffe liegen um bis zu 90 Prozent unter den Emissionen fossiler Kraftstoffe. Zudem kann BTL-Kraftstoff sowohl als reines Produkt wie auch als Mischung mit konventionellem Dieselkraftstoff verwendet werden. Allerdings wird er zun?chst nur in begrenzten Mengen verf?gbar sein, bis Erfahrungen mit der Technik gesammelt worden sind und gr??ere Anlagen gebaut werden k?nnen.

Rob Routs von Shell sagt: "In den n?chsten zwanzig bis drei?ig Jahren werden fl?ssige Kraftstoffe weiterhin den Markt pr?gen. Dabei wird der Anteil der Biokraftstoffe aus Klimaschutzgr?nden zunehmen. Wir m?chten diesen Wandel aktiv mitgestalten, da wir das Konzept der nachhaltigen Mobilit?t voll unterst?tzen und unsere f?hrende Rolle bei der Entwicklung neuer Kraftstoffe behaupten wollen."

Herk?mmliche Biokraftstoffe wie Biodiesel (RME) und Ethanol geh?ren zur 1. Generation der Biokraftstoffe. Sie werden aus Pflanzenteilen von Raps, Getreide oder Zuckerrohr hergestellt, die auch der Nahrungsmittelproduktion dienen. Hinsichtlich des Verwendungszwecks besteht somit ein Konkurrenzverh?ltnis, das die Verf?gbarkeit und den Preis beeinflussen kann. BTL-Kraftstoffe oder Ethanol aus Ligno-Zellulose z?hlen dagegen zu den Biokraftstoffen der 2. Generation. Sie k?nnen auch aus den Teilen der Pflanze, die nicht zur Herstellung von Nahrungsmitteln dienen, hergestellt werden. Damit kann der Ertrag je Hektar deutlich gesteigert werden, so dass für die Landwirtschaft eine zus?tzliche Einkommensquelle entsteht.
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