19.01.08

19.1.2007: ECOreporter.de-Buchtipp: Ein ferner Spiegel - Lektüregenuss aus der Ära des Frühkapitalismus

Es muss nicht immer ein Sachbuch sein: als aktuellen Buchtipp weisen wir unsere Leser an diesem Wochenende einmal auf Romane hin, die sich auf anregende Weise mit dem Thema Geld und Geldanlage befassen. So auf einen Klassiker aus dem 19. Jahrhundert: „Vater Goriot“ von Honore de Balzac, dem französischen Chronisten des aufkommenden Kapitalismus. Er erzählt vom Nudelfabrikanten Goriot, der mit Spekulationskäufen reich geworden ist und sein Geld an seine Töchter verliert. Am Ende stirbt er einsam, verlassen und völlig verarmt. Über ein vielfältiges, überraschend zeitgenössisch erscheinendes Personentableau erfasst Balzac dabei, wie das Geld in alle Lebensbereiche vordringt und die ideelle Ausrichtung der Gesellschaft prägt.

Nicht zufällig ist in den Romanen des Franzosen das Geld das Maß aller Dinge. Balzac war selbst geprägt vom Geld- und Gründerrausch der nachnapoleonischen Ära, hat sich unter anderem als Verleger und Druckereibesitzer versucht. All diese Projekte scheiterten und seine fast 100 Romane schrieb Balzac auch, um einen horrenden Schuldenberg abzutragen. So kreisen sie nicht zufällig um Geld, Schulden und Bankrott, Reichtum, Raffgier und Geiz. Dem heutigen Leser bieten sie nicht nur große, oft spannende Unterhaltung. Sie sind auch eine Art ferner Spiegel, der anregt, den heutigen Umgang mit Geld und dessen Auswirkungen auf das Miteinander der Menschen mit jener Frühphase des Kapitalismus zu vergleichen.

Honoré de Balzac, Romane und Erzählungen. Diogenes Verlag 2007. Kassette mit acht Bänden, 4224 Seiten für 99,00 Euro
Davon auch als Einzelband erhältlich: Vater Goriot, aus dem Französischen von Rosa Schapire. 367 Seiten, 12,80 Euro. ISBN: 3257209045
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