19.12.02

19.12.2002: Auch Nachhaltigkeitsunternehmen auf Korruptionsliste von Transparency International

Auf einer Liste herausragender Fälle von Korruption, die Transparency International für das Jahr 2002 vorgelegt hat, befinden sich auch Unternehmen aus dem Bereich des ethisch-ökologischen Investments. Zu diesen zählen demnach Mitsui Fudosan, Tyco International sowie die Banken BBVA und UBS. Deren Wertpapiere waren zumindest zum Zeitpunkt der letzten Datenerhebung von ECOreporter.de in Nachhaltigkeitsfonds und -indices enthalten.

Der UBS, international operierendes Finanzinstitut und nach eigenen Angaben in der Schweiz Nummer eins im Individual- und Firmenkundengeschäft, wird vorgehalten, den Zugriff auf ein Konto des nigerianischen Diktators Sani Abacha zu verweigern. Von den drei Milliarden Dollar, die er seinem Land entzogen hat, sollen dort 60 Millionen Dollar verwahrt sein.
UBS wird in den Indices FTSE4GOOD Europe und DJSI World gelistet. UBS-Wertpapiere sind laut den letzten Fondsberichten, die ECOreporter.de vorliegen, u. a. enthalten im Credit Suisse Equity Fund (Lux) Global Sustainability und in anderen Fonds.

Gegen das zweitgrößte Bankhaus Spaniens, die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA (BBVA, WKN 876152), ermittelt laut Transparency das US-Justizministerium wegen des Verdachts auf Geldwäsche. US-Staatsanwälte hätten, so Transparency, dazu den ehemaligen Vorstandschef und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank vernommen. Beide waren 2001 nach einem Finanzskandal zurückgetreten.
BBVA wird im DJSI World gelistet. Die Aktien sind nach den Fondsberichten, die ECOreporter.de zur Zeit vorliegen, u.a. im AXA World Funds II Global Ethical enthalten gewesen sowie in verschiedenen anderen Fonds.

Dennis Kozlowski, der frühere Chef von Tyco International Ltd. (WKN 907902), und Mark Swartz, ehemals Finanzvorstand, werden laut Transparency beschuldigt, durch illegalen Handel mit Wertpapieren über 40 Millionen Dollar erworben zu haben. Gegen Kozlowski laufe, so Transparency, zudem ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Tyco International wurde bis September 2002 im Index DJSI World gelistet. Aktien des Herstellers von Sicherheitssystemen, nach eigenen Angaben Marktführer in Nordamerika und Großbritannien, sind laut den ECOreporter.de vorliegenden Rechenschaftsberichten in verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds enthalten gewesen.

Ferner ermittelt die japanische Staatsanwaltschaft laut Transparency gegen Mitsui Fudosan (WKN 858019), eines der größten Handelsunternehmen des Landes, wegen des Verdachts, in der Mongolei Behördenmitarbeiter bestochen zu haben. Auch Mitsui Fudosan ist in einem Ethik-Fonds zu finden.

Transparency International (TI) ist eine internationale, parteipolitisch unabhängige Bewegung, die sich dem globalen Kampf gegen die Korruption verschrieben hat. Sie wurde 1993 in Berlin gegründet. Ihr zufolge untergräbt Korruption die Integrität einer Gesellschaft, hemmt deren soziale und wirtschaftliche Entwicklung und verstärkt die Armut, unterhöhlt die Qualität des öffentlichen Dienstes und bringt die Demokratie in Gefahr. Anstelle von fairem Wettbewerb führe Korruption zu einem Wettbewerb der Bestechung. Ein ausführlicher Überblick über die Korruptionsfälle in Regierungen und Unternehmen soll am 22. Januar mit dem Global Corruption Report 2003 vorgelegt werden. Als besonders von Korruption betroffene Branchen nennt Transparency International die Sektoren Energie, Banken und Bauwirtschaft.

Sollten Sie zu diesem Thema mehr Informationen benötigen, senden Sie bitte eine Mail an weber@ecoreporter.de
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