19.04.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

19.4.2004: Wochenrückblick: Ostdeutscher Fahrradhersteller will an die Börse - Dänemark verbessert Förderung der Windenergie - Kursgewinne für Solarmodulbauer

In den Börsenwochen um Ostern tendierten die Aktienmärkte seitwärts. Während DAX und MDAX je ein Prozent stiegen, ging der TecDAX zwei Prozent zurück. Ähnlich das Bild in den USA, wo der Dow Jones Industrial Average Index unverändert notiert wurde, der Nasdaq Combined Composite hingegen um drei Prozent sank. Der japanische Index Nikkei-225 stieg um ein Prozent.

Der Euro hat sich um ein Prozent auf 1,199 US-Dollar verbilligt. Hier könnten Spekulationen auf eine Zinserhöhung durch die US-amerikanische Notenbank eine Rolle gespielt haben. Das Zinsgefälle zwischen den USA und dem Euroraum würde dadurch verringert. Zugleich verstärkt sich jedoch die Kritik an dem hohen Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten. In einem Vorabdruck aus dem "World Economic Outlook" schrieb der Internationale Währungsfonds (IWF), der beständig steigende Schuldendienst durch den amerikanischen Staat untergrabe langfristig den Wert des Dollar. Das wachsende Defizit drohe die Kapitalmarktzinsen in die Höhe zu treiben und stelle eine Gefahr für den Konjunkturaufschwung in der ganzen Welt dar. Der IWF wies auch auf die Risiken hin, die sich aus dem Konflikt im Irak für den US-Haushalt ergäben.

Ein deutscher Fahrradhersteller hat den Gang an die Börse angekündigt. Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG mit Sitz in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) will eine Million Aktien aus einer Kapitalerhöhung und zusätzlich 500.000 Aktien aus Altaktionärsbesitz in den Handel im General Standard des Geregelten Marktes bringen. Insgesamt gebe es dann sechs Millionen Aktien, so dass sich der Free Float nach dem IPO auf 25 Prozent belaufe. Die Angebotsfrist und der feste Emissionspreis sollen "in Kürze" bekannt gegeben werden. Mit dem eingeworbenen Geld sollen Großaufträge von bereits bestehenden Kunden vorfinanziert und der Marktanteil in Deutschland und Europa ausgebaut werden. MIFA hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2003 über 400 regelmäßig bestellende Kunden, darunter die Großkunden Metro, Kaufland und Neckermann. Mit 422 Mitarbeitern wurden 535.000 Fahrräder produziert. Kapazität habe man für jährlich eine Million Zweiräder. Die Drahtesel werden unter den Marken MIFA und Germatec an Facheinzelhändler vertrieben.
MIFA ist nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2000 profitabel. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 63,3 Millionen Euro (2000: 35,7 Millionen, 2002: 62,5 Millionen), der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 5,58 Millionen Euro (2000: 1,27 Millionen, 2002: 3,1 Millionen). Für die derzeit fünf Millionen nennwertlosen Stückaktien ergab sich 2003 ein Gewinn pro Aktie von 0,54 Euro. Den Marktanteil in Deutschland geben die Sangerhausener mit 17 Prozent an. Einem Bericht der Börsen-Zeitung zufolge erwartet der Konsortialführer Merck Finck & Co Privatbankiers einen Emissionspreis von 9,25 Euro. Der faire Wert der Aktie liege der Bank zufolge bei zwölf Euro.

Die Bedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Dänemark sind entscheidend verbessert worden. Wie die World Wind Energy Association (WWEA) berichtet, hat die dänische Regierung Vereinbarungen für den Bau zweier neuer Offshore-Windparks sowie für das Repowering von 900 Windmühlen auf dem Festland unterzeichnet. Damit soll der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix auf 25 Prozent im Jahr 2008 von jetzt 19 Prozent steigen. Der Ausbau war von der konservativen Regierung im Jahr 2002 eingefroren worden. Für Windstrom gibt es nun wieder feste Einspeisevergütungen - von dem zeitweilig favorisierten Quotensystem sei keine Rede mehr, hieß es. Zudem soll den Angaben zufolge das Hochspannungsnetz unter staatliche Kontrolle gestellt werden, um allen Stromerzeugern gleichberechtigten Zugang zu garantieren. Damit wolle die dänische Regierung die Entwicklung intelligenter Lösungen zur Integration des schwankenden Anteils von Strom aus erneuerbaren Quellen in das Netz fördern, so die WWEA. Die Forschungsmittel für fortschrittliche erneuerbare Energietechnologien sollten um 30 Prozent aufgestockt werden.

Die Übernahme des dänischen Windturbinen-Herstellers NEG Micon A/S durch den größeren Konkurrenten Vestas Wind Systems A/S ist fast abgeschlossen. Auch die britische Wettbewerbsbehörde habe der Fusion nun zugestimmt, teilte Vestas mit. Alle übrigen erforderlichen Zustimmungen lägen bereits vor. NEG Micon hat nach eigenen Angaben alle Aktien verkauft, die im Eigenbestand gehalten wurden, um das betriebliche Optionsprogramm zu bedienen. Die Hauptversammlung habe überdies Änderungen in der Satzung der Gesellschaft beschlossen, die eine Zwangsabfindung der letzten freien Aktionäre und das anschließende Delisting der Aktien ermöglichen sollten, so NEG Micon. Vestas wurden am Freitagabend in Kopenhagen mit unveränderten 99,50 Dänischen Kronen notiert, die verbliebenen freien NEG Micon-Aktien legten leicht auf 98 Kronen zu.

Einem Bericht der spanischen Zeitung "Cinco Dias" zufolge prüft die spanische Gamesa Corporación Tecnológica die Übernahme der Nordex AG, Hamburg. Auf dieses Gerücht hin stieg der Nordex-Kurs kurzzeitig an, gab insgesamt aber zwei Cent auf 0,89 Euro ab. Gamesa kletterten in Madrid um vier Prozent auf 36,43 Euro. Der Windturbinenbauer Nordex durchläuft derzeit ein tiefgreifendes Restrukturierungsverfahren. Im kommenden Geschäftsjahr sollen erstmals wieder schwarze Zahlen erreicht werden. Gamesa ist die Nummer eins auf dem spanischen Windturbinen-Markt.

GE Wind Energy hat im vergangenen Jahr ihre Umsätze um 150 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar gesteigert. Das teilte die Windturbinen-Tochter des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co. mit. Windenergie sei derzeit die am schnellsten wachsende Energiequelle. General Electric hoffe, sich auf einem Geschäftsfeld positioniert zu haben, das für Jahrzehnte Bestand haben werde, hieß es.

Vorstand und Aufsichtsrat der P&T Technology AG werden der Hauptversammlung am 4. Juni 2004 vorschlagen, den Gegenstand des Unternehmens um den Erwerb, das Halten, die Verwaltung und die Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen sowie die Beratung von Unternehmen zu ergänzen. Bisher war die Gesellschaft mit Sitz in Hamburg im wesentlichen mit der Projektierung und dem Vertrieb von Windparks befasst. Die P&T-Aktie gab drei Cent auf 0,44 Euro ab.

Für die Anteilsscheine des Bonner Photovoltaikkonzerns SolarWorld AG gab es zwei Analystenempfehlungen. Die Landesbank Baden-Württemberg prognostizierte für das Jahr 2004 einen Gewinn von 0,38 Euro pro Aktie, der im Folgejahr auf 0,96 Euro steigen soll. Zwar sei die Aktie mittlerweile nicht mehr billig, man traue ihr aber einen weiteren Kursanstieg zu. Die Empfehlung laute "kaufen". Analysten von M.M. Warburg hingegen schätzten den Gewinn je Aktie auf 1,03 Euro für das laufende Jahr und 1,29 Euro im Jahr 2005. Man sollte die Papiere "halten", hieß es. SolarWorld kletterten um ein Prozent auf 17,40 Euro.

Sunways AG berichtete über Vertriebserfolge in der Bodensee-Region. Der Solarzellenproduzent aus Konstanz wies besonders auf Solarkraftwerke hin, die mittels kleiner Elektromotoren dem Sonnenstand nachgeführt werden. Dies solle den Jahresertrag um 30 bis 40 Prozent gegenüber starr montierten Anlagen erhöhen, so Sunways. Die Aktie gab zwei Prozent auf 2,37 Euro nach.

Kräftige Kursgewinne verzeichneten die Aktien zweier Hersteller von Solarmodulen. Solar-Fabrik aus Freiburg legten 22 Prozent auf 6,35 Euro zu. In der Spitze wurden im Xetra-Handel 7,50 Euro für die Papiere gezahlt. Solon AG aus Berlin stiegen um acht Prozent auf 6,49 Euro.

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat der Umweltkontor Renewable Energie AG mit einer Sonderprüfung der Bilanz "gedroht". Zudem laufe eine Anfechtungsklage gegen das Erkelenzer Unternehmen. Das geht aus einem Artikel der Financial Times Deutschland hervor. Der Kurs sank um vier Cent auf 0,83 Euro.
Lobend äußerte sich die DSW zur Unternehmenspolitik des Essener Energiekonzerns RWE AG. Hier war sich die Schutzvereinigung weitgehend einig mit der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK, vormals Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre).
Beide Vereine haben in den vergangenen Monaten Unternehmen der erneuerbare Energien-Branche heftig kritisiert, darunter die Nordex AG, Plambeck Neue Energien und Umweltkontor. Die Stichhaltigkeit der Vorwürfe ist umstritten. RWE wiederum wurde von der Umweltstiftung WWF der "größte Einzelverursacher von Treibhausgasen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa" genannt. Eine WWF-Vertreterin forderte das Unternehmen zum Ausstieg aus der Braunkohleverstromung auf.

Wedeco AG, Hersteller chemikalienfreier Wasseraufbereitungssysteme, teilte mit, dass sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrats ihr Mandat niedergelegt hätten. Dieser Schritt sei im Zusammenhang mit der Übernahme des Düsseldorfer Unternehmens durch die US-amerikanische ITT Industries Inc. zu sehen. Wedeco habe einen Antrag auf gerichtliche Bestellung neuer Aufsichtsratsmitglieder gestellt, hieß es weiter. Die Aktie wurde am Freitag mit 18,01 Euro notiert.

IVU Traffic Technologies AG hat zur Hauptversammlung am 2. Juni eingeladen. Auf der Veranstaltung werde IVU den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals anzeigen, geht aus dem Einladungstext hervor. Das war bereits bei der Bekanntgabe der Jahresergebnisse am 12. März angekündigt worden. Gleichwohl stürzte der Kurs nach Bekannt werden der Einladung um 16 Prozent auf 1,00 Euro ab.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin hat mehrere Anträge von Gegnern des sogenannten Dosenpfands zurückgewiesen. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums (BMU) hervor. Die Antragsteller hofften laut BMU auf einen Stopp der Pfandregelung. Das Gericht habe die Übereinstimmung der Pfandregeln mit dem europäischen Recht geprüft und bestätigt, hieß es. Unmittelbar nach Herausgabe dieser Presseinformation am Freitagnachmittag begann der Kurs der Tomra Systems ASA zu steigen. Bis zum Börsenschluss in Oslo erreichte er 34,70 Norwegische Kronen. Tomra ist Weltmarktführer der Hersteller von Rücknahmeautomaten für Getränkeverpackungen.
Laut einer Meldung der Agentur Dow Jones-VWD zweifelt die Europäische Kommission an der Rechtmäßigkeit der Pfandpflicht auf Einweg-Getränkeverpackungen. Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein wolle die Bundesregierung nun "ultimativ" auffordern, das System kompatibel mit EU-Recht zu machen.

Die US-amerikanische Transmeta Corp. legte die Ergebnisse des ersten Quartals vor. Der Hersteller besonders stromsparsamer Mikroprozessoren steigerte den Angaben zufolge die Umsätze um 44 Prozent auf 5,2 Millionen Dollar. Der Nettoverlust stieg auf 23,4 Millionen Dollar nach 20,1 Millionen Dollar Verlust im Vergleichsquartal des Vorjahres. Transmeta stürzten in New York um 17 Prozent auf 3,40 Dollar.

Kräftige Kursgewinne verzeichneten die Aktien einiger nordamerikanischer Hersteller von Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik. Hydrogenics Corp. aus Kanada verteuerten sich um fünf Prozent auf 7,63 Kanadische Dollar. An der US-Börse Nasdaq stiegen Millenium Cell Inc. um 16 Prozent, Ballard Power Systems Inc. ebenfalls um 16 und Plug Power Inc. um 22 Prozent. Gleich 36 Prozent auf 14,31 Dollar kletterten FuelCell Energy Inc. Das Unternehmen aus Danbury (USA) hatte einen Großauftrag aus Asien gemeldet: Für die Marubeni Corp. sollen Brennstoffzellensysteme mit einer Gesamtleistung von vier Megawatt produziert werden. Hydrogenics hatte ebenfalls Verkaufserfolge bekannt gegeben.

Die US-amerikanische WorldWater Corp. hat nach eigenen Angaben die Zusage der Investmentbank SBI Brightline VIII LLC erhalten, WorldWater-Aktien im Gesamtwert von bis zu 7,28 Millionen Dollar zu übernehmen. Um die Kapitalerhöhung durchführen zu können, müssten noch gewisse, nicht näher bezeichnete Bedingungen erfüllt werden. Bis dahin habe die Bank der WorldWater Corp. einen Überbrückungskredit in Höhe von 800.000 Dollar gezahlt, hieß es. WorldWater ist auf dem Feld der erneuerbaren Energien und Wasserversorgung aktiv. Die im Bulletin Board gehandelte Aktie hatte sich in den vergangenen Wochen mehr als verdoppelt, sie gab nun acht Dollarcent auf 0,36 Dollar nach.

Ohne dass neue Nachrichten bekannt geworden wären, verlor der Kurs der init innovation in traffic systems AG zehn Prozent auf 3,83 Euro. Aixtron AG gaben elf Prozent auf 5,22 Euro ab. Analysten der HypoVereinsbank hatten Aixtron zuvor mit "underperform" eingestuft. Prozentual zweistellige Kursgewinne waren jenseits des Atlantiks zu beobachten. Im Bereich der Energietechnik legten Capstone Turbine Corp. und Active Power Inc. deutlich zu. In den Branchen Pharma und Konsum stiegen Gaiam Inc., Natural Alternatives International Inc. und Wild Oats Markets Inc. kräftig.

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Gaiam Inc. (ISIN US36268Q1031 / WKN 929048)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Hyrican Informationssysteme AG (ISIN DE0006004500 / WKN 600450)
init innovation in traffic systems AG (ISIN DE0005759807 / WKN 575980)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
Millenium Cell Inc. (ISIN US60038B1052 / WKN 940511)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)
RWE AG (ISIN DE0007037129 / WKN 703712)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)
WorldWater Corp. (ISIN US98155N1063 / WKN 909889)

Bildnachweis: Fahrradmodell "Cruiser" aus der Produktion der Mitteldeutsche Fahrradwerke AG / Quelle: Unternehmen



Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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