19.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

19.4.2006: Nachhaltigkeitsfonds mit Best-in-class-Ansatz halten Autoaktien - doch die Branche erfüllt ihre Umweltversprechen nicht

Neueste Zahlen zeigten, dass die Autohersteller ihrer Selbstverpflichtung, das Problem des Klimawandels anzugehen, nicht nachkämen. Die Branche habe ihr Ziel, den Kraftstoffverbrauch ihrer Produkte zu senken, um zwei Drittel verfehlt. Das kritisiert Transport & Environment (T&E), die nach eigenen Angaben größte europäische Umweltorganisation, die sich speziell mit Transportfragen beschäftigt.

Automobilaktien finden sich auch in etlichen Nachhaltigkeitsfonds und -indizes, in der Regel in solchen, die nach dem Best-in-class-Prinzip arbeiten. So gelten derzeit BMW und Toyota als nachhaltig, aber auch Aktien von VW, DaimlerChrysler, Ford, General Motors und Porsche fanden und finden sich in den Portfolios von Nachhaltigkeitsfonds. Die T&E-Kritik legt es nahe, zu untersuchen, ob die Automobilbranche überhaupt derzeit als "nachhaltig" gelten kann. Denn die Senkung des Kraftstoffverbrauchs ist für die Bewältigung des Klimaproblems entscheidend, da Autos umso mehr CO2 in die Atmosphäre abgeben, je höher ihr Verbrauch ist. Letztes Jahr verkauften die europäischen Hersteller laut T&E Autos, die im Schnitt 160 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, was gegenüber dem Vorjahr einer Abnahme von nur einem Prozent entspricht. Dies ergebe sich aus den von T&E ausgewerteten Verkaufszahlen. Der europäische Automobilherstellerverband ACEA (European Automobile Manufacturers Association) hatte der europäischen Kommission im Jahre 1998 zugesagt, bis zum Jahre 2008 die durchschnittliche CO2-Emission eines Neuwagens auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken.

Wenn die Autohersteller ihr selbstauferlegtes Ziel erreichen wollen, müssen sie in den nächsten drei Jahren eine Verbesserungsrate von 4,3 Prozent pro Jahr erzielen. Bisher lag die beste, im Jahre 2000 erzielte Leistung bei 2,9 Prozent.

Jos Dings, Direktor von T&E, kritisierte, die Autobranche sei weiterhin für 15 Prozent der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich. Er forderte Gesetzesänderungen, da die freiwilligen Verpflichtungen nicht ausreichen würden.
Laut T&E sei die Senkung des Kraftstoffverbrauchs nicht teuer; sie könne mit weithin verfügbaren Technologien erreicht werden. Ein im letzten Jahr für die europäische Kommission verfasster Bericht zeige, dass die Kosten zur Erreichung des EU-eigenen Ziels von 120 Gramm CO2 pro Kilometer bei Neuwagen durchschnittlich 577 Euro pro Fahrzeug betragen würden. Die Zielvorgabe der EU würde die Kraftstoffkosten um 25 Prozent reduzieren. Zu heutigen Preisen würde das für ein Durchschnittsauto in drei Jahren zu einer Einsparung von 1.000 Euro führen.

Die Verkaufszahlen und die CO2-Daten für das Jahr 2005 stammen laut T&E von R.L. Polk Marketing Systems GmbH, Deutschland. Die Daten wurden vom britischen IEEP-Institut (Institute for European Environmental Policy) im Auftrage von T&E ausgewertet.

Bildhinweis: Hybrid-Auto Toyota Prius / Quelle: Unternehmen
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