19.08.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

19.8.2003: "Selbstverständlich erklärungsbedürftig" � Interview mit Ulrich Wogart, Finanzvorstand der farmatic, zum Rückkauf werthaltiger Beteiligungen

2001 erfolgte die Platzierung eines von der Schroeder & Co. Gesellschaft für Beteiligungen und der farmatic biotech energy AG als Mitinitiator neu aufgelegten Beteiligungsfonds für Biokraftwerke (Biopower Renditefonds 1). Nun hat farmatic indirekt (erworben wurden die Anteile an der Fondsgesellschaft) zwei Großanlagen in Deutschland und 31 Prozent einer Anlage in England aus dem Fondsvermögen zurückgekauft. Es handelt sich um die Biokraftwerke in Alteno und Karstädt sowie um eine Anlage in Holsworthy. Damit übernimmt farmatic wieder direkt die im Geschäftsjahr 2001 in die Fondgesellschaft eingebrachten Beteiligungen (lesen Sie dazu die Unternehmensmeldung auf ECOreporter.de vom 29. Juli).


ECOreporter.de: Wann und warum hat sich farmatic zum Rückkauf der Anlagen entschlossen?
Ulrich Wogart: Hintergrund der Anteilsübernahme ist die schwierige wirtschaftliche Entwicklung der entsprechenden Anlagen, deren Betrieb nicht wie bei Veräußerung dargestellt realisierbar erscheint. Die entsprechenden Biogasanlagen können nunmehr unter der Führung von farmatic wirtschaftlich nachhaltig ausgerichtet und gesteuert werden.

Im Rahmen der umfassenden Restrukturierung der farmatic durch das neue Management wurden auch die in das Fondsvermögen eingebrachten Anlagen einer eingehenden Analyse unterzogen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die im Zusammenhang mit der Veräußerung der Anteile getroffenen Aussagen zur zukünftigen Entwicklung der Rendite kurzfristig nicht erwirtschaftet werden können, wenn die vorliegenden Betreiberkonzepte nicht angepasst werden.

Mit der Rückabwicklung des Fonds und der Übertragung der Anteile an farmatic ist die Voraussetzung dafür geschaffen, die Biokraftwerke Alteno, Karstädt und Holsworthy jetzt wieder erfolgreich neu auszurichten.

ECOreporter.de: Welche Kosten sind Ihrem Unternehmen durch den Rückkauf entstanden? Wie viel Geld will farmatic nun in die Anlagen stecken?
Ulrich Wogart: Kosten durch den Rückkauf: gesamt � 969.883,75.
Die Anlagen sind technisch ausgereift, einen großen Investitionsbedarf ergibt sich zurzeit unmittelbar nicht. Die Probleme in den Anlagen lagen in der Beschickung sowie in der Steuerung der Anlagen, die hiermit dann aus dem Weg geräumt werden.

ECOreporter.de: Inwiefern sind diese Ausgaben gerechtfertigt?
Ulrich Wogart: Fakt ist: Die Ausgaben stellen sich aus mehreren Posten zusammen: u.a. Rechtsberatungskosten, Zinsschäden und Kostenanteil laut Rückabwicklungsvertrag.

ECOreporter.de: Wie will farmatic die Profitabilität der Anlagen erhöhen? Welche Gewinnziele werden für sie anvisiert?
Ulrich Wogart: Ziel ist es, die Profitabilität der werthaltigen Anlagen durch Anpassung der Stoffströme und die Umsetzung rentabilitätssteigernder Maßnahmen zu erhöhen.

ECOreporter.de: Unter welchen Voraussetzungen könnte farmatic diese Beteiligungen erneut in einen Fonds einbringen?
Ulrich Wogart: Es ist beabsichtigt, die Beteiligungen entweder zur langfristigen Bindung der Betreiber an farmatic und als profitable Finanzanlagen auch in Zukunft weiter zu halten oder alternativ in einen neuen Fonds einzubringen.

Die Nachfrage nach Beteiligungsfonds an profitablen und ökologisch initiierten Projekten - insbesondere aus dem Bereich der erneuerbaren Energien - ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Daher wird auch in Zukunft mit einem steigenden Interesse an entsprechenden Biogas-Fonds gerechnet.

ECOreporter.de: Inwiefern gehen Sie davon aus, dass Schroeder & Co. bei einer Auflage abermals als Partner zur Verfügung stehen würde?
Ulrich Wogart: Wir gehen nicht davon aus, da es bisher keinen positiven "Track Record" gegeben hat.

ECOreporter.de: Wie bewerten sie den durch die Rücknahme der Beteiligungen entstandenen Imageschaden für farmatic?
Ulrich Wogart: Die Rücknahme ist selbstverständlich erklärungsbedürftig. Der Imageschaden wäre aber größer gewesen, hätten wir die Anlagen nicht zurückgekauft, sondern hätten die Anlagen der unprofessionellen Geschäftsführung überlassen.

ECOreporter.de: Herr Wogart, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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