19.08.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

19.8.2004: Probleme, wenn der Umsatz sinkt - ECOreporter.de-Interview mit Bernd Weber, Vorstand der Janosch film & medien AG

Die Janosch film & medien AG hat im Geschäftsjahr 2003 bei rückläufigen Umsätzen den Gewinn gesteigert. Wie das Medienunternehmen mit Sitz in Berlin meldete, stieg das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Zinsen (EBITDA) auf 1,3 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse sanken auf 1,94 Millionen Euro nach 2,36 Millionen im Vorjahr. Die Abschreibungen beliefen sich auf 4,2 Millionen Euro. ECOreporter.de sprach mit Bernd Weber, Vorstand der Janosch film & medien AG, über die Ertragslage, die drückende Verschuldung und die Zukunftschancen der Gesellschaft.

ECOreporter.de: Wem gehört die Janosch film & medien AG, wer sind die größten Aktionäre?
Bernd Weber: Die weitaus größten Investoren sind eine Gruppe um Herrn Janosch. Sie halten knapp 70 Prozent der Aktien. Die B.A.U.M. AG liegt knapp unter zehn Prozent und der Rest sind Kleinaktionäre.

ECOreporter.de: Bereits im Vorjahr waren außerplanmäßige Abschreibungen auf Janosch-Rechte (elf Millionen Euro) die Hauptursache für einen Fehlbetrag. Im Lagebericht für das Geschäftsjahr 2003 werden nun außerplanmäßige Abschreibungen auf Rechte, Forderungen und auf die Beteiligung an der Tochtergesellschaft Papa Löwe Filmproduktion für den aktuellen Jahresfehlbetrag verantwortlich gemacht. Inwiefern war dies eine überraschende Entwicklung, inwiefern erhalten die Aktionäre die schlechten Nachrichten in Raten?
Weber: Wir liefern nicht schlechte Nachrichten in Raten; wir liefern gute wie schlechte Nachrichten, wenn sie anstehen.
Im Nachhinein hätte es sicher besser ausgesehen, die Sonderabschreibungen des Jahres 2003 bereits 2002 zu machen. Dann hätten wir 2003 einen Gewinn in der Bilanz. Aber in 2002 wie 2003 sind die Abschreibungen ja nicht willkürlich; Grundlage für die Abschreibung ist eine Bewertung der Rechte. Diese Bewertung ist von vielen Faktoren abhängig - auch von einigen, auf die wir keinerlei Einfluss haben.

Richtig ist: Die Rechte sind zu einem Wert eingebracht worden, der geprägt war vom damaligen Optimismus des Neuen Marktes. Nahezu alle Medienunternehmen mussten Ihre Erwartungen drastisch nach unten korrigieren - auch wir. Hinzu kommt, dass nach den Bilanzskandalen der vergangenen Jahre die Wirtschaftsprüfer viel genauer hinschauen. Und das ist ja auch gut so.

ECOreporter.de: Sie führen die Sonderabschreibungen darauf zurück, dass die Bewertung der Rechte reduziert werden muss. Wie kommt die Summe von vier Millionen Euro zustande?
Weber: Wir aktualisieren jedes Jahr unsere Unternehmensplanung. Dabei treffen wir Annahmen über unsere Umsätze, die auch von der konjunkturellen Lage abhängen. Und die hat sich im zurückliegenden Jahr nicht gebessert. Gerade für Medienunternehmen ist das Umfeld nicht einfach. Darum haben wir etwas zurückhaltender geplant.

Das führt dazu, dass wir die bei der Janosch AG liegenden Rechte nochmals um 2 Millionen Euro und den Wert der Papa Löwe-Beteiligung um 1,5 Millionen Euro reduziert haben. Außerdem haben wir vorsichtshalber Forderungen abgeschrieben.

ECOreporter.de: Wird es im kommenden Geschäftsjahr keine Sonderabschreibungen geben?
Weber: Das kann niemand mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. Ich bin aber sicher, dass wir alle erkennbaren Risiken erfasst haben. Dann können wir für 2004 ein positives Ergebnis abliefern, vor Sonderabschreibungen waren wir ja bereits 2003 im Plus.

ECOreporter.de: Wie viele Personen sind noch bei der Janosch film & medien AG beschäftigt? Was verdient der Vorstand?
Weber: Bei der Janosch AG arbeiten drei Personen: eine Assistentin, ein Prokurist, ein Vorstand. Der Personalaufwand inklusive Sozialabgaben beträgt aktuell rund 18.000 Euro im Monat. Da kann jeder schnell selbst abschätzen, was der Vorstand verdient...

ECOreporter.de: Wie es im aktuellen Lagebericht heißt, wurden in der Beziehung zum früheren Großaktionär B.A.U.M. AG gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten durch Kapitalmaßnahmen "weitgehend erledigt". Wie ging das? Forderungen in welcher Höhe gibt es von der Janosch film & medien AG an die B.A.U.M. AG und wofür?
Weber: Die B.A.U.M. AG konnte nicht alle Aktien bezahlen, die sie bei einer Kapitalerhöhung 2001 gezeichnet hat. Deshalb wies unsere Bilanz 2002 eine ausstehende Einlage von rund 1,4 Millionen Euro aus. Diese Aktien haben wir eingezogen, um die Bilanz zu bereinigen. Außerdem haben wir noch bestehende Forderungen und Verbindlichkeiten aus den Vorjahren aufgerechnet - so hat die B.A.U.M. AG etwa in der Anfangszeit unseres Bankkredits eine größere Zinszahlung übernommen. Im Ergebnis schuldete die Janosch AG der B.A.U.M. AG noch rund 220.000 Euro. Diese Schuld ist aber inzwischen auch erledigt.

ECOreporter.de: Inwiefern wirkt sich die Insolvenz der B.A.U.M. AG auf die Aktionäre der Janosch film & medien AG aus? Verwaltet sie noch immer treuhänderisch 20 Prozent der Anteile (Streubesitz)?
Weber: Der Treuhandvertrag wurde bereits Ende 2002 aufgehoben. Die Insolvenz dürfte keine Auswirkungen auf unsere übrigen Aktionäre haben.

ECOreporter.de: Im aktuellen Lagebericht ist von einer eingeschränkten Liquidität die Rede. Inwiefern droht die Insolvenz der Gesellschaft?
Weber: Im vergangenen Jahr war die Liquidität knapp. Inzwischen haben wir mit unserer Bank eine Streckung der Tilgungen für unseren Kredit vereinbart. Dadurch hat sich die Lage deutlich entspannt. Von Insolvenz ist überhaupt keine Rede.

Es bleibt jedoch unser Ehrgeiz, den Kredit zügig zurückzuzahlen. Das wird auch weiterhin die Liquidität der AG ziemlich beanspruchen. Bei den Investitionen werden wir also auch weiterhin keine großen Sprünge machen, sondern die AG kontinuierlich und beharrlich aufbauen.

ECOreporter.de: Wie kam es zu der erheblichen Verschuldung des Unternehmens?
Weber: Neben den Zuflüssen aus den Kapitalerhöhungen benötigte die B.A.U.M. AG weitere Mittel, um den Kauf der Rechte und der Papa Löwe-Beteiligung zu finanzieren. Deshalb wurde ein Kredit über 20 Millionen Mark aufgenommen - also etwas über 10 Millionen Euro. Die BAUM hat 2001 die Rechte, die Papa Löwe-Beteiligung und den Kredit in die Janosch AG eingelegt. Dafür hat sie 19,2 Millionen Aktien der Janosch AG erhalten.

ECOreporter.de: Wie hoch ist die jährliche Zinsbelastung, in welchem Umfang haben Sie bisher Mittel für die Tilgung der Verbindlichkeiten aufbringen können? Wie lange wird die Janosch AG brauchen, um den Schuldenberg abzutragen?
Weber: Der Kredit beläuft sich noch auf 7,1 Millionen Euro; rund drei Millionen haben wir bisher getilgt.

Wir haben mit der Bank Anfang 2004 eine flexiblere Tilgung vereinbart. Wir tilgen mindestens eine Million im Jahr, bei guter Ertragslage mehr.

Unser Zinsaufwand 2003 betrug rund 490.000 Euro.

ECOreporter.de: Welche Laufzeit haben die Kredite?
Weber: Die jetzige Vereinbarung läuft bis Herbst 2007. Dann werden wir eine Anschlussvereinbarung treffen.

ECOreporter.de: Wie sicher sind die Kredite (aus Sicht der Banken) nach der Insolvenz der B.A.U.M.?
Weber: Die B.A.U.M. hat eine Bürgschaft für den Kredit gegeben. Was diese Bürgschaft wert ist, das mag die Bank beurteilen. Die Bank hat jedenfalls als Sicherheit für den Sieben-Millionen-Kredit unsere Rechte und Beteiligungen. Diese stehen - vom Wirtschaftsprüfer Ernst & Young geprüft - mit rund 22 Millionen Euro in unseren Büchern. Das scheint mir keine Situation zu sein, in der eine Bank nervös wird.

ECOreporter.de: Laut dem Bericht können nur Umsatzsteigerungen zu verbesserten Jahresergebnissen führen. Wie gefährdet ist die Janosch film & medien AG, wenn diese nicht erreicht werden?
Weber: Diese Aussage heißt vor allem: Wir glauben nicht, dass wir unsere Kosten noch wesentlich senken können. 2003 haben wir die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte gesenkt. Die Personalkosten sind um ein Drittel gefallen und mit drei Personen sind wir jetzt ein sehr überschaubares Team. Wenn die Kosten nicht mehr wesentlich gesenkt werden können, dann müssen weitere Verbesserungen des Ergebnisses aus Umsatzsteigerungen kommen.

In unseren Planungen sind wir da vorsichtig vorgegangen - was ja zu den Sonderabschreibungen geführt hat. Aber für die Rückzahlung unseres Großkredits brauchen wir stabile bis leicht steigende Umsätze - sonst bekommen wir Probleme.

Wir sind inzwischen aber gut aufgestellt. Der 2003 erschienene Sammelband "Ach, so schön ist Panama" wurde bereits 75.000 Mal verkauft. Und in Kürze erscheint das erste neue Janoschbuch seit sechs Jahren: "Onkel Puschkin - guter Bär". Außerdem ist ein von Janosch illustriertes Kochbuch erschienen und auch zur TV-Serie Antje kommt jetzt das erste Buch auf den Markt. Die beiden Trickfilmserien "Papa Löwe und seine glücklichen Kinder" und "Antje & friends" laufen regelmäßig im Tigerentenclub der ARD - und sind auch auf DVD erschienen. Jüngst sind zwei neue Lieder-CDs auf den Markt gekommen, es folgt demnächst das Hörbuch zu "Onkel Puschkin" und eine neue Lern-CD-ROM...

Bei allen Bilanzfragen ist das wirklich entscheidend: Wir bringen neue, attraktive Produkte in die Läden und aktualisieren die Marke "Janosch". So schaffen wir die angepeilten Umsätze, ohne uns ganz auf die Konjunktur zu verlassen.

Und der nächste große Schritt steht an: Im Frühjahr 2006 soll der erste Janoschfilm in die Kinos kommen...

ECOreporter.de: Wer realisiert den Janoschfilm und wer trägt bei diesem Projekt das Risiko?
Weber: Der Kinofilm wird von unserer 85-Prozent-Tochter Papa Löwe-Filmproduktion GmbH produziert. Er wird - wie bei solchen Projekten üblich - finanziert in einer Kombination aus Co-Produzentengeldern, Fördergeldern und Vertriebsvorschüssen. Auch die Papa Löwe Filmproduktion bringt in geringerem Umfang Eigenmittel ein.
Die AG wird den Film nicht mitfinanzieren, trägt also auch kein Risiko. An den unmittelbaren Gewinnen profitieren wir darum auch "nur" über unsere Tochtergesellschaft - und natürlich nutzt uns die steigende Bekanntheit von Janosch und der Zugang zu internationalen Märkten.

ECOreporter.de: Herr Weber, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Die Aktien der Janosch film & medien AG werden nur außerbörslich über die DepotVG, Bad Mergentheim, gehandelt.

Bild: Bernd Weber; Logo der Janosch film & medien AG
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