20.11.01

20.11.2001: Verabschiedung des Bundes-Naturschutz-Gesetzes: Start frei für die Offshore-Windkraft-Nutzung

Der Bundesverband WindEnergie e.V.,Osnabrück (BWE) macht auf die Verabschiedung des BundesNaturschutzGesetzes (BNatSchG) in der vergangenen Woche aufmerksam: Mit der Verabschiedung des Gesetzes am Donnerstag sei ergänzend zum lokalen Naturschutz erstmalig die besondere Schutzwürdigkeit des Klimas verankert worden (ß2), hieß es.
Außerdem sei der gesamte Planungsprozess der Windkraft-Nutzung auf See (offshore) auf eine deutlich verbesserte und zum Teil vereinfachte Rechtsgrundlage gestellt worden. Durch die rechtsverbindliche Festlegung der auch schon bisher durchgeführten Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) werde den Belangen der Meeresumwelt und des Vogelzuges Rechnung getragen.

Die Ausweisung von besonderen Windkraft-Nutzungsgebieten durch das Bundesumweltministerium vereinfache das Antragsverfahren, für das jedoch nach wie vor das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zuständig sei. "Dem Ziel, bis zum Jahr 2030 etwa 25.000 Megawatt (MW) Windkraft-Leistung - entsprechend einer Stromproduktion von rund 70 bis 80 Mrd. Kilowattstunden (kW) - offshore zu ernten, ist nun der Weg weiter geebnet worden", bewertete Peter Ahmels, Präsident des BWE, das neue Gesetzeswerk. Bisher habe es für Planungen, die sich in einem großen Teil der Nordsee mit den sogenannten Important Bird Areas (IBAs), besonderen Vogelschutzgebieten, überschnitten, aufgrund des EU-Rechts keine Planungssicherheit gegeben. Diese habe nur durch Ausweisung besonderer, nach EU-Vorgaben definierter Schutzgebiete nach der Vogelrichtlinie (VRL), der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie und dem Natura 2000- Netz geschaffen werden können. Die unkritischen Flächen könnten jetzt nach der Ausweisung zur Windernte genutzt werden.

Für andere Projekte, für die noch keine umweltrelevanten Daten vorliegen, sei analog zur Windkraft-Nutzung an Land die UVP eingeführt worden, um hier zu einer sachgerechten Abwägung aller Interessen zu kommen. Neu hinzugekommen sei die Möglichkeit, dass für einen Standort mehrere Anträge gestellt werden könnten, die allerdings nach dem Prioritätsprinzip abgearbeitet würden: Der Antrag, der zuerst genehmigungsfähig sei, mache das Rennen. Der Planungsvorsprung der bisherigen Akteure dürfte nach Einschätzung des BWE einen Einstieg für Newcomer eher schwierig machen. Dennoch müsse es hier wie auch schon bisher bei einem für alle Beteiligten nachvollziehbaren Entscheidungsgang bleiben, um nicht neue Klagen und damit Verzögerungen zu riskieren.

Nach Angaben des BWE hat eine moderne Windkraft-Anlage der Megawatt-Klasse eine Nennleistung von 1,5 MW und einen Rotordurchmesser von 70 Metern. An einem durchschnittlichen Standort erzeuge ein Windrad dieser Dimension im Jahr rund 3,5 Mio. kW Strom - genug Energie für 1.000 Vier-Personen-Haushalte. Eine Windturbine für die Offshore-Nutzung werde künftig eine Nennleistung zwischen drei und fünf MW haben. Eine Fünf-MW-Anlage könne dank der stärkeren Winde auf hoher See im Jahr rund 17,5 Mio, kW Ökostrom produzieren - genug Energie für rund 5.000 Vier-Personen-Haushalte.

Derzeit gebe es weltweit neun maritime Windkraft-Projekte. In Dänemark (3), Schweden (3), den Niederlanden (2) und in England. Den Anfang hätten Anfang der Neunziger Jahre zwei Windparks in der Ostsee Dänemarks gemacht: Vindeby (11 x 450 kW) und Tun¯ Knob (10 x 500 kW). Auch im niederländischen Ijsselmeer gebe es seit Mitte der Neunziger Jahre zwei Projekte (4 x 500 kW und 28 x 600 kW). 1997 sei der Windpark "Bockstigen" vor Gotland in Schweden (5 x 550 kW) gebaut worden.

In den zurückliegenden 18 Monaten seien die Windparks "Blyth" bei Newcastle in England (2 x 2,0 MW), Utgrunden (7 x 1,5 MW) und Yttre Stengrund (5 x 2 MW) im schwedischen Kalmarsund sowie das derzeit größte Offshore-Projekt "Middelgrunden" vor den Toren Kopenhagens (20 x 2 MW) hinzu gekommen.

Am 9. November habe das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie das erste Off-shore-Projekt in Deutschland genehmigt: Rund 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum errichte die Prokon Nord GmbH aus Leer aller Voraussicht nach im Jahr 2003 in einer Pilotphase zwölf Windturbinen der Multi-Megawatt-Klasse mit jeweils bis zu fünf MW Nennleistung.

Weltweit sei Ende Juni 2001 eine Windkraft-Leistung von knapp 20.000 MW installiert gewesen, erläuterte der BWE, davon knapp 15.000 MW in Europa. Zu den führenden Ländern gehörten nach Deutschland, wo Ende September rund 7.500 MW installiert gewesen seien, Spanien (2.800 MW), die USA (2.500 MW), und Dänemark (2.400 MW). Neue Studien gingen davon aus, dass bis zum Jahr 2010 eine Windkraft-Leistung von rund 60.000 MW in Europa installiert sein werde.
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