20.01.03

20.1.2003: Wochenrückblick: Energiewirtschaft wehrt sich gegen Emissionsrechtehandel - SolarWorld steigert Umsatz - Tomra profitiert von Dosenpfand

(H.K.) Das produzierende Gewerbe Deutschlands steigerte den Produktionsausstoß im November um unerwartet hohe 2,5 Prozent. Neben der Herstellung von Investitionsgütern fiel besonders das Bauhauptgewerbe mit überdurchschnittlich großen Steigerungsraten auf. Die Produktion von Konsumgütern blieb dagegen weiterhin schwach. In den USA hat sich die Verbraucherstimmung deutlich verschlechtert, und die geringen Umsätze des Einzelhandels geben Volkswirten Anlass zur Besorgnis. Man hofft nun darauf, dass das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2004 anziehen wird.

Der DAX sank in der vergangenen Woche um vier Prozent, während sich der Neue Markt unverändert zeigte. Der amerikanische Dow Jones Industrial Average Index gab um zwei Prozent nach, der Nasdaq Combined Composite Index verlor fünf Prozent. In Japan stieg der Nikkei-225 um drei Prozent. Rohöl verteuerte sich um sechs Prozent.

Die deutsche Energiewirtschaft fürchtet den bevorstehenden Beginn des Emissionsrechte-Handels, dieser könnte die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern verteuern. Dr. Dietmar Kuhnt, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, sagte, die erneuerbaren Energien könnten Kohle und Öl nicht ersetzen, es gebe keine Alternative zum Bau neuer Kohlekraftwerke. Dafür fordere man Emissionsgutschriften. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement vertrat auf einer Fachtagung der Energiewirtschaft die Auffassung, Deutschland brauche den Emissionshandel nicht. Die Energiewirtschaft als auch energieintensive Branchen wie die Aluminiumindustrie müssten von den zu hohen Folgekosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) entlastet werden, sagte er. Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamts, erklärte dagegen, er wolle Beteiligungen der großen Verbundunternehmen an Stadtwerken künftig engere Grenzen setzen. Die starke Konzentration in der deutschen Energiewirtschaft behindere zunehmend den Wettbewerb, so Böge. Auch die Brüsseler EU-Kommission hatte in der Vergangenheit wiederholt Kritik an der Behinderung kleiner Stromerzeuger unter anderem durch überhöhte Netznutzungsentgelte geübt.

Der Bonner Photovoltaikkonzern SolarWorld AG (WKN 510840) meldete die vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2002. Der Konzernumsatz sei um mehr als ein Viertel gesteigert worden, das Ergebnis sei "klar positiv". Analysten der WGZ-Bank kommentierten, dass es auf die Höhe des Gewinns ankommen werde, die Empfehlung "akkumulieren" behalte man zunächst bei. Die Analysten trauen SolarWorld eine auf 0,30 Euro gesenkte Dividende zu; für das Jahr 2003 rechnen sie mit einer Steigerung auf 0,35 Euro. Die SolarWorld-Aktie notiert seit dem 15. Januar im Geregelten Markt. Der Kurs sank in Frankfurt um zwei Prozent auf 5,50 Euro.

H Power Corp. (WKN 940696), Hersteller von Brennstoffzellen aus den USA, legte die Zahlen des zweiten Quartals vor. Die Umsätze sind auf 0,7 Millionen Dollar zurückgegangen, der Verlust hat sich auf 0,87 Dollar pro Aktie ausgeweitet. H Power soll bis Ende März durch die ebenfalls amerikanische Plug Power Inc. (WKN 928999) übernommen werden. Die Übernahme erfolge per Aktientausch, hieß es; H Power-Aktionäre sollten je Aktie 0,89 Plug Power-Papiere erhalten. H Power hat bereits mit den Vorbereitungen für die Entlassung von mindestens 100 seiner 184 Mitarbeiter begonnen. H Power notierten zum Wochenschluss schwächer mit 3,83 Dollar, Plug Power brachen noch stärker auf 4,44 Dollar ein.

Das Europäische Parlament hat sich für eine beschleunigte Liberalisierung des Eisenbahnnetzes der EU ausgesprochen. Zudem stimmten die Parlamentarier dafür, dass neben den Eisenbahnunternehmen auch andere Dienstleister wie zum Beispiel Spediteure Zugang zu den Streckennetzen erhalten sollen. Ein stärker liberalisiertes Eisenbahnnetz könnte Schienenfahrzeugtechnik-Unternehmen wie der Werdohler Vossloh AG (WKN 766710) ein verbessertes Marktumfeld verschaffen. Vossloh meldete kürzlich drei Großaufträge für die Tochter Kiepe Elektrik GmbH, diese seien allerdings schon in den Umsatzplanungen enthalten gewesen. Vossloh gaben zwei Cent auf 26 Euro ab.

Aufträge aus dem Bahnbereich meldete auch die Berliner IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850): Die S-Bahnen München und RheinNeckar werden das Betriebsplanungs- und Dispositionssystem "Microbus" der Berliner einsetzen. Der Gesamtwert der Aufträge belaufe sich auf 3,3 Millionen Euro, teilte IVU mit. Die Aktie pendelt seit einigen Monaten um 0,85 Euro; am vergangenen Freitag ging sie mit 0,80 Euro aus dem Handel.

Die kanadische Trojan Technologies Inc. (WKN 902023) kündigte ehrgeizige Wachstumsziele an. So soll der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr um 20 Prozent gesteigert werden, das Ergebnis pro Aktie soll 0,40 Dollar erreichen. Vor allem in Europa und Asien wolle man wachsen, sagte Allan Bulckaert, CEO des Herstellers von Wasser-Desinfektionsanlagen mittels UV-Licht. Die deutsche Konkurrentin Wedeco AG (WKN 514180) meldete derweil die Lieferung eines großen UV-Systems nach USA; die Düsseldorfer hoffen nun auf Folgeaufträge aus Nordamerika. Trojan legten elf Prozent auf 10,35 kanadische Dollar (6,32 Euro) zu, Wedeco sanken um zwei Prozent auf 12,24 Euro ab.

Handel und Industrie Deutschlands haben sich auf das Rücknahmesystem für Einweg-Getränkeverpackungen geeinigt. Den Zuschlag erhielt das System der norwegischen Tomra Systems ASA (WKN 872535), vorbehaltlich der Zustimmung des technischen Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt. Nach Informationen des "Handelsblatt" will dieser Ausschuss seine Entscheidung am 24. Januar bekannt geben. Tomra sieht sich hier nicht in einer Monopolstellung, denn auch andere Hersteller von Rücknahmeautomaten könnten das System anwenden. Die Norweger sind aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen und des hohen Marktanteils allerdings klar im Vorteil. Die Tomra-Aktie legte in der vergangenen Woche weitere elf Prozent auf 56,50 norwegische Kronen (7,75 Euro) zu. Unterdessen sind die Gegner des sogenannten Dosenpfands auch vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. Ihr Anwalt kündigte trotz aller juristischen Niederlagen weitere Schritte an.

Der kalifornische Chiphersteller Transmeta Corp. (WKN 564775) veröffentlichte die Ergebnisse des Geschäftsjahrs. Der Umsatz ist um ein Drittel auf 24 Millionen Dollar geschrumpft, allerdings ist auch der Verlust auf 0,82 Dollar pro Aktie zurückgegangen. Im Vorjahr waren es noch 1,33 Dollar gewesen. Beim Ausblick zeigt sich das Unternehmen vorsichtig: Im laufenden ersten Quartal will man den Verlust je Aktie auf 0,12 bis 0,13 Dollar senken. In der zweiten Jahreshälfte 2003 soll eine neue Version des stromsparenden Crusoe TM5800 Prozessors mit integrierten Sicherheitsfunktionen auf den Markt kommen. Transmeta-Aktien verloren an der Nasdaq fünf Prozent auf 1,24 Dollar.

Active Power Inc. (WKN 502716) hat in den USA den sogenannten "GSA contract" erhalten. Der Hersteller batterieloser Stromversorgungsgeräte darf nun auch staatliche Einrichtungen wie Polizei und Feuerwehr sowie Rettungsdienste mit seinen Produkten beliefern. Active Power hat zudem sein Führungsteam mit Sriram Sivaram verstärkt; dieser hatte zuvor eine leitende Stellung im ABB-Konzern inne. Die Notierung der Anteilscheine gab einen Cent auf 1,77 Dollar nach.

Die Jenbacher AG (WKN 851442), Gasmotorenhersteller aus Österreich, hat die Begebung einer Unternehmensanleihe angekündigt. Im Zusammenhang damit gab das Unternehmen Zehnmonatszahlen bekannt. Der Umsatz sei um 13 Prozent gestiegen, die eigenen Ziele seien damit nicht ganz erreicht worden. Das Vorsteuerergebnis von 9,8 Millionen Euro liege um fast ein Drittel unter dem des Vorjahreszeitraums; der Auftragsbestand sei jedoch kräftig gewachsen. Früheren Ankündigungen zufolge wird der US-amerikanische General Electric-Konzern den Jenbacher-Minderheitsaktionären in dieser Woche ein Übernahmeangebot unterbreiten. Der Jenbacher-Kurs liegt derzeit fest bei 17,15 Euro.

Stora Enso Oyj (WKN 871004), schwedisch-finnischer Holz- und Papierkonzern, meldete den Erhalt einer verbesserten Kreditlinie, die unter anderem zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten verwendet werden soll. Die Aktie stieg an der Frankfurter Börse um acht Prozent auf 10,95 Euro.

Der Kurs der britischen Kosmetikkette Body Shop International Plc (WKN 870803) konnte seine monatelange Talfahrt zunächst beenden, er legte in der vergangenen Woche 26 Prozent auf 76 Pence (1,15 Euro) zu. Einen kräftigen Schub um 20 Prozent verzeichnete auch das Papier der US- amerikanischen Natural Alternatives International Inc. (WKN 880900). Dem gegenüber sank der Kurs der Interface Inc. (WKN 868656) um 18 Prozent ab. Wochenverlierer bei den Umweltaktien ist das Internet-Handelshaus Gaiam Inc. (WKN 929048) mit einem Verlust von 24 Prozent auf 8,16 Dollar.

Einer Untersuchung des Deutschen Aktien-Instituts zufolge wird die Anzahl der Aktionäre wieder größer. Zum Jahreswechsel gab es 5,3 Millionen Anleger, die direkt in Aktien investieren - 600.000 mehr als zur Jahresmitte 2002. Die Anzahl der Besitzer von Aktienfondsanteilen ist im gleichen Zeitraum allerdings um eine halbe Million zurückgegangen. Auffallend ist der starke Rückgang des Interesses in Ostdeutschland: Hier sind nur noch 2,5 Prozent der Bevölkerung Aktionäre.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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