20.01.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

20.1.2006: Kaufen oder laufen lassen? ECOreporter.de sprach mit Anlageprofis über die Bewertung der börsennotierten Solaraktien nach dem neuerliche Kurssprung

Theo Kitz, Analyst beim Bankhaus Merck Finck & Co. in München, erinnert sich: "Als wir die Aktie der SolarWorld AG erstmals zum Kauf empfohlen haben, kostete sie umgerechnet 30 Euro." Einen Aktiensplit und mehr als 500 Prozent ist das her, die Papiere des Bonner Sonnenstromkonzerns notierten am Donnerstag zuletzt mit 154,44 Euro. Auch der Kurswert vieler kleinerer Solarfirmen ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen. Wie nachhaltig sind die Börsengewinne der Sonnenenergiebranche? Welche Titel sind selbst auf dem aktuellen Niveau noch kaufenswert und von welchen Papieren sollten Anleger die Finger lassen? ECOreporter.de sprach darüber mit Branchenexperten.

Die seit 1999 börsennotierte SolarWorld AG ist ein Branchenriese; Analysten schätzen den Umsatz 2005 auf 335 Millionen Euro, im laufenden Jahr soll er auf 451,53 Millionen wachsen, 2007 auf mehr als eine halbe Milliarde Euro klettern. Dennoch waren sich die Analysten einig: Das Bonner Unternehmen ist selbst auf dem aktuellen Niveau sein Geld wert. " Die SolarWorld verdient viel Geld mit Wafern, das ist ihre Stärke", sagt Theo Kitz gegenüber ECOreporter.de. Die Bonner würden mehr Wafer produzieren, als sie selbst benötigten, der Überschuss könne verkauft werden. Der Analyst von Merck Finck & Co. hebt hervor: "Wer die Wafer baut, kontrolliert den Markt. Wafer werden immer gebraucht. Andere Firmen sind mehr auf saisonales Geschäft angewiesen. Die SolarWorld ist in allen Gliedern der Kette präsent, von dieser vertikalen Integration profitiert sie." Auch Stephan Wulf, Wertpapierexperte der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim jr. & Cie, stellt die Bedeutung der Waferherstellung heraus. Die aktuelle Marktlage sei durch die Siliziumknappheit geprägt, so Wulf. Gleichzeitig seien die Überkapazitäten im Waferbereich nicht so hoch wie im Zellbereich. "Die Waferhersteller sind deshalb im Vorteil, sie können einigermaßen ziemlich sicher sein, dass sie Silizium bekommen. Die reinen Zellenhersteller haben es da schwerer", erklärt der Experte.

Sollte man die SolarWorld-Aktie also auf dem derzeitigen Kursniveau noch kaufen? "Ich sehe den fairen Wert der Aktie bei 180 Euro, da ist also noch etwas Spielraum", sagt Kitz, mit dieser Einschätzung liege er leicht über den Konsensschätzungen seiner Analystenkollegen. Der Münchener Wertpapierfachmann traut dem Unternehmen zu, das es demnächst bessere Zahlen vorlegt als allgemein erwartet. "In Deutschland sehe ich SolarWorld am besten aufgestellt", so Kitz.

180 Euro sind ein Wort. Noch mutiger als sein Kollege aus Deutschland ist der Schweizer Fondsmanager Arthur Hoffmann; er betreut bei der Baseler Bank Sarasin & Cie AG unter anderem den Neue-Energie-Fonds Sarasin New Energy Fund. "Zur Zeit sind etliche Solaraktien teuer, aber das Umfeld stimmt. Die SolarWorld kann meines Erachtens noch im laufenden Jahr bis auf 200 Euro. Dann gibt es wieder einen Split und sie kosten wieder Hundert", sagt Hoffmann. Das Bonner Solarunternehmen sei fundamental gut aufgestellt, erklärt er, was ihm auch gut gefalle sei die Conergy AG. Der Konzern mit Sitz in Hamburg - umsatzstärkstes Unternehmen der Branche in Deutschland - sei "weit diversifiziert", Conergy habe gute Lieferverträge und gute strategische Partner. 2005 seien für die Solarfirmen weltweite neue Märkte entstanden, argumentiert der Fondsmanager, Kalifornien werde jetzt schlagartig zum zweitwichtigsten Solarmarkt nach Deutschland (Lesen Sie dazu unsere Meldung vom 13. Januar 2006). "SolarWorld und Conergy werden davon profitieren, beiden haben schon Absatzkanäle in diese Märkte. Durch die neu aufgelegten Förderprogramme können die Firmen ihre Margen weiterhin durchsetzen, es wird nicht zu einer Margenerosion kommen." Fazit des Fondsmanagers: "Beide Geschäftsmodelle stimmen."

Oppenheim-Analyst Wulf sieht die Aktie des Erfurter Solarzellenproduzenten ErSol Solar Energy AG als besonders werthaltig an. Das TecDAX-Unternehmen sei schon vor der Rallye nicht so überbewertet gewesen, habe in der Rallye nicht so stark reagiert, so Wulf. "Wir halten ErSol derzeit für einen sicheren Hafen." Auch bei der SolarWorld halte er das Rückschlagspotenzial für limitiert, erklärt der Experte, für beide Unternehmen wolle man den fairen Wert heraufsetzen. "Das sind unsere Favoriten." Die Aktie des Berliner Solarmodulbauers Solon AG wurde zuletzt mit 32,50 Euro notiert. "Wir haben für das Unternehmen einen fairen Wert von 31 Euro errechnet, die Überbewertung ist also nicht sehr signifikant ", so Wulf. Lesen zur Einschätzung der ErSol Solar Energy AG auch unsere Meldung vom 18. Januar 2006).

Die Anlageexperten halten sich an die Schwergewichte der Branche. Das kann nicht verwundern, denn diese Unternehmen verfügen gleichzeitig über großes Wachstumspotential und ausreichende liquide Mittel zur Finanzierung der Expansion. Der Analyst der Bank Oppenheim warnt: "Die Entscheidung für das Förderprogramm in Kalifornien hat einen unwahrscheinlichen Run auf Solaraktien ausgelöst. Im Windschatten dieser Meldung sind alle Titel super gelaufen. Die Nachricht war sehr wichtig für die Branche, aber die Nachfrageseite war schon vorher nicht das Problem. Die Unternehmen im Solarsektor wissen derzeit kaum, woher sie die Rohstoffe für ihre Aufträge nehmen sollen. Die Kursreaktionen waren komplett übertrieben!" Die Anteilscheine des Thalheimer Solarzellenherstellers hält Wulf auf dem aktuell erreichten Niveau für deutlich überbewertet. Bei Q-Cells sei mittelfristig durchaus mit einem Kursrückgang bis auf 50 Euro zu rechnen, erklärt er. "Das soll nicht heißen, dass wir von dem Unternehmen nichts halten. Die Q-Cell gefällt uns sehr gut, die Aktie ist aber derzeit zu teuer", so Wulf.

Der Schweizer Hoffmann lässt sich ein wenig in die Karten schauen: "Kleine und illiquide Aktien nehme ich nicht in den Fonds. Und die US-amerikanischen Solaraktien fand ich zu teuer, die habe ich nicht gekauft." Besonders schwierig werde ein Investment in US-Titel durch das begrenzte Angebot, erklärt der Fondsmanager: "Viele US-Amerikaner können nur in US-Titel investieren. Das sind oft Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger. Wenn dann die Bewertungen in die Höhe getrieben werden, halte ich mich zurück. Es kommt schnell zu Übertreibungen, weil es so wenig Unternehmen sind."

Auf dem derzeitigen Preisniveau, erklärt Hoffmann, würde er nicht zukaufen. Die Märkte bräuchten eine "Verschnaufpause". "Ich beobachte das Verhalten der Marktkräfte ", beschreibt der Sarasin-Experte seine Strategie: "Wenn die Unsicherheit zunimmt, verkaufe ich; und wenn die Volatilität (Schwankungsintensität der Kurse) nachlässt, wenn es wieder mehr Vertrauen gibt, steige ich wieder ein." Das sogenannte "Marktsentiment" spiele eine wichtige Rolle, Grundlage jedes Investments sei allerdings immer die fundamentale Bewertung eines Unternehmens. "Man muss mit dem Markt mitspielen, manchmal muss man auch den Mut haben, das Gegenteil zu machen", so Hoffmann.

Ersol Solar Energy AG: ISIN DE0006627532
Q-Cells AG: ISIN DE0005558662 / WKN 555866
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840

US-Werte
Daystar Technologies Inc. ISIN US23962Q1004 / WKN A0BMFR
Energy Conversion Devices Inc.: ISIN US2926591098 / WKN 858643
Evergreen Solar Inc.: ISIN US30033R1086 / WKN 578949
MEMC Electronic Materials, Inc.: ISIN US5527151048 / WKN 896182
Solar Energy Ltd. ISIN US83415A2015 / WKN 931100
SunPower Corp.: ISIN: US8676521094 / WKN: A0HHD1
Suntech Power Holdings Co.: ISIN US86800C1045 / WKN A0HL4L
WorldWater Corp.: ISIN US98155N1063 / WKN 909889

Bild: Referenzanlage der SolarWorld AG in Bonn; Produktion von Solarbauteilen bei der Conergy AG im Werk Rangsdorf; Solarmodul der Erfurter ErSol AG / Quelle: Unternehmen
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