20.01.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

20.1.2007: ECOreporter.de-Buchtipp: Aktienhandel per Schultelefon - Satire nimmt Finanzmarkt aufs Korn

Eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Satire auf den Finanzmarkt und seine Mechanismen hat der US-amerikanische Autor William Gaddis 1975 mit dem Roman „J.R.“ veröffentlicht. Dieser Romanklassiker aus dem 20. Jahrhundert zum Thema Geld ist unser heutiger Buchtipp, nachdem wir gestern mit „Vater Goriot“ von Balzac ein Werk aus der Zeit des Frühkapitalismus empfohlen haben. Der mit dem höchsten Literaturpreis der USA ausgezeichnete Roman „J.R.“ erzählt davon, wie ein elfjähriger Junge vom Schultelefon aus ein milliardenschweres Finanzimperium aufbaut. Was nach einem Schulausflug zur New Yorker Börse als Spiel beginnt, wird zunehmend ernst. Der Schüler setzt auf die richtigen Aktien, macht Anleihen, fusioniert Firmen und verursacht am Ende große Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Die Lektüre ist nicht nur anregend, sondern auch ausgesprochen komisch. Dies wird der Leser jedoch nur erfahren, wenn er sich auf die ungewöhnliche Erzählform einlässt. In diesem Roman gibt es weder Kapitel noch einen Erzähler; die rund 1.000 Seiten bestehen fast ausschließlich aus Dialogen von zwei Dutzend Stimmen, aus deren Gesprächen muss und kann man sich die Handlung selbst rekonstruieren. Doch was anfangs noch Mühe macht, liest sich zunehmend leichter und unterhaltsamer. Übrigens ist die Namensgleichheit des Romanhelden mit dem Bösewicht aus der TV-Serie „Dallas“ keineswegs zufällig. Dieser wurde nach der Romanfigur benannt.

William Gaddis: J R
Goldmann Verlag, Taschenbuch
ISBN: 3442450020
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