20.12.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

20.12.2004: Wochenrückblick: Nordex AG kündigt Kapitalmaßnahmen an - Aufsichtsrat schasst Umweltkontor-Vorstand - beim Dosenpfand Aussicht auf Investitionssicherheit

Die Aktienindizes veränderten sich in der zurückliegenden Woche nur wenig. Der DAX stieg um 0,2 Prozent, der TecDAX lag unverändert. In den USA erhöhte sich der Dow Jones Industrial Average Index um ein Prozent und der Nasdaq Combined Composite um 0,3 Prozent. Einzig der japanische Nikkei-225 stieg stärker, er legte drei Prozent zu. Der US-Dollar wurde um 0,6 Prozent schwächer, für einen Euro waren zum Schluss 1,3307 Dollar zu zahlen. Kräftig gestiegen ist der Ölpreis: In London verteuerte sich der Februarkontrakt für die Sorte Brent um sieben Prozent; Light Sweet Crude in New York legte sogar 14 Prozent auf 46,57 Dollar zu.

Zwei europäische Hersteller von Windturbinen meldeten Bestellungen aus Japan für das kommende Halbjahr. Die REpower Systems AG mit Sitz in Hamburg soll neun Anlagen der 1,5 Megawatt-Klasse in die Küstenstadt Hojyo liefern. Gamesa Eólica aus Spanien, Tochter der Gamesa Corporación Tecnológica, erhielt einen Auftrag für acht zwei Megawatt-Anlagen aus dem Großraum Tokio. Beide Unternehmen werden nur Maschinen und Rotorblätter liefern; die Türme werden von asiatischen Herstellern kommen, hieß es. Japan gilt als besonderer Markt für Windturbinen. Zum einen stellen Taifune und schwierige Landschaft hohe Anforderungen an die Technik; zum anderen ist der Markt recht gleichmäßig unter vielen Herstellern aufgeteilt, was scharfe Wettbewerbsbedingungen nach sich zieht. REpower fielen um sieben Prozent auf 12,23 Euro, Gamesa gaben in Madrid zwei Prozent auf 9,50 Euro nach.

Der Hamburger Windmühlenbauer Nordex AG kündigte Kapitalmaßnahmen an. Zunächst stehe eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis 10:1 an, das heißt: aus je zehn Aktien wird eine neue Aktie, während sich der Kurs rechnerisch verzehnfacht. Anschließend sei eine "Barkapitalerhöhung ohne Bezugsrechtsausschluss" um bis zu 41,64 Millionen neue Aktien zum Ausgabekurs von 1,00 Euro geplant. Mit einer Gruppe von Finanzinvestoren sei bereits eine Exklusivitätsvereinbarung unterzeichnet worden. Des Weiteren würden die Bankverbindlichkeiten gegen Gewährung von bis zu 12 Millionen neuen Aktien reduziert sowie die Kreditlinien erweitert. Über dieses Konzept bestehe "unter den wesentlichen Parteien - mit Ausnahme einzelner Kreditinstitute - grundsätzlicher Konsens", teilte Nordex mit. Die Verhandlungen sollen fortgesetzt und das Refinanzierungskonzept soll der für Februar 2005 geplanten Hauptversammlung vorgelegt werden. Der Kapitalschnitt orientiere sich an der erwarteten Entwicklung des Eigenkapitals bis zum Jahresende 2004, hieß es weiter. Die dazu bekannt gegebenen vorläufigen Zahlen des Konzernabschlusses (30. September) weisen eine konstante Gesamtleistung von 219 Millionen Euro aus. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) erreichte minus 27,7 Millionen Euro, nach minus 172 Millionen Euro im vorangehenden Geschäftsjahr. Das Eigenkapital lag zum Geschäftsjahresschluss bei nur noch 10,1 Millionen Euro, die Bankschulden bei 49 Millionen. Nordex notierten am Freitag Abend bei 0,72 Euro. Die Mitteilung war kurz vor Schluss der Frankfurter Börse bekannt gegeben worden.

Der Aufsichtsrat der Umweltkontor Renewable Energy AG hat Vorstand Heinrich Lohmann mit sofortiger Wirkung von seinem Amt entbunden. Alleinvorstand sei nun das bisherige zweite Vorstandsmitglied, Rechtsanwalt Dr. Erik Silcher. Zwei Tage zuvor hatte bereits Pressesprecher Andreas Köster sein Ausscheiden zum Jahresende mitgeteilt. Angesichts der wirtschaftlich unklaren und schwierigen Situation des Unternehmens habe er sich beruflich neu orientiert, so Köster. Umweltkontor hatte im September 2004 Insolvenz angemeldet. Die Aktie gab 2,9 Cent auf 0,194 Euro nach.

Die Hamburger P&T Technology AG gab Verkäufe von Windparkprojekten in Italien in einer Größenordnung von 700 Megawatt an einen Projektentwicklungsfonds bekannt. Die Projekte befänden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Die Konzerntochter EECH AG sei mit dem Vertrieb des Fonds beauftragt. Der Konzern erwarte aus der Transaktion einen Buchgewinn von 8,5 Millionen Euro, da der Fonds für den Verkauf vorgesehen und daher nicht zu konsolidieren sei. Den Konzern-Jahresfehlbetrag erwartet das Unternehmen nun bei minus drei Millionen Euro. Die P&T-Aktie war vor dieser Meldung bis auf 1,18 Euro gestiegen - ein Zuwachs um 33 Prozent. Der Schlusskurs am Freitag lag mit 0,93 Euro nur noch vier Cent über dem Vorwochenstand.

Plambeck Neue Energien AG meldete einen Fortschritt im Offshore-Windparkprojekt "Borkum Riffgrund". Die Baugrunduntersuchungen seien mit positivem Ergebnis abgeschlossen worden. Das Projekt sehe die Errichtung von zunächst 77 Windmühlen in der Nordsee, rund 40 Kilometer nördlich von Borkum vor. Des Weiteren teilte der norddeutsche Windparkprojektierer einen juristischen Vergleich mit, in dessen Folge Risiko-Rückstellungen in Höhe von drei Millionen Euro aufgelöst werden könnten. Dem Unternehmen würden außerdem "zusätzliche Projektrechte in der Größenordnung von 88 Megawatt" gesichert, hieß es. Plambeck stiegen um vier Cent auf 0,82 Euro.

Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG gab eine Beteiligung an der Solland Solar Energy Holding B.V. bekannt. Solland sei ein niederländischer Hersteller von Solarzellen, gegründet 2003, und plane im Herbst 2005 die erste Produktionslinie für Solarzellen mit einer Jahreskapazität von 20 Megawatt in Betrieb zu nehmen. Die Solon-Beteiligung in Höhe von 0,7 Millionen Euro entspreche zwölf Prozent des Grundkapitals. Die Solon-Aktie gab zwei Prozent auf 14,70 Euro nach.

Die japanische Sharp Corp., weltweit führender Hersteller von Photovoltaik-Technik, gab Ausbaupläne der Solarzellenproduktion in Japan bekannt. Ab Januar 2005 will der Elektronik-Konzern über Zellenkapazitäten von jährlich 400 Megawatt verfügen. Zur Zeit sind es nach Unternehmensangaben 315 Megawatt. Das Investitionsvolumen betrage rund fünf Milliarden Yen, so Sharp.

Analysten von Merck Finck & Co haben die Aktie der SolarWorld AG mit einem Kursziel von 80 Euro zum Kauf empfohlen. Die Analysten schätzen, dass sich der Konzernumsatz bis zum Jahr 2006 auf 365 Millionen Euro erhöhen wird. Der Gewinn pro Aktie würde dann bei 4,92 Euro liegen, was beim Kurs von 64 Euro zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 führe. SolarWorld könnte zum europäischen, vielleicht sogar zum weltweiten Marktführer der Photovoltaik-Industrie aufsteigen, hieß es. Die Analysten nahmen bei ihren Schätzungen an, dass keine Kapitalerhöhung notwendig werde, sie wollten diese Variante aber auch nicht ganz ausschließen. SolarWorld waren am Freitag im Xetra-Handel bis auf 66,90 Euro gestiegen. Eine große Xetra-Transaktion gegen 17.39 Uhr, also schon nach dem offiziellen Handelsschluss, drückte den Kurs dann wieder auf 63,90 Euro. Das entspricht etwa dem Vorwochen-Schlusskurs von 64 Euro.

Phönix SonnenStrom AG, Projektierer und Großhändler aus Sulzemoos, meldete einen Rahmenvertrag mit Photowatt International. Im kommenden Jahr werde Phönix Solarmodule mit einer Gesamtleistung von acht Megawatt von dem französischen Hersteller beziehen. Damit könne man den Vertriebspartnern eine höhere Liefersicherheit bieten, so Phönix. Photowatt International S.A. ist eine Tochtergesellschaft der kanadischen Automation Tooling Systems Inc. (ATS). Die Gesellschaft mit Sitz in Bourgoin-Jallieu beschäftigt nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter und verfügt über eine Jahreskapazität von 25 Megawatt. Phönix gaben in Frankfurt leicht auf 7,77 Euro nach, ATS stiegen in Toronto um vier Prozent auf 10,50 Kanadische Dollar.

Die schon zur Normalität gewordenen starken Kursschwankungen im Photovoltaik-Bereich betrafen diesmal zwei Solarzellen-Hersteller: Sunways AG kletterten um 13 Prozent auf 6,65 Euro, die US-amerikanische Evergreen Solar Inc. verteuerte sich um elf Prozent auf 3,68 Dollar je Aktie.

Ballard Power Systems Inc. verteuerten sich an der Börse Nasdaq um 13 Prozent auf 6,79 Dollar. Der kanadische Brennstoffzellenhersteller hatte über ein Investment der DaimlerChrysler AG und der Ford Motor Co. informiert. Die beiden Autohersteller haben den Angaben zufolge Ballard-Aktien für 55 Millionen Kanadische Dollar gekauft. Des weiteren meldete Ballard einen Wechsel des Technikvorstands.

FuelCell Energy Inc. aus den USA stiegen um 15 Prozent nach Vorlage des Jahresabschlusses zum 31. Oktober. Der Hersteller von stationären Brennstoffzellen-Anlagen hat den Angaben zufolge 31,4 Millionen Dollar umgesetzt, nach 33,8 Millionen im Vorjahr. Der Nettoverlust hat sich, bereinigt um Einmaleffekte, leicht auf minus 64,9 Millionen Dollar verringert. Unbereinigt ergab sich ein Nettoverlust von 86,4 Millionen Dollar. Das Unternehmen verfügte zum 31. Oktober über einen Cashbestand von 152,4 Millionen Dollar. Nach Geschäftsjahresende kamen netto 93,5 Millionen aus einer Kapitalerhöhung hinzu. Die Aktie lag zum Schluss bei 9,73 Dollar.


Für das Dosenpfand besteht nun offenbar Rechts- und Investitionssicherheit. Der Europäische Gerichtshof hat das deutsche Pfandsystem als in Teilen rechtswidrig, grundsätzlich aber vereinbar mit europäischem Recht eingestuft. Die notwendigen Veränderungen sind am vergangenen Freitag, zusammen mit einer Vereinfachung des Systems, vom Bundesrat angenommen worden. Sie werden zum Teil im Frühjahr 2005, zum Teil erst im Jahr 2006 wirksam. Von der verbesserten Lage könnten unter anderem die börsennotierten Unternehmen CCR Logistics Systems AG aus München, Interseroh AG aus Köln und die norwegische Tomra Systems ASA profitieren. CCR bietet nach eigenen Angaben eine "Nationale Clearingstelle für pfandpflichtige Einweggetränkeverpackungen" an. Eine solche Stelle ist erforderlich, damit Verbraucher die Dosen und Flaschen in jeder beliebigen Verkaufsstelle zurückgeben können. Interseroh betreibt bereits das Rücknahmesystem "Westpfand" und bietet ebenfalls ein Clearing an. In Kooperation mit den Automatenherstellern MRV und Tomra habe Interseroh Lösungen für die automatisierte Rücknahme bei Discountern und im traditionellen Lebensmitteleinzelhandel entwickelt. Hier die Kurse: CCR plus acht Prozent auf 2,10 Euro; Interseroh plus drei Prozent auf 18,50 Euro; Tomra plus zwei Prozent auf 33,80 Norwegische Kronen.

Centrotec Sustainable AG stiegen um vier Prozent auf 20,85 Euro, nachdem das Unternehmen aus Brilon die Prognose für das Geschäftsjahr 2005 veröffentlicht hatte. Geplant sind Umsatzzuwächse im Bereich von zehn Prozent und überproportional steigende Gewinne, die weitgehend auf organischem Wachstum beruhen sollen. Centrotec stellt Wärmerückgewinnungsanlagen, Abgassysteme für Brennwerttechnik sowie Medizintechnik her.

Die Drägerwerk AG hat sich nach übereinstimmender Aussage von Unternehmen und Gewerkschaft auf ein Maßnahmenpaket zum Erhalt der Fertigung in Lübeck geeinigt. Der Drägerwerk-Vorstand hatte zuvor laut über Möglichkeiten nachgedacht, die Fertigung nach Hamburg oder Tschechien zu verlagern. Dem ausgehandelten Kompromiss muss nun noch der IG Metall-Vorstand zustimmen. Vorgesehen sind Einsparungen bei Entlohnung und Flexibilisierung; außerdem habe die Landesregierung Schleswig-Holstein Fördermittel für Investitionen zugesagt. Um die Fertigung in Norddeutschland zu halten, habe die Gewerkschaft einen hohen Preis bezahlt, sagte IG Metall-Bevollmächtigte Thomas Rickers laut Agenturen. Drägerwerk stiegen um zehn Prozent auf 42,42 Euro.

Die österreichische Best Water Technology AG (BWT) berichtete über einen Auftrag zur Errichtung von zwei Meerwasserentsalzungsanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Auftrag habe einen Wert von 23 Millionen US-Dollar und soll innerhalb von zwei Jahren ausgeführt werden. Ferner meldete BWT Fortschritte in einem Forschungskonsortium bei der Entwicklung von kostengünstigen Brennstoffzellensystemen. BWT gaben in Wien zwei Prozent auf 25,50 Euro nach.


Automation Tooling Systems Inc. (ISIN CA0019401052 / WKN 897908)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
Best Water Technology AG (ISIN AT0000737705 / WKN 884042)
CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
Centrotec Sustainable AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
Drägerwerk AG (ISIN DE0005550636 / WKN 555063)
E.on AG (ISIN DE0007614406 / WKN 761440)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Gaiam Inc. (ISIN US36268Q1031 / WKN 929048)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Herman Miller Inc. (ISIN US6005441000 / WKN 863205)
Iberdrola SA (ISIN ES0144580018 / WKN 851357)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Lenzing AG (ISIN AT0000644505 / WKN 852927)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Phönix SonnenStrom AG (ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)

Bildhinweis:
Nordex-Windkraftanlage in Japan / Quelle: Unternehmen;
Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG/ Quelle: Unternehmen;
Rücknahmeautomat von Tomra Systems / Quelle: Unternehmen
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