20.12.07 Finanzdienstleister

20.12.2007: Finanzdienstleister-News: Aktuelle Studie: Internationale Großbanken reden viel, tun wenig in Sachen Nachhaltigkeit – deutsche Banken Schlusslichter

Bei internationalen Großbanken wird viel von Nachhaltigkeit geredet, umgesetzt wird sie selten. Das ist laut einer Meldung der Umweltorganisation urgewald das ernüchternde Fazit einer international vergleichenden Studie, die das NRO-Netzwerk Bank Track in Utrecht der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Urgewald ist Mitglied von BankTrack. In dem umfangreichen Bericht “Mind the gap: Benchmarking the credit policies of major international banks" werden demnach die Nachhaltigkeitsbemühungen von 45 Großbanken kritisch unter die Lupe genommen, darunter auch die drei deutschen Banken Deutsche Bank, WestLB und die HypoVereinsbank.

Als Reaktion auf zunehmenden öffentlichen Druck hätten zahlreiche Banken in den letzten Jahren Umwelt- und Sozialstandards entwickelt, hieß es weiter. Barbara Happe von urgewald sagt dazu: “Diese Standards garantieren leider oftmals keine sozial und ökologisch nachhaltigen Finanzierungsentscheidungen, dazu sind sie zu vage und unverbindlich formuliert.“ Nach Meinung der Autoren liegt das zentrale Manko - neben der geringen Qualität vieler Umwelt- und Sozialstandards – vor allem in ihrer lückenhaften Umsetzung. Die Standards würden in der Regel nicht für alle, sondern nur für einen sehr begrenzten Teil des Kreditgeschäftes angewendet.
In der Studie werde die bestehende Kluft zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und Bankenwirklichkeit anhand von 30 höchst umstrittenen Projekten und Unternehmen anschaulich illustriert. Obwohl in allen Fällen klare Verstöße gegen grundlegende Umwelt- und Sozialstandards vorlägen, seien die hier untersuchten Banken trotzdem bereit, derartige Unternehmungen zu finanzieren.

“Es gibt jedoch auch Grund zur Hoffnung", kommentierte Ulrike Lohr, die Koordinatorin des Projektes, die Studienergebnisse. “Einige wenige Banken verfügen über sehr gute Standards, etwa für die Bereiche Wälder oder Wasser und bemühen sich, diese in der Alltagspraxis des Kreditgeschäftes auch peu à peu umzusetzen."
Die untersuchten deutschen Banken zählen demnach nicht zu diesen Nachhaltigkeits- Vorreitern. “Sowohl hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsstandards als auch beim Blick auf die Praxis gehören deutsche Banken zu den Schlusslichtern. Insbesondere die Deutsche Bank fällt hier negativ auf - zum einen weigert sie sich, konkrete Umwelt- und Sozialstandards einzuführen. Zum anderen ist sie an der Finanzierung vieler höchst umstrittener Projekte und Unternehmen weltweit beteiligt", kommentierte Barbara Happe das schlechte Abschneiden der Deutschen Bank bei der Studie.

“Finanzhilfen der Deutschen Bank für Unternehmen wie z.B. die indische NHPC (National Hydroelectric Power Corporation), die für die gewaltsame und willkürliche Vertreibung von Hunderttausenden von Menschen verantwortlich ist, zeigen deutlich, dass es mehr als überfällig ist, dass Deutschlands größte Bank endlich eine Kehrtwende vollzieht und ihr Finanzierungsgeschäft nachhaltig aus- und umgestaltet", forderte Heffa Schücking von urgewald.

Die BankTrack-Studie bietet laut urgewald dafür zahlreiche Anregungen. Sie informiere in detaillierter Form über vorbildliche Sektorstandards weltweit oder benenne - wo es diese noch nicht gebe - zentrale Inhalte dafür. “Über die Geldvergabe können Banken globale Entwicklungen entscheidend beeinflussen. Mit diesem Bericht möchten wir die Banken auffordern, entschlossener und schneller in Richtung “best practice" und verbindlichen Umwelt- und Menschenrechtsschutz voranzuschreiten. Bis dahin liegt aber noch ein langer, steiniger Weg vor uns", erläuterte Johan Frijns, Koordinator des NRO-Netzwerkes Bank Track die Zielsetzung der Studie.

Die Studie kann von der Banktrack-Homepage unter: http://www.banktrack.org heruntergeladen werden.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x