Gregor Kuhl leitet bei der Pax Bank die Abteilung Asset Management. / Foto: Unternehmen

  Fonds / ETF

„2015 bieten Unternehmensanleihen Chancen auf einen Mehrertrag.“ – Interview mit Gregor Kuhl, Pax-Bank

Was zeichnet angesichts des Niedrigzinsumfeldes eine wirksame Anlagestrategie für die Vermögensverwaltung aus? Wie kann ein nachhaltiger Mischfonds wie der Warburg-Pax-Substanz-Fonds darauf reagieren? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Gregor Kuhl, Abteilungsdirektor Asset Management bei der Pax-Bank eG aus Köln. Die katholische Kirchenbank bietet ihren Kunden unter anderem den Warburg-Pax-Substanz-Fonds an.

ECOreporter.de: Welche Anlagestrategie fährt der Warburg-Pax-Substanz-Fonds?

Gregor Kuhl:  Der Pax-Substanz-Fonds ist hinsichtlich seiner Anlagestrategie genau auf den Bedarf seiner Zielgruppe ausgerichtet, die aus kirchlichen Institutionen und Stiftungen besteht. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Investmentprozesses. Durch eine Streuung der Anlagen über verschiedene Anlageklassen wird langfristig der reale Kapitalerhalt sowie die Erwirtschaftung von attraktiven Erträgen angestrebt. So soll eine ansprechende jährliche Ausschüttung bei möglichst stabiler Wertentwicklung erreicht werden. Sicherheitsinteressen und Ertragskraft stehen im Vordergrund und besitzen absolute Priorität.
Der Anteil weltweiter Aktien kann bis zu 15 Prozent des Fondsvermögens ausmachen. In den verschiedenen Segmenten der internationalen Rentenmärkte investiert Warburg breit gestreut. Zu höchstens 40 Prozent investiert der Fonds in Euro- Unternehmensanleihen. Für europäische Staatsanleihen und Pfandbriefe bestehen keine Maximalgrenzen. Anleihen aus Schwellenländern können bis zu 10 Prozent  beigemischt werden.  Der Währungsanteil ist auf maximal 10 Prozent des Fondsvolumens begrenzt.

Die Anleihen im Fonds müssen im Durchschnitt mindestens ein A-Rating aufweisen, Einzeltitel können im gewissen Rahmen bis zu BBB- beigemischt
Ausschließlich zur Absicherung von Zinsrisiken können entsprechend liquide Zins-Futures genutzt werden. Gleiches gilt für Devisentermingeschäfte, die ausschließlich zur Absicherung von Fremdwährungen genutzt werden können.


ECOreporter.de: Was macht den Fonds zu einem nachhaltigen Anlageprodukt?

Gregor Kuhl:   Bei der Auswahl der Einzeltitel werden für Unternehmen sowie Staaten umfangreiche Ausschlusskriterien angewendet. Darüber hinaus werden die verbleibenden Unternehmen durch ein Positiv-/Negativfilter mit weiteren Kriterien bewertet. Der verwendete Filter basiert auf christlich-ethischen Wertevorstellungen der katholischen Kirche. Teilweise werden die Ausschlusskriterien mit Toleranzschwelle angewendet, teilweise ohne Toleranzschwelle. Zu nennen wären hier etwa bei Unternehmen Abtreibung, Atomenergie und Pornographie, bei Ländern die Todesstrafe und die Unfreiheit der Bevölkerung.


ECOreporter.de: Wer bewertet die Nachhaltigkeit der Wertpapieremittenten?

Gregor Kuhl:  Für die Bewertung von Unternehmen und Staaten setzen wir auf die Expertise des unabhängigen Researchdienstleisters Imug/Eiris, welches Unternehmen und Länder auf ihren ethischen Anspruch und ihre Nachhaltigkeitsleistung hin überprüft und bewertet. Die Bewertung der Unternehmen durch den Researchdienstleister erfolgt fortlaufend. Die Liste mit Unternehmen wird der Warburg-Invest als Fondsmanager monatlich zur Verfügung gestellt.
Bei selektiv genutzten Zielfonds-Investments für Beimischungen einiger Märkte erfolgt das Nachhaltigkeits-Research durch die Warburg-Invest.

ECOreporter.de: Werden in Sachen Nachhaltigkeit unterschiedliche Maßstäbe angesetzt bei Emittenten aus Industriestaaten und aus Schwellenländern?

Gregor Kuhl:  Ja! Begründet ist dies darin, dass derzeit Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern aus Effizienzgründen via nachhaltig investierender Investmentfonds realisiert werden. Bei der Auswahl der entsprechenden Manager und Zielfonds werden die Nachhaltigkeitskriterien daraufhin überprüft, inwieweit sie mit denen der Pax-Bank übereinstimmen. Eine 100-prozentige Deckungsgleichheit ist naturgemäß nicht gegeben.


ECOreporter.de: Wer kontrolliert, ob das Portfolio auch den Nachhaltigkeitsvorgaben entspricht?


Gregor Kuhl:  Die Kontrolle obliegt im ersten Schritt der Warburg Invest als Fondsmanager und erfolgt automatisch schon vor der Ausführung von Kaufaufträgen. Das nachhaltige Investmentuniversum ist im System hinterlegt und bevor eine Order ausgeführt wird, prüft das System, ob das Unternehmen auf der Liste mit nachhaltigen Werten enthalten ist. Insofern würde der versehentliche der Versuch des Portfoliomanagers, einen nicht als nachhaltig klassifizierten Titel zu erwerben, vom System blockiert.  Das unter Nachhaltigkeitsaspekten zulässige Universum wird Warburg Invest seitens der PAX-Bank monatlich aktualisiert zur Verfügung gestellt. Ist eine im Portfolio enthaltene Position nicht mehr im Universum enthalten, erfolgt ein Verkauf innerhalb von vier Wochen.
Neu hinzugekommene Schuldner bzw. Unternehmen werden ab diesem Zeitpunkt auf Investitionsmöglichkeiten geprüft und bei anstehenden Entscheidungen berücksichtigt. Neben der Warburg Invest prüft auch die Pax-Bank im Nachgang regelmäßig monatlich das Portfolio auf die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien.

ECOreporter.de: Erfolgt bei diesem Fonds auch eine Art von Engagement?

Gregor Kuhl:  Engagementstrategien werden  für den Fonds nicht spezifisch durchgeführt. Warburg Invest steht insgesamt für die von Ihnen investierten Unternehmen im regelmäßigen Dialog mit den handelnden Personen und weist in diesem Zusammenhang auch auf Engagement-Relevante Sachverhalte hin.


ECOreporter.de: Was unterscheidet diesen Nachhaltigkeitsfonds von den vielen anderen auf dem Markt?

Gregor Kuhl:  Der Fonds wurde explizit auf den Anlagebedarf kirchlicher Einrichtungen und Stiftungen aufgelegt. Dies betrifft neben den vergleichsweise konservativen Anlagerichtlinien des Fonds auch die Nachhaltigkeitskriterien basierend auf christlich-ethischen Wertevorstellungen sowie den vermögensverwaltenden Steuerungsansatz losgelöst von gängigen Benchmarks.

ECOreporter.de: Mit welcher Strategie reagiert das Fondsmanagement auf das aktuelle Niedrigzinsniveau?

Gregor Kuhl:  Wir rechnen mit einer noch lang andauernden Niedrigzinsphase.
Als eine Lösung für diese extrem herausfordernde Marktsituation ist der „Multi-Renten“-Ansatz, dieser ist gekennzeichnet durch:
•    Diversifikation über verschiedene Sub-Assetklassen und
•    Flexibilität des Managements

Getreu dem Motto „lege niemals alle Eier in einen Korb“, schöpft Warburg die Performance aus möglichst vielen so genannten „Alphaquellen“ wie z.B. Laufzeit-, Rating-, Assetklassen- und Länderrisiken. Alles auf eine Karte zu setzen wie beispielsweise nur auf lange Laufzeit (Duration) oder durch große Anteile einzelner Schuldner am Fondsvermögen ist deshalb tabu. Zudem müssen mögliche Wechselwirkungen der einzelnen Strategien aufeinander genau untersucht werden, damit die Diversifikation auch dann funktioniert, wenn sie gebraucht wird.
Auch halten wir es für eminent wichtig, im Rahmen unseres Multi-Renten-Ansatzes flexibel auf sich verändernde Marktgegebenheiten reagieren zu können.
Dabei steht nicht Ertragsmaximierung im Vordergrund, sondern die vermögensverwaltende Optimierung des Ertrags-/Risikoprofils.
In den nächsten Jahren bleiben im Anleihenbereich Mehrertrags-Strategien, die durch eine aktive Durationssteuerung und Nutzung von allen Ratingklassen geprägt sind,  weiterhin eine zwingende Notwendigkeit.

Für 2015 erwarten wir, dass Unternehmensanleihen sowohl einen Mehrertrag als auch ein günstigeres Schwankungsverhalten im Vergleich zu Staatsanleihen und Pfandbriefen sowie Covered Bonds aufweisen werden.
Die Duration des Rentenbestandes bleibt strategisch zwischen 4,5 und 5 Jahren. Jedoch ist aufgrund erwarteter erhöhter Zinsschwankungen mit temporären Sicherungsmaßnahmen zu rechnen.
Bevorzugt werden weiterhin sogenannte „Barbell-Strategien“ umgesetzt, bei denen die mittlere Durchschnittslaufzeit im Fonds durch die Kombination von kurzlaufenden und lang laufenden Papieren erreicht wird. Investoren investieren zunehmend am langen Ende. Mittlere Laufzeiten werden ausschließlich bei besonders attraktiven Schuldnern oder Spreads erworben. Flankiert wird dies durch kurze Restlaufzeiten bis drei Jahre oder durch variabel verzinsliche Anleihen mit attraktiven Renditeaufschlägen.
Weiterhin zurückhaltend sind wir in Emerging Markets Anleihen positioniert, mit Blick auf negative Effekte des Ölpreises auf die Haushalte.


ECOreporter.de: Danke für das Gespräch, Herr Kuhl.


Basisinformationen zum Warburg-Pax-Substanz-Fonds im Ünerblick:

ISIN:  DE000A0RHEV
Zielgruppe des Angebots:  Der Fonds kann ausschließlich von kirchlichen Einrichtungen sowie Stiftungen erworben werden.
Mindestsumme: 
50.000 Euro.
Ausgabeaufschlag: Bei Erwerb über die Pax Bank kein Ausgabeaufschlag, sonst 5 Prozent.

Gebühren
Verwaltungsvergütung:    0,50 Prozent
Depotbankvergütung:       0,05 Prozent
Laufende Kosten gesamt:  0,64 Prozent (per 28.02.2014)
Ertragsverwendung: Ausschüttend (jeweils im Mai eines Jahres)


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