20.04.05 Fonds / ETF

20.4.2005: "Es gibt keinen besseren Indikator für die Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens als die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsfonds" - ECOreporter.de-Interview mit R?diger von Rosen, Deutsches Aktieninstitut

ECOreporter.de befragt Experten zur Nachhaltigkeit von Geldanlagen nach dem best-in-class Prinzip. Die Reihe unserer Gespr?che setzen wir heute mit Prof. Dr. R?diger von Rosen fort, Gesch?ftsf?hrender Vorstand beim Deutschen Aktieninstitut, Frankfurt. Wir befragten ihn unter anderem dazu, wie wichtig es für Aktienunternehmen ist, in Nachhaltigkeitsfonds aufgenommen zu werden; wie aussagekr?ftig die Aufnahme in Nachhaltigkeitsfonds ist, die nach dem best-in-class-Ansatz ausw?hlen?


ECOreporter.de: Inwiefern ist es für b?rsennotierte Unternehmen wichtig, in das Portfolio von Nachhaltigkeitsfonds aufgenommen zu werden?

von Rosen: Die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsfonds oder -index ist für fast die H?lfte der b?rsennotierten Unternehmen ein wichtiges Ziel. Das hat eine Umfrage des Deutschen Aktieninstituts in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Business Institute an der European Business School im Jahr 2002 deutlich gemacht. Dieser Anteil d?rfte mittlerweile noch gestiegen sein. Eine Aufnahme streben insbesondere die Gro?unternehmen an, die im Mittelpunkt des Investoreninteresses stehen. Unter diesen dominieren wiederum Unternehmen aus Branchen, die in der ?ffentlichkeit besonders kritisch betrachtet werden. In beiden F?llen d?rfte der mit einer Fonds- oder Indexaufnahme verbundene Reputationsgewinn im Vordergrund stehen.

ECOreporter.de: Wie gut ist der Informationsstand der von Nachhaltigkeitsfonds ausgew?hlten Unternehmen dar?ber, ob und warum ihre Aktie in diese Portfolios Eingang findet? Welche Schritte unternehmen die Akteure für den Austausch dieser Informationen?

von Rosen: Ob bzw. in welchen Nachhaltigkeitsfonds oder -indizes es vertreten ist, wurde bislang nur von wenigen Unternehmen regelm??ig ?berwacht. Dies k?nnte mit der mangelnden Transparenz des Marktes zu tun haben, was sich inzwischen aber erkennbar positiv ver?ndert. Im ?brigen sehe ich hier auch eine Art "Bringschuld" der Unternehmen.

ECOreporter.de: Inwiefern k?nnen die als nachhaltig eingestuften Unternehmen die Auswahlkriterien nachvollziehen?

von Rosen: Um die Transparenz der Auswahlkriterien ist es noch schlecht bestellt. F?r knapp ein Drittel der befragten Unternehmen sind die Bewertungsprozesse von Fondsgesellschaften oder Rating-Agenturen v?llig intransparent, knapp zwei Drittel haben nur vage Vorstellungen. Lediglich f?nf Prozent der Unternehmen finden die Transparenz ausreichend. Zudem bem?ngeln die Unternehmen insbesondere die oft fehlende M?glichkeit zur Stellungnahme vor Ver?ffentlichung der Ergebnisse.

ECOreporter.de: Nachhaltigkeitsfonds, die nach dem best-in-class-Ansatz vorgehen, nehmen auch Aktien von Unternehmen ins Portfolio auf, die umstritten sind. Dazu z?hlen etwa von Umweltsch?tzern kritisierte Firmen wie BP, Alcoa oder Bayer. Inwiefern k?nnen es Nachhaltigkeitsunternehmen mit einer weitaus geringeren Umweltbelastung als diese Firmen akzeptieren, aufgrund des best-in-class-Ansatzes mit ihnen auf eine Stufe gestellt zu werden? Gibt es dazu Kritik von Unternehmen, die umweltfreundlicher als die umstrittenen sind?

von Rosen: Der Best-In-Class-Ansatz nimmt die Perspektive ein, dass eine moderne Volkswirtschaft alle Branchen gleicherma?en ben?tigt - die Finanzindustrie und die Telekommunikation ebenso wie die Schwerindustrie und die Chemie. F?r die Investition ausgew?hlt werden die in punkto Nachhaltigkeit vorbildlichen Unternehmen jeder Branche. Im Branchenvergleich besonders schlecht abschneidende Unternehmen haben hingegen keine Chance. Ein Energieversorger wird immer eine h?here Umweltbelastung haben als eine Bank. Hier ein und denselben Nachhaltigkeitsma?stab anzulegen, hie?e ?pfel mit Birnen zu vergleichen.

ECOreporter.de: Inwiefern ist es für die Unternehmen von Bedeutung, ob sie in Nachhaltigkeitsfonds mit strengen Auswahlkriterien aufgenommen werden oder nur in Fonds, die etwa nach dem best-in-class-Prinzip vorgehen und breiter streuen? Ist es für sie nur wichtig, allgemein in als nachhaltig firmierenden Fonds vertreten zu sein?

von Rosen: Eine so differenzierte Aussage k?nnen wir aufgrund der uns vorliegenden Informationen nicht treffen.

ECOreporter.de: Gehen die b?rsennotierte Unternehmen davon aus, dass sich ihre Nachhaltigkeitsperformance auf ihre Wirtschaftskraft und den shareholder value auswirkt? Inwiefern?

von Rosen: Eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen sieht einen positiven Zusammenhang zwischen der Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens und dessen Wertsch?pfungspotenzial, ausgedr?ckt im B?rsenkurs. Dabei wird der Sozialkomponente ein noch st?rkerer Einfluss auf den Unternehmenserfolg beigemessen als der Umweltvertr?glichkeit.

ECOreporter.de: Aus welchen Quellen lesen die Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsperformance ab? Ist die Aufnahme in Nachhaltigkeitsfonds daf?r ein wichtiger Hinweis? Wie aussagekr?ftig kann in diesem Zusammenhang die Aufnahme in Nachhaltigkeitsfonds sein, die nach dem best-in-class-Ansatz ausw?hlen?

von Rosen: Es gibt keinen besseren Indikator für die Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens als die Aufnahme in einen Nachhaltigkeitsfonds oder -index, insbesondere dann, wenn es sich um einen nach strengen Kriterien ausw?hlenden Fonds oder Index handelt. Best-In-Class-Prinzip hei?t auch in diesem Fall wiederum, dass das ausgew?hlte Unternehmen Branchenprimus ist - nicht mehr und nicht weniger.

ECOreporter.de: Herr von Rosen, wir danken Ihnen für das Gespr?ch.


Bildhinweis: R?diger von Rosen / Quelle: Deutsches Aktieninstitut
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