Nachhaltige Aktien, Meldungen

20.4.2007: ECOreporter.de fragt nach: Wie sind die Aussichten chinesischer Solarfirmen? Welche Auswirkungen hat deren Konkurrenz auf deutsche Solarunternehmen? Und sind die chinesischen Sonnenstromer überhaupt nachhaltig?

Immer mehr chinesische Solarunternehmen streben eine Börsennotierung an. Nach den erfolgreichen IPOs von Suntech Power, Trina Solar und Co. wollen weitere chinesische Firmen mit Hilfe westlicher Großbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder UBS an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Hat auch die zweite Garde der chinesischen Solarbranche das Zeug zur Kursrakete? Und wie nachhaltig sind die jungen Unternehmen? ECOreporter.de sprach darüber mit Experten aus Ratingagenturen und Banken:

Arthur Hoffmann, Portfoliomanager des Sarasin New Energy Fund der schweizerischen Bank Sarasin hält die meisten chinesischen Solaraktien für vollkommen überbewertet. "Die Titel werden schon gekauft, bevor sie an die Börse kommen. Man schaut gar nicht mehr, was für eine Produktionskapazität die Firmen haben. Nehmen Sie als Beispiel die JA Solar. Das Unternehmen hat eine Produktionslinie mit nur wenigen Megawatt (MW) Kapazität. Die deutsche Q-Cells hat mehr als 300 MW. Unternehmen wie JA Solar machen einfach auch zu wenig Umsatz, im ersten Quartal 2007 waren es nur umgerechnet 40 Millionen US-Dollar. Dennoch werden enorme Wachstumsraten eingepreist. Wir haben diese Titel nicht gekauft", so der Fondsmanager.

Dr. Bolko Hohaus, Manager des LODH Invest - The Infology Fund von Lombard Odier Darier Hentsch, sieht die chinesischen Solarunternehmen in einer günstigen Ausgangslage. In China werde derzeit massiv in den Kapazitätsausbau der Solarbranche investiert, sagt Hohaus im Gespräch mit ECOreporter.de. Das Land verfüge über günstige Arbeitskräfte und vergleichsweise geringe Kosten für die Erstellung von Betriebsgebäuden sowie über einfache Genehmigungsverfahren. Das technische Niveau der Unternehmen sei zudem oft nicht niedrig. Hohaus: "China ist nicht mehr nur die "verlängerte Werkbank". Zudem sind die chinesischen Unternehmen offenbar bereit, geringere Margen als global üblich zu akzeptieren. Das könnte mittelfristig zu einem Problem für die Profitabilität und damit die Finanzstärke der deutschen Solarunternehmen werden. Wir sehen darin ein Risiko für die gesamte Branche, da die Gefahr von Überkapazitäten mit anschließend starkem Preisverfall besteht. Der einzige Ausweg für die deutschen Unternehmen liegt in stetiger Innovation, um dem sich abzeichnenden Preiskampf zu entgehen."

Als Wettbewerbsnachteile der meisten chinesischen Solarunternehmen nennt der LODH-Fondsmanager die mangelhafte Rohstoffversorgung. Die Firmen hätten keine langfristigen Lieferverträge für den Rohstoff Silizium abgeschlossen. Das führe zu hohen Rohstoffkosten. "80 Prozent der Herstellkosten chinesischer Solarunternehmen entfallen oftmals auf Polysilizium", so Hohaus: "Die Firmen müssen viel Silizium auf dem Spotmarkt kaufen, zu Preisen von derzeit über 200 Dollar pro Tonne. Demgegenüber werden in der Industrie dem Vernehmen nach im Rahmen langfristiger Verträge zirka 60 Dollar je Tonne gezahlt. Genaue Angaben sind dazu nicht verfügbar, die Silizium produzierenden Unternehmen wie eine Wacker Chemie oder Renewable Energy geben keine genauen Zahlen bekannt."

Hohaus" Kollege Hoffmann warnt vor der Annahme, dass in China besonders kostengünstig produziert werden könne. "Dabei wird nicht bedacht, dass letztlich die Economies of Scale den Ausschlag geben", sagt Hoffmann. Er habe Erfahrung gemacht, dass ein Unternehmen international nicht bestehen könne, wenn die Geschäftsleitung kein Englisch spreche. "Und das trifft man bei chinesischen Firmen immer wieder an. Westliche Kommunikationsstandards sind eine Voraussetzung für den Erfolg", so der Sarasin-Fondsmanager. Hoffmann lobt den Solarzellenhersteller Suntech Power. Das Unternehmen habe einen kompetenten und erfahrenen CEO. Unter den Firmen die noch an die Börse streben, hebt er die Tianwei Yingli New Energy Resources positiv hervor. Dennoch sieht der Experte die Titel letztlich kritisch: "Für eine sinnvolle Diversifikation braucht man die risikoreichen China-Investments nicht. Man kann besser gut etablierte europäische Titel kaufen. Zum Beispiel die SolarWorld AG, die macht inzwischen 30 Prozent ihrer Umsätze im Ausland."

Hohaus hat die einige chinesischen Solarformen bereits vor Ort besucht. "Ich habe das Management von Suntech Power vor kurzem in China getroffen", berichtet er gegenüber ECOreporter.de: "Es war sehr beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit in China die Produktion ausgebaut wird. Der erst seit kurzem börsennotierte Solarzellenhersteller JA Solar kopiert das Modell von Suntech, hat aber über die Muttergesellschaft Jinglong einen besseren Zugang zu einem der größten Siliziumhersteller." Der Effizienzgrad, den JA Solar anstrebe, sei durchaus mit dem deutscher Hersteller vergleichbar, so Hohaus weiter. Allerdings müsse das Unternehmen im Unterschied zu Suntech erst noch beweisen, dass die Produktion im großen Stil auch fehlerfrei funktioniere. Das geplante schnelle Wachstum mache die Firmen tendenziell anfällig für Fehler beim Start der Massenproduktion.
Der von Hohaus geführte Fonds verwaltet seinen Angaben zufolge ein Vermögen von etwa 250 Millionen US-Dollar. Seit anderthalb Jahren investiere der Fonds aufgrund der herausragenden Wachstumschancen auch in ausgewählte Solarwerte, sagt der Anlageexperte. "JA Solar ist zurzeit die größte Position einer Solaraktie im Portfolio." Darüber hinaus halte der Fonds unter anderem auch Aktien der deutschen Unternehmen Q-Cells AG, Ersol AG, Roth & Rau AG und Manz Automation.

Über die wirtschaftliche Attraktivität der chinesischen Solarunternehmen sind die Meinungen also offenbar geteilt. Und wie ist es um die Nachhaltigkeit der Firmen bestellt? Wie verhalten sie sich gegenüber Ihren Mitarbeitern und anderen gesellschaftlichen Anspruchsgruppen, wie gut ist ihr Umweltmanagement entwickelt?

Dr. Ingo Schoenheit, Geschäftsführer des imug Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V., Hannover, erklärt dazu: "Grundsätzlich gelten für chinesische Unternehmen die gleichen Fragen, wie für andere nachhaltige Firmen. Auch chinesische Unternehmen sollten fundamentale Standards einhalten. Wir würden dafür ähnliche Maßstäbe wie beispielsweise beim Natur-Aktien-Index (NAI) anlegen. Chinesische Firme sollten sich auch verpflichten, die Richtlinien des internationalen Nachhaltigkeits-Netzwerks UN Global Compact und die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten." Nach Meinung von Schoenheit sind die Chinesen durchaus bemüht, den Standards gerecht zu werden. China beteilige sich offiziell mit seinem Normungsexperten an den Aktivitäten der International Organization for Standardization, eine international gültige CSR-Guideline zur "Social Responsibility" (IS0 26000) zu entwickeln, so der Nachhaltigkeitsexperte. "Die politische Führung des Landes hat CSR offenkundig als Steuerungselement eines verträglicheren Wirtschaftens entdeckt. Zudem scheint sich die Auffassung durchzusetzen, dass CSR im globalen Wettbewerb um Investoren und Auftragnehmern, aber auch bei den Verhandlungen in der Welthandelsorganisation künftig eine wichtige strategische Bedeutung spielen kann. Außerdem beobachten wir mit großem Interesse erste chinesische Vorreiterunternehmen, die sich mit Corporate Social Responsibility (CSR) beschäftigen", so Schoenheit.

Danielle Lalive, Geschäftsführerin der Züricher INrate AG, betont: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Geschäfte in China. Für Investoren, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, ist die Informationslage allerdings schwierig. Es gibt wenig frei verfügbare Informationen und oft liegen Texte nur in chinesischer Sprache vor. Auch wenn ein Unternehmen selbst die Vorgaben erfüllt, ist Vorsicht geboten. Denn oft herrschen bei den inländischen Zulieferern Bedingungen, die meist von den Firmen selbst überhaupt nicht kontrolliert werden und deshalb auch für eine Ratingagentur schwer einzuschätzen sind."

Vom Produkt her seien chinesische Solarunternehmen generell positiv zu bewerten, so Lalive. Aus Erfahrungen wisse man aber, dass China in sozialen Dingen kritisch zu sehen sei. "Nach unseren Maßstäben reicht es nicht, ein gutes Produkt zu haben, um als nachhaltig eingestuft zu werden. Es müssen zahlreiche soziale und ökologische Kriterien erfüllt werden, und es dürfen keine Verstöße gegen verschiedene ethische Kriterien wie zum Beispiel Kinderarbeit, Rüstung oder Korruption vorliegen", so die Schweizer Nachhaltigkeitsexpertin.

Um Firmen einem umfassenden Rating zu unterziehen, benötige INrate oft mehr Informationen, als man in China bekomme, berichtet Lalive weiter. Im Rahmen eines mehrstufigen Ratingverfahrens prüft die Agentur den Angaben zufolge im ersten Schritt die öffentlich zugänglichen Informationen über ein Unternehmen. Manchmal zeigt sich schon an dieser Stelle, dass ein Unternehmen nicht in Frage kommt. Lalive: "Die Suntech Power ist bei uns gescheitert, weil sie Produkte für militärische Anwendungen liefert, aber nicht bekannt ist, in welchem Ausmaß sie dies tut. Zudem lagen uns nur wenige Informationen des Unternehmens über andere wichtige Themen vor, zum Beispiel die Arbeitsbedingen und die Sozialstandards. In diesem Bereich gab es aber auch keine konkreten Vorwürfe gegen Suntech."


Lesen Sie zum Thema auch unseren Beitrag vom 15.3.2007: Weitere Kursraketen aus Fernost? - Chinesische Solarunternehmen bereiten Börsengang vor.


JA Solar Holdings Co. Ltd.: WKN A0F5W9
Suntech Power Holdings Co., Ltd.: ISIN US86800C1045 / WKN A0HL4L
Trina Solar Ltd..: ISIN KYG905651058 / WKN A0LF3T


Bilder: Multikristalline Solarzelle der Suntech Power Holdings / Quelle: Unternehmen
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