20.06.03

20.6.2003: Hat eine Nestlé-Tochter Grundwasser zu Mineralwasser "veredelt" - Klage in den USA

Der Schweizer Lebensmittelmulti Nestlé S.A. muss sich in den USA mit einer Klage wegen irreführender Werbung auseinandersetzen. Die amerikanische Nestlé-Tochter Nestlé Waters North America soll Meldungen zufolge unter der Marke "Poland Spring" Grundwasser als Mineralwasser verkauft haben. Die Anwaltskanzlei Hagens Berman, die durch Sammelklagen gegen die Tabakindustrie bekannt geworden sei, wolle Klagen von Konsumenten vor den Kammergerichten Connecticut, Massachusetts und New Jersey einreichen, hieß es. Zur Höhe der Schadenersatzforderung hätten die Kläger keine Angaben gemacht.

Nestlé habe mittels seiner Werbung den Eindruck hervorgerufen, dass es sich bei Poland Spring um Wasser aus den "tiefen Wäldern von Maine" handele, argumentieren die Anwälte. Tatsächlich würden jedoch großflächige Parkplätze die Quelle umgeben; diese nutzten täglich Hunderte von Lastwagen. Im Einzugsgebiet der Quellen lägen ehemalige Abfalldeponien und nahe gelegene Felder würden seit Jahren mit Klärschlamm gedüngt. Die Anwälte kommen in ihrem Kommunique zur Klage zu dem Schluss, dass es sich "Poland Spring" weder um Quellwasser noch um natürlich gereinigtes Wasser handele. Die Qualität sei schlechter als Leitungswasser.

Hans-Jörg Renk, Sprecher von Nestlé, erklärte, die Klagen entbehrten jeder Grundlage. Nestlé habe bereits juristische Schritte zu seiner Verteidigung eingeleitet. James Amoroso, Börsenanalyst bei Pictet, sieht die Sache nüchtern: er erklärte laut der Aargauer Zeitung, die Klagen seien das Resultat von Überkapazitäten bei den auf Sammelklagen spezialisierten US-amerikanischen Anwaltsfirmen. Auch die im Nachhaltigkeitsbereich besonders aktive Schweizer Bank Sarasin zeigte sich unbesorgt. Man könne heute gegen alles klagen und die Lebensmittelindustrie habe Geld, so Sarasin.

Nestlé S.A.: ISIN CH0012056047 / WKN 887208
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x