20.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

20.9.2004: Wochenrückblick: Nachhaltigkeitsrat: Kohle statt Erneuerbare Energie? Deutscher Windanlagenhersteller auf dem Weg in eine Liquiditätsfalle? Blair will Klimagipfel in Großbritannien

In der vergangenen Woche legten die Indizes vor allem an den deutschen Aktienbörsen zu. Der DAX stieg um drei Prozent, der TecDAX um vier Prozent. In Japan kletterte der Nikkei-225 um ein halbes Prozent, während sich die US-amerikanischen Indizes kaum veränderten. Der Euro gab 0,6 Prozent auf 1,2187 US-Dollar nach. Rohöl hat sich weiter verteuert: Die Sorte Brent zur Lieferung im November kostete am Freitag in London 41,90 Dollar, in New York stieg der Oktober-Kontrakt für Light Crude auf fast 46 Dollar.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nannte das hohe Defizit in der US-amerikanischen Leistungsbilanz ein Risiko für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Vorläufigen Angaben des US-Handelsministeriums zufolge hat sich das Passivsaldo im zweiten Quartal 2004 auf 166 Milliarden Dollar ausgeweitet. Laut IWF werde das Defizit durch Anleihenkäufe ausländischer Investoren finanziert. Das habe zu einem starken Anstieg der Währungsreserven geführt, besonders in Japan und anderen asiatischen Ländern. Komme es nun zu einer Abschwächung der Kapitalzuflüsse in die USA, beispielsweise infolge nachlassenden Vertrauens, könne dies destabilisierend auf die Finanzmärkte in der ganzen Welt wirken, heißt es im "Global Financial Stability Report" des IWF.

Die erneuerbaren Energien seien zwar wichtig, aber sie werden nicht die Versorgungslücken füllen können. Das sagte Volker Hauff, Vorsitzender des deutschen Rates für Nachhaltige Entwicklung. Das Potenzial erneuerbarer Energien reiche bei weitem nicht aus, um die wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Hauff, ehemaliger Bundesminister und bekannt auch durch seiner Auftritte als Rollerblader, sagte, der Einstieg in eine neue Generation von Kohlekraftwerken sei nötig.

Der britische Premierminister Tony Blair warnte vor einer menschlichen und ökonomischen Katastrophe infolge des Klimawandels. Großbritannien werde im Februar 2005 eine wissenschaftliche Konferenz zum Klimawandel ausrichten. Es sei beabsichtigt, damit die USA, aber auch China und Indien unter Druck zu setzen, um sie zur Verringerung ihrer Treibhausgas-Emissionen zu bewegen. Die Bedrohung liege nicht in fernen Jahrhunderten. "Bereits meine Kinder, vielleicht sogar ich selbst werden sie zu spüren bekommen", so Blair. Großbritannien werde sein politisches Gewicht nutzen, um einen "globalen Überlebensplan" (blueprint for survival) auszuhandeln, sagte Blair. Greenpeace UK kommentierte, das war eine emotionale Rede - es seien aber konkrete Aktionen nötig. Die britische Greenpeace-Organisation hatte zuvor eine Umfrage vorgestellt, der zufolge 80 Prozent der Briten den weiteren Ausbau der Windenergienutzung befürworten. Nur acht Prozent seien dagegen. Würde ein Windpark in ihrer unmittelbaren Nähe errichtet, wären noch 70 Prozent der Befragten damit einverstanden, so Greenpeace UK.

Zurück nach Deutschland: Nach der Androhung der vier großen Stromkonzerne, die Preise für Strom und Netznutzung zu erhöhen, deutet sich ein Kuhhandel mit dem Bundeskanzler an. Die Konzerne würden die Preise vorerst nicht in der ankündigten Höhe steigern, wenn sie dafür Vereinfachungen bei Genehmigungsverfahren für neue Kraftwerke bekämen, geht aus einem Bericht des "Handelsblatt" hervor. Insbesondere das Umweltrecht werde von den Energiekonzernen als störend empfunden. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, wies auf die engen Verflechtungen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und der Energiewirtschaft hin. "Wir haben es mit einem Kartell zu tun", so Ohoven wörtlich. "Wer das Netz hat, hat die Macht", die Preise zu diktieren und Wettbewerber vom Markt fernzuhalten, so formulierte es Joerg Feddern, Energieexperte von Greenpeace Deutschland. Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar, hat laut der Nachrichtenagentur dpa unterdessen die Vergesellschaftung der Stromnetze gefordert. Dieser Weg werde laut Scheer in Dänemark bereits beschritten.

Die Hamburger SES Research GmbH hat das Rating für die REpower Systems AG auf D gesenkt, das schlechtest mögliche Rating für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Zuvor hatte SES den Windturbinenhersteller mit B- eingestuft. Grund für die drastische Abstufung sei wie schon im letzten Jahr das "bilanziell und operativ risikoreich anmutende Geschäftsmodell". Das Unternehmen scheine geradewegs in eine Liquiditätsfalle hinein zu steuern, heißt es im "TecReport" der Rating-Gesellschaft. Unter den großen der Rating-Branche ist SES Research allerdings nicht zu finden - es bleibt fraglich, ob andere diese Einschätzung zu REpower teilen. Die REpower-Aktie fiel am Freitag bis auf 15,61 Euro, schloss dann mit 16,24 Euro ein Prozent schwächer als am Ende der Vorwoche.

Der Windparkprojektierer Plambeck Neue Energien AG hat als neuen Termin für die Veröffentlichung des Halbjahresberichts den 28. September 2004 genannt. Die Terminverschiebung war zuvor mit der Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) begründet worden, die eine Neubewertung laufender Projekte erforderlich mache. Plambeck stiegen um 30 Prozent auf 1,40 Euro. Zeitweilig wurden am Freitag bis zu 1,53 Euro für die Papiere gezahlt. In der Vorwoche hatte Wettbewerber Umweltkontor Renewable Energy AG Insolvenz angemeldet, nachdem der Abschlusstermin mehrmals verschoben wurde und das Unternehmen nach der Kreditkündigung durch zwei Banken zahlungsunfähig wurde.

GE Energy, Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co., berichtete über den Baubeginn eines Windparks im Burgenland (Österreich). Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen acht Anlagen der 1,5 Megawatt-Klasse ans Netz gehen. Die Maschinen werden laut GE Energy in Salzbergen (Deutschland) gefertigt. GE zählt mit einer Gesamtzahl von 6.700 errichteten Windenergieanlagen zu den Weltmarktführern.


SolarWorld AG, Photovoltaik-Konzern mit Sitz in Bonn, kündigte den Ausbau der Produktionskapazitäten bei der schwedischen Tochtergesellschaft Gällivare PhotoVoltaic AB an. Die SolarWorld-Aktie kletterte um sieben Prozent auf 31,28 Euro.

BP Solar, Tochter des Ölkonzerns BP plc, will seine solaren Produktionskapazitäten in den kommenden anderthalb Jahren von heute 90 auf cirka 200 Megawatt ausweiten. Das sagte BPs Vice President für erneuerbare Energien Steve Westwell bei der Eröffnung eines großen Solarkraftwerks in Sachsen-Anhalt. BP Solar sieht sich als Marktführer in Deutschland und Europa.
Energy Conversion Devices Inc. legte den Jahresabschluss zum 30. Juni vor. Der Energiespeicher- und Solartechnik-Spezialist aus Rochester Hills (USA) konnte die Umsätze leicht auf 66,3 Millionen Dollar steigern. Der Nettoverlust hat sich auf minus 51,4 Millionen Dollar ausgeweitet, verglichen mit minus 36,2 Millionen im Vorjahr. Zur Zeit durchlaufe man eine Wandlung von einem Forschungs- zu einem Produktionsunternehmen, kommentierte CEO Robert C. Stempel die negativen Zahlen. Nach seinen Worten soll die Gesellschaft ab Juli 2006 profitabel arbeiten. Der Kurs gab vier Prozent auf 13,68 Dollar nach.

Der Mannheimer Energiedienstleister MVV Energie AG wehrt sich gegen einen Einstieg der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Das geht aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hervor. Der Versorgungskonzern E.on halte einen Anteil von 15 Prozent an MVV. Auf diesen Anteil habe EnBW eine Call-Option, den EnBW ausüben wolle. MVV habe nun ein Gutachten vorgelegt, das kartellrechtliche Bedenken geltend mache, so die FAZ. Der Zeitung zufolge sei diese Option zum ersten Mal öffentlich bekannt gemacht worden. Laut Agenturmeldungen will MVV in den nächsten Wochen die Ergebnisse einer internen Prüfung der Werthaligkeit ihrer Beteiligungen vorlegen. In der Presse wird seit längerem über Abschreibungen von bis zu 100 Millionen Euro spekuliert. MVV kletterten um fünf Prozent auf 13,75 Euro.

Vossloh AG, Bahntechnik-Hersteller aus Werdohl, steht nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit dem französischen Alstom-Konzern über den Kauf eines spanischen Diesellokomotiven-Werks. Der Kaufvertrag könne voraussichtlich in den nächsten Wochen abgeschlossen werden, stehe jedoch unter kartellrechtlichem Vorbehalt. Wie der deutsche Verband der Bahnindustrie berichtet, ist der inländische Auftragseingang der Branche im ersten Halbjahr auf 500 Millionen Euro gesunken. Das sei ein Einbruch um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Verbandsvorstand Michael Clausecker machte die Kürzungen im Verkehrshaushalt des Bundes und das Verhalten der Deutschen Bahn für den Einbruch verantwortlich. Vossloh dementierte gegenüber der Agentur Dow Jones Newswires unterdessen das Bevorstehen einer Gewinnwarnung. Die Aktie notierte nach einem Wochentief von 31,13 Euro etwas stärker bei 34,15 Euro.

Die Masterflex AG aus Gelsenkirchen berichtete über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Schweizer Elektrofahrrad-Hersteller Swizzbee AG. Die Unternehmen wollen gemeinsam Elektrofahrräder mit Brennstoffzellenantrieb zur Marktreife entwickeln. Masterflex habe das Brennstoffzellensystem für den Antrieb entwickelt; nach einer Erprobungsphase im nächsten Jahr soll das Händlernetz der Swizzbee AG für den europaweiten Vertrieb genutzt werden, hieß es. Die Masterflex-Aktie sank um sieben Prozent auf 27,75 Euro ab.

Best Water Technology AG (BWT), österreichischer Hersteller von Wasseraufbereitungs-Technik, wird die belgische Benchem übernehmen. Benchem sei auf die Entwicklung und Erzeugung von Kessel-, Kühl- und Klimawasser-Wirkstoffen spezialisiert und habe im Jahr 2003 mit sechs Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Millionen Euro erzielt, teilte BWT mit. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. BWT stiegen in Wien um zwei Prozent auf 19,30 Euro.

Der US-amerikanische Möbelhersteller Herman Miller Inc. hat seine Profitabilität im abgelaufenenen ersten Geschäftsquartal deutlich verbessert. Während der Umsatz ein Plus von zehn Prozent auf 357 Millionen Dollar verbuchte, stieg der Nettogewinn um 131 Prozent auf 14,3 Millionen Dollar. Das Unternehmen kündigte für das laufende zweite Quartal eine weitere Umsatzsteigerung an. Der Gewinn könne etwas höher als im ersten Quartal ausfallen, aber auch leicht darunter liegen. Ein Unsicherheitsfaktor sei hier die Entwicklung der Rohstoffpreise, hieß es. Herman Miller verteuerten sich um zwei Prozent auf 25,35 Dollar.

Kursverlierer der Woche ist Transmeta Corp. Der amerikanische Hersteller stromsparsamer Mikroprozessoren stürzte zehn Prozent auf 1,21 Dollar ab. Gewinner sind condomi AG, Kondomhersteller aus Köln, mit einem Plus von zwölf Prozent auf 1,52 Euro sowie die MIFA Mitteldeutschen Fahrradwerke AG, die acht Prozent auf 8,80 Euro zulegten.

Best Water Technology AG (ISIN AT0000737705 / WKN 884042)
BP plc (ISIN GB0007980591 / WKN 850517)
Citycom AG (unnotiert, ISIN DE0006881808 / WKN 688180)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
Herman Miller Inc. (ISIN US6005441000 / WKN 863205)
Masterflex AG (ISIN DE0005492938 / WKN 549293)
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)


Bilder: Kohlehafen Amsterdam / Quelle: RAG AG; REpower Windkraftanlage auf Gittermast / Quelle: Unternehmen; Sunways Photovoltaikmodul / Quelle: Unternehmen; Vossloh Lokomotive BR 2070 / Quelle: Unternehmen


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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