Nachhaltige Aktien, Meldungen

20.9.2006: Von fränkischen Rübenbauern bis zum Anbieter von HighTech-Systemen: Etliche Erneuerbare-Energie-Unternehmen gehen an die Börse

In den nächsten Tagen und Wochen drängen gleich vier Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energie an die Börse. Allein drei davon kommen aus Deutschland, eines aus Österreich. Weitere Börsengänge sollen in den nächsten Wochen folgen. ECOreporter.de gibt einen Überblick:

Bei den anstehenden Börsengängen macht die Manz Automation AG den Anfang. Die Zeichnungsfrist für ihre neuen Aktien endet heute, die Preisspanne beträgt 19 bis 22 Euro. Angekündigt wurde die Erstnotiz im Börsensegment Entry Standard für den 22. September. Knapp eine Million Aktien sollen unter Führung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die Börse gebracht werden. Der Maschinenbauer aus dem schwäbischen Reutlingen hofft auf einen Emissionserlös in Höhe von 14,8 bis 17,2 Millionen Euro. Manz stellt Automations- und Qualitätssicherungssysteme unter anderem für die Solarbranche her. Deren Boom füllte zuletzt die Auftragsbücher des Unternehmens, das für 2007 einen Umsatz von 46,1 Millionen Euro und einen Gewinn von 3,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat. Das entspräche einen Zuwachs beim Umsatz um 27 Prozent, der Gewinn würde sogar um über 45 Prozent steigen. Wenn die 1987 gegründete Manz Automation AG bei der Aktienemission die Preisspanne ausreizen kann, würde sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 22,4 belaufen.

Zu ihren Kunden zählt die Manz Automation AG etwa Ersol, Schott Solar und die SolarWorld AG. Neben der Solarbranche beliefert sie auch die LDC-Industrie und andere industrielle Branchen mit Automationssystemen. Über 60 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Ausland, insbesondere aus Asien. Es verfügt über Niederlassungen in den USA, Taiwan, Korea und Ungarn. Mit dem Emissionserlös will die Manz Automation AG die Wachstumschancen in der Photovoltaik- und LCD-Industrie nutzen. Konkret sollen zusätzliche Aufträge vorfinanziert werden und weitere Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte fließen. Zudem plant Manz, mit der bestehenden Basistechnologie künftig Automationslösungen für Laborsysteme der Pharma- und Biotech-Industrie anzubieten. Auf eine Dividende können Aktionäre des Börsenkandidaten vorerst nicht hoffen. Laut Finanzchef Martin Hipp ist eine Dividendenausschüttung für die kommenden Jahre nicht geplant, der Gewinn solle in das Geschäft investiert werden. Ferner wird die Eigentümer-Familie Manz die Kontrolle des Unternehmens auch weiter behalten. Ihr Anteil sinkt mit dem Listing lediglich von rund 90 Prozent auf 66 Prozent. Ein Drittel der Anteilsscheine gelangen in Streubesitz.


Der Schwerpunkt bei den Börsengängen des Frühherbstes liegt eindeutig bei Unternehmen aus der Biotreibstoffbranche. Hier macht die BDI Biodiesel International aus der Steiermark den Anfang. Der österreichische Hersteller von Anlagen zur Erzeugung von Biodiesel plant die Erstnotiz im amtlichen Markt (Prime Standard) ist für den 25. September. Die Aktien sollen zwischen 53 und 62 Euro kosten, die Zeichnungsfrist endet am 22. September. BDI Biodiesel will aus der Emission der 1,437.500 Aktien bis zu 49,6 Millionen Euro einnehmen und damit sein internationales Wachstum finanzieren. Der Streubesitz würde im Falle der vollen Ausübung der Greenshoe-Option bei 37,8 Prozent liegen. Das KGV der Aktie kann 14,4 bis 16,8 betragen (auf Basis der Prognose für 2007).

BDI Biodiesel bietet ihren Kunden die Planung und Projektierung, Errichtung und Inbetriebnahme von Anlagen, die auf Basis verschiedener Rohstoffe wie Pflanzenölen, Altspeiseölen und tierischen Fetten produzieren können. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen mit Hauptsitz in Graz nach einen Umsatz von 14,6 Millionen Euro (2004: 5,6 Millionen Euro). Das EBIT 2005 betrug 0,4 Millionen Euro (2004: minus 0,4 Millionen Euro). Die Österreicher sind laut eigener Darstellung Weltmarktführer im Bereich so genannter "Multi-Feedstock"-Anlagen, die Biodiesel auf Basis mehrerer Rohstoffe herstellen. Die Bank Sal. Oppenheim, die den Börsengang von BDI Biodiesel begleitet, verweist auf die hohen Wachstumsraten beim Biodieselmarkt in Europa. Er lege pro Jahr fast 30 Prozent zu. BDI Biodiesel stellt für das Gesamtjahr 2006 einen Umsatzsprung auf 90,3 Millionen Euro und einen Nettogewinnanstieg auf 10,4 Millionen Euro in Aussicht. 2007 soll der Umsatz auf rund 111 Millionen Euro klettern, der Gewinn auf 13,9 Millionen Euro.

Voraussichtlich am 29. September wird die Südzucker AG ihre Bioethanol-Sparte CropEnergies AG an die Börse bringen. Die Zeichnungsfrist für das Listing im amtlichen Markt (Prime Standard) beginnt frühestens am 25. September. Die Preisspanne wird voraussichtlich erst am Tag vor Beginn der Zeichnungsfrist auf Basis der Resonanz aus den Investorengesprächen festgelegt . Das vor drei Jahren als Südzucker Bioethanol GmbH gegründete Unternehmen produziert im Bereich "Spezialitäten" Nahrungsmittel von der Tiefkühlpizza über Fruchtsaftkonzentrate bis hin zu Zuckerzutaten. Vor allem aber erzeugt CropEnergies an ihren drei Standorten Bioethanol, womit es den Löwenanteil des Unternehmensumsatzes erzielt. Für 2007 hofft das Unternehmen aus Mannheim auf 133,5 Millionen Euro Umsatz bei einem Gewinn von 9,9 Millionen Euro. Die Bioethanol-Produktion soll 110 Millionen Euro Umsatz beisteuern. Derzeit schreibt CropEnergies allerdings noch rote Zahlen. Analysten der Deutschen Bank, Konsortialführer der Emission, rechnen laut dem Handelsblatt für das laufende Jahr mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von 18,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 60,5 Millionen Euro.

Die Gesellschaft will aus dem Börsengang einen Bruttoemissionserlös von mindestens 200 Millionen Euro erzielen und zur Finanzierung des weiteren Wachstums verwenden. Dem Unternehmen zufolge visiert es insbesondere den Bau neuer Bioethanol-Anlagen an, um die Produktionskapazität von derzeit 320.000 auf eine Million Kubikmeter zu erweitern. Joachim Lutz, Finanzvorstand von CropEnergies: "Wir werden in den kommenden drei Jahren 300 bis 330 Millionen Euro investieren." Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Mannheimer in Zeitz Europas größte Bioethanol-Anlage in Betrieb genommen. In der EU muss bis zum Jahr 2010 dem normalen Kraftstoff 5,75 Prozent Biokraftstoff beigemischt werden. Experten erwarten daher eine starke Nachfrage für Bioethanol in den nächsten Jahren. Laut der französischen Finanzgruppe Societe Generale ist Bioethanol eine der aussichtsreichsten Antworten auf die derzeitigen weltweiten Versorgungsengpässe bei Treibstoffen und Energie. Südzucker-Finanzvorstand Thomas Kölbl: "Wir glauben an den Wachstumsmarkt Bioethanol und insbesondere an die positive Entwicklung der CropEnergies AG. Mit dem geplanten IPO schaffen wir weiteren finanziellen Spielraum für die Expansionsstrategie der CropEnergies." Die Südzucker AG werde auch nach erfolgreichem Börsengang Mehrheitsaktionärin bleiben. Südzucker gehört zu 55 Prozent der Süddeutschen Zuckerverwertungs-Genossenschaft, einem Zusammenschluss fränkischer Rübenbauer.

Voraussichtlich im Oktober will der Biokraftstoff-Produzent Vereinigte Bioenergie (Verbio) den Schritt aufs Börsenparkett wagen. Das in Zörbig bei Bitterfeld ansässige Unternehmen produziert an seinen fünf Standorte in Deutschland und in der Schweiz als einziges Unternehmen in Europa sowohl Biodiesel als auch Bioethanol. Die Notierung soll ebenfalls im Prime Standard erfolgen. Die Altaktionäre und Vorstandsmitglieder Claus Sauter und Georg Pollert sowie Familienmitglieder wollen laut Unternehmensangaben nur geringe Aktienanteile abgeben, die voraussichtlich rund 16 Millionen Aktien beim Börsengang angebotenen Aktien sollen aus einer Kapitalerhöhung kommen. "Wir gehören zu den wenigen rein mittelständisch geprägten Unternehmen in unserer Branche. Es gibt verschiedene, börsennotierte große Konzerne wie ADM oder Cargill, die Biokraftstoffe produzieren. Gegen die müssen wir antreten.", hatte Firmenchef Claus Sauter bereits vor Bekanntgabe der Börsenpläne gegenüber ECOreporter.de erklärt. In den nächsten Jahren wolle Verbio die Kapazitäten verdoppeln. "Unser erster Schritt gilt den bestehenden Anlagen, die wollen wir optimal auslasten. Dann planen wir Projekte im europäischen Ausland. Konkrete Vorhaben gibt es noch nicht, aber wir sehen in Ost- und Südosteuropa große Getreideüberschüsse. Die könnte man sehr gut zu Ethanol verarbeiten. In Südeuropa gibt es gute Chancen für Produktionskapazitäten im Bereich Biodiesel", so Sauter. Verbio erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 284,6 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 23,9 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2006 erreichte es bereits einen Umsatz von 205,4 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern erreicht 27,8 Millionen Euro.


Weniger konkret sind bislang die Börsenpläne ausländischer Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energie. So hat die kanadische ATS Automation Tooling Systems Inc. zum Börsengang ihrer Photovoltaiksparte eine Tochterfirma gegründet. Wie das Unternehmen aus Cambrigde in der Provinz Ontario mitteilt, soll die Photowatt Technologies Inc. in den USA und in Kanada gelistet werden. Hierzu hat sie den Angaben zufolge einen Antrag bei der US-Börsenaufsichtsbehörde gestellt und bei der kanadischen Börsenaufsicht einen vorläufigen Emissionsprospekt hinterlegt. Begleiten würden den Börsengang BMO Capital Markets und die UBS Investment Bank, hieß es weiter. In dem neuen Unternehmen sollen Beteiligungen der Photowatt International in Frankreich und von Spheral Solar Power aufgehen. Ferner strebt die australische Wind Hydrogen Ltd. ein IPO an der Börse in Sydney an. Wie die Gesellschaft mitteilt, plant sie den Schritt im kommenden Dezember, sofern das Börsenumfeld stimme. Man wolle 45 bis 55 Millionen Australischer Dollar (27 bis 33 Millionen Euro) zur Finanzierung von Alternativ-Energie-Projekten einsammeln.


BDI Biodiesel International: ISIN AT0000A02177
CropEnergies AG: ISIN DE000A0LAUP1
Manz Automation AG: ISIN DE000A0JQ5U3


Bildhinweise:
Solarzellenproduktion bei Evergreen Solar / Quelle: Unternehmen;
insbesondere aus Raps wird Biotreibstoff erzeugt / Quelle: VDB;
Verbio-Anlage zur Produktion von Biodiesel / Quelle: Unternehmen
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