21.10.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

21.10.2003: Neue Studie von Mercabio, ECOreporter.de, Klaus Braun: Wie lässt sich das Wachstum in der Bio-Lebensmittelbranche finanzieren?

Über 70 Prozent der deutschen Bio-Lebensmittelhersteller und immerhin jeder zweite Naturkostladen wollen in den nächsten drei Jahren in Erweiterung und Ausbau ihres Geschäfts investieren. Die Hälfte derjenigen, die nicht investieren wollen, geben als Grund dafür an, sie hätten bereits in jüngerer Vergangenheit investiert. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die die Firmen Mercabio Consulting&Financing, Klaus Braun Kommunikationsberatung und ECOreporter.de AG mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministeriums für Verbaucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft durchgeführt haben. Für die Studie befragt wurden Öko-Erzeugergemeinschaften, Hersteller von Bio-Lebensmitteln, Bio-Großhandel, Facheinzelhandel, Lieferdienste sowie Finanzdienstleister bzw. institutionelle Investoren, etwa Banken, Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Fondsgesellschaften und Stiftungen.

Laut den Autoren der Studie geben über zwei Drittel der Unternehmen der Bio-Lebensmittelbranche einen Kapitalbedarf von bis zu 100.000 Euro in den nächsten 12 Monaten an. Der durchschnittliche Kapitalbedarf je Unternehmen liegt sogar bei 267.111 Euro in den nächsten 12 Monaten, bei über 370.548 Euro in den nächsten 24 Monaten und bei bis zu 694.152 Euro in den nächsten 36 Monaten.

Untersucht wurde in der Studie auch, welche Erfahrungen die Bio-Lebensmittelbranche mit Kreditanträgen gemacht hat. Das Ergebnis: Das durchschnittliche Kreditvolumen lag bei immerhin 180.282 Euro je Kreditantrag. 83 Prozent der beantragten Kredite wurden genehmigt, 17 Prozent durchschnittlich abgelehnt. Weit überdurchschnittliche Ablehnungsquoten gab es etwa bei Bio-Großhändlern und Naturkostläden. Zukünftig können aufgrund der verschärften Kreditvergabebedingungen der Banken deutlich höhere Ablehnungsquoten erwartet werden. Der Bio-Lebensmittelbereich als Wachstumsbranche wird damit von den Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung besonders betroffen.

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sehen einen grünen Beteiligungsfonds mit Landes- oder Bundesmitteln als gutes künftiges Finanzierungsmittel an. Auch Projektfinanzierungen mit Alternativen Banken oder durch Private Investoren werden überdurchschnittlich gut bewertet. AG-Gründungen und Projektfinanzierungen mit herkömmlichen Banken schneiden in der Bewertungsskala am schlechtesten ab.

Für die Studie befragt wurden auch Banken. Die meisten halten die bestehenden Finanzierungsinstrumente für ausreichend. Über die Hälfte der Banken bieten spezielle Modelle für Projektfinanzierungen an. Die Berücksichtigung von ethischen und/oder ökologischen Kriterien bei der Kreditvergabe-Entscheidung können sich nicht nur alternative, sondern auch konventionelle Bankhäuser vorstellen.

Weiteres erstaunliches Ergebnis der Studie: Die Hälfte der befragten Kapitalbeteiligungsgesellschaften hatten schon Aktivitäten im Lebensmittelbereich und von diesen wiederum gaben fast 81 Prozent an, bereits Kapitalbeteiligungen an Unternehmen aus der Bio-Lebensmittelbranche geprüft zu haben.

"Nachholbedarf sehen wir vor allem bei der Information der Finanzbranche über den Bio-Lebensmittelmarkt", erklärt Fachmann Censkowsky. Der Grund: Weniger als ein Viertel der befragten Unternehmen hat angegeben, gut oder sehr gut über die Branche informiert zu sein. Rund 40 Prozent schätzen ihren Informationsstand als durchschnittlich ein, fast ein Drittel der Unternehmen hält sich für wenig bis gar nicht informiert. "Da erst durch Information Interesse der Investoren an einer Branche geweckt wird und Transparenz hergestellt wird, ist hier ein Ansatzpunkt für künftige Aktivitäten der Bio-Lebensmittel-Branche zu sehen", so Censkowsky.

Am 16. Oktober wurde die Studie im Rahmen einer nicht-öffentlichen Expertenrunde in der KfW-Mittelstandsbank vorgestellt, und es wurde die Frage diskutiert, auf welche Weise die Bio-Lebensmittelbranche bei der Finanzierung des zu erwartenden Wachstums unterstützt werden kann. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Etablierung eines brancheneigenen Marktinformationssystems für Finanzdienstleister, Qualifizierungsmaßnahmen für Gründer im Bio-Lebensmittelbereich, Vernetzungsstrategien von Bio- und Finanzdienstleistungsbranche, aber auch spezifische staatliche Unterstützungsmöglichkeiten.

Sie können die Studie als pdf-Dokument kostenlos erhalten, wenn Sie eine eMail mit dem Stichwort "Bio-Lebensmittelstudie" an info@ecoreporter.de senden. Wir versenden die Studien gesammelt einmal in der Woche. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Studie nicht an "anonyme" eMail-Adressen verschicken, sondern nur an Empfänger, die Ihren Namen, Ihre Firma und Ihre postalische Adresse (und die eMail-Adresse) angeben. Wir sichern Ihnen zu, dass wir Ihre Adressdaten nicht weitergeben.
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