21.10.04 Erneuerbare Energie

21.10.2004: Siemens schluckt Anlagenhersteller Bonus Energy - Wird die Windkraftbranche in Zukunft von Großkonzernen beherrscht?

Die großen Spieler drängen in den Windenergiemarkt. Nachdem der US-Mischkonzern General Electric das Windgeschäft von Enron übernommen hat, wirft mit dem Kauf der dänischen Bonus Energy nun auch der Großkonzern Siemens seinen Hut in den Ring. Wie das Unternehmen in München mitteilte, will es den Erwerb des Turbinenherstellers im Dezember abschließen. Die zuständigen Kartellbehörden müssten der Einigung mit den Eignern Danregn Vindkraft A/S noch zustimmen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte ein Siemens-Sprecher mit. Bemerkenswert ist diese Transaktion unter anderem angesichts einer aktuellen Analyse der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz. In seinem aktuellen Sektorreport sieht das Mainzer Finanzinstitut die Windenergie bereits "an der Schwelle zur vollen Wettbewerbsfähigkeit." Allerdings trauen die Autoren des Reports in der Windkraft nur international agierenden und finanzstarken Konzernen mit einer guten Erfolgsbilanz zu, sich durchsetzten (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 20. Oktober).

Bonus zählt Unternehmensangaben zufolge zu den fünf größten Windkraftanlagenbauern der Welt und erwirtschaftete zuletzt mit 750 Mitarbeitern rund 300 Millionen Euro Umsatz. Weltweit haben die Dänen demnach insgesamt über 5000 Turbinen mit einer Leistung von mehr als 3 Gigawatt installiert. Laut Bonus-Chef Palle Norgaard ist das Unternehmen auch führend bei der Installation von Offshore-Windparks. Den Angaben zufolge lieferte Bonus Energy schon vor 13 Jahren den weltweit ersten Offshore-Windpark und errichtete in Nysted vor der dänischen Ostseeküste mit einer Leistung von 166 Megawatt den aktuell größten Offshore-Windpark.

Bonus hat Ende September den Prototyp der neuen AN BONUS 3,6 MW-WEA errichtet. Die Anlage (Nennleistung 3,6 MW, Rotordurchmesser 107 Meter) steht auf dem Testfeld Hovsøre in Nord-Jütland. Die Nullserie wird voraussichtlich 2005 produziert und errichtet werden. Die AN BONUS 3,6 MW soll, geringfügig modifiziert, auch als Offshore-Anlage dienen können.

Wie Klaus Voges, Vorsitzender des Bereichsvorstands der Siemens Power Generation dem Handelsblatt zufolge erklärte, will Siemens durch die Übernahme vom Wachstum der Windkraftbranche profitieren. Das Weltmarktvolumen für Windenergie liege bei rund sechs Milliarden Euro. Für die kommenden Jahre sei mit jährlichen Zuwachsraten von zehn Prozent zu rechnen. Siemens wolle sich bei den Energieträgern möglichst breit aufstellen, um den weltweit wachsenden Energiebedarf auch kostengünstig und umweltverträglich decken zu können.

Wie es weiter heißt, soll das Geschäftsgebiet "Wind Power" der Siemens-Sparte Siemens Power Generation seinen Sitz im dänischen Brande haben. Dort befindet sich das Montagewerk von Bonus, in Aalborg fertigt das Unternehmen Rotorblätter. Siemens betreibt in Den Haag, Niederlande, ein Kompetenz-Center für Windkraft-Anlagen. Angeboten werden sowohl schlüsselfertige Anlagen, als auch Komponenten wie Transformatoren, Generatoren oder Überwachungs- und Steuerungssysteme. Zu den bisherigen Siemens-Projekten gehören zwei Windparks im Rotterdamer Hafen. Der eine liefert bereits Strom mit neun Wind-Turbinen, deren Leistung der Konzern mit jeweils 1,5 Megawatt (MW) beziffert. Im November 2004 soll ein weiterer Windpark mit neun Wind-Turbinen (2,5 MW) seinen Betrieb aufnehmen. Für die derzeit weltweit größte Windkraftanlage mit Permanentmagnet-Technik an der norwegischen Westküste hat Siemens Automation and Drives (A&D) ein spezielles getriebeloses, permanentmagnet-erregtes Generatorsystem gefertigt.

Siemens AG: ISIN DE0007236101 / WKN 723610

Bildhinweis: Dominieren in der Windkraftbranche demnächst die Großen die Kleinen? / Quelle: ECOreporter.de{/h
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