21.11.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

21.11.2002: DaimlerChrysler: Dicker Nachhaltigkeitsbericht, aber als Steuerzahler klein - Weltarbeitnehmervertretung gegründet

Die DaimlerChrysler AG hat gestern in Berlin mit dem Bericht "Verantwortung in der Gesellschaft - Verpflichtung für die Zukunft" eine Übersicht über ihr gesellschaftliches Engagement vorgelegt. Demnach ist Corporate Social Responsibility (CSR) - unternehmerische Sozialverantwortung - Teil der Unternehmenspolitik. Matthias Kleinert, Generalbevollmächtiger von DaimlerChrysler für Politik und Außenbeziehungen, sagt: "Ein globales Unternehmen muss mehr tun, als Gewinn zu erwirtschaften. Wir müssen auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen." Es sei unerlässlich, in allen Märkten, in denen das Unternehmen Produktions- oder Vertriebsaktivitäten unterhalte, ein ‚Good Corporate Citizen" zu sein. Global agierende Konzerne müssten hohe Sensibilität in bezug auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Wohlstandsentwicklung zeigen, so Kleinert. DaimlerChrysler bekenne sich zum integrierten Umweltschutz. Rund 1,7 Milliarden Euro investiere DaimlerChrysler daher pro Jahr in Umweltschutz und Umwelttechnik.

Auf die gesellschaftlichen Verantwortung eines weltweit verflochtenen Unternehmens beruft sich auch Vorstandsvorsitzender Jürgen E. Schrempp in seinem Vorwort zu der Dokumentation. Damit begründet er das Engagement von DaimlerChrysler in der "Global Compact Initiative" von UN-Generalsekretär Kofi Annan. Deren Prinzipien wie die Achtung der Menschenrechte, des Arbeits- und des Umweltschutzes bildeten einen Orientierungsrahmen für verantwortungsbewusstes weltweites Handeln.

Dem Global Compact gehören bereits mehrere deutsche Konzerne an, darunter neben DaimlerChrysler auch BASF, BMW und die Deutsche Bank. Weltweit haben sich in dieser Initiative bisher über 400 Unternehmen zu besonderen Anstrengungen für eine nachhaltige Entwicklung der Dritten Welt verpflichtet. Das US-Blatt "Christian Science Monitor" bezeichnete sie als "die bisher kreativste Wiedererfindung der Vereinten Nationen". Sie zielt ab auf eine "Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens", die Voraussetzung dafür sei, Geschäfte zu machen.

Nach Jahren der Abwehr staatlicher und gesellschaftlicher Ansprüche wächst der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" zufolge in den Firmen die Bereitschaft, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Klaus Schwab, der Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, sieht sogar den Beginn einer "neuen Ära" für Wirtschaft und Gesellschaft heraufziehen. Ob Steuern zahlen auch zu Nachhaltigkeit gehört, läßt DaimlerChrsysler offen. Wie die Frankfurter Rundschau mitteilt, gibt es einen Liste der Steuervorauszahlungen für 2001, die vor kurzem aus der Finanzabteilung der Stadt an die Öffentlichkeit gelangte. Das größte deutsche Unternehmen, eben DaimlerChrysler mit Sitz in Stuttgart, taucht in ihr hingegen nicht auf. Mit einer Ausnahme: Die Daimler-Chrysler Holding (Austria) GmbH, eine deutsche Dachgesellschaft für Aktivitäten in Österreich, steht auf Platz 27. Sie gehört nicht zur Organschaft des Konzerns und zahlt daher eigene Gewerbesteuern. Anders Porsche: Vorstandschef Wendelin Wiedeking posaune gern heraus, dass der Sportwagen-Hersteller in Stuttgart die meisten Gewerbesteuern zahle, so die Frankfurter Rundschau.

DaimlerChrysler-Personalchef Fleig betonte laut der Frankfurter Rundschau, man nehme die von Globalisierungsgegnern formulierte Ängste sehr ernst. Das Unternehmen habe daher eine Weltarbeitnehmervertretung gegründet. Flieg verweist auf die Konzerngrundsätze, nach denen Chancengleichheit vorgeschrieben, Zwangs- und Kinderarbeit geächtet seien. Laut der Tageszeitung erinnerte Fleig auch daran, dass DaimlerChrsyler eine eigene Untersuchungskommission wegen des Verschwindens von 14 Gewerkschaftsmitgliedern während der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien eingesetzt habe.
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