21.11.06 Erneuerbare Energie

21.11.2006: Allen Hindernissen zum Trotz: Solarbranche erwartet weiter starkes Wachstum - Markttrends auf dem Forum Solarpraxis

Politik und Finanzwelt schenken der Solarbranche offenbar immer mehr Aufmerksamkeit. So interpretiert die Solarpraxis AG die rege Teilnahme am 7. Forum Solarpraxis, das in der vergangenen Woche in Berlin stattgefunden hat. Mehr als 550 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft hätten an dem Kongress teilgenommen, meldet das Berliner Unternehmen. Für bedeutend werde dabei die Rolle der Solartechnik bei der effektiven Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen eingeschätzt. Mit 170.000 Arbeitsplätzen gewinne der Sektor auch arbeitsmarktpolitisch an Gewicht.

Aus der Anwesenheit namhafter US-Analysten schlossen die Veranstalter, dass die deutsche Solarbranche auch in der internationalen Finanzwelt einen sehr guten Ruf genieße. So habe beispielsweise Jesse Pichel von Piper Jaffray an der Konferenz teilgenommen. Der Finanzexperte hatte die First Solar LLC mit 400 Millionen US-Dollar an die New Yorker Börse gebracht. Wie der Bonner Europressedienst in einem Bericht ausführt, rechnen die Marktteilnehmer mit einem jährlichen Wachstum von rund 25 Prozent. Weltweit soll sich der Markt für Sonnenstrom dank attraktiver staatlicher Förderprogramme ebenfalls im zweistelligen Bereich vergrößern. Besonders in asiatischen Ländern, Kalifornien und Südeuropa wolle die Branche künftig ihre Produkte anbieten. Belastend wirkten sich jedoch die anhaltend hohen Silizium- und Waferpreise aus.

Innerhalb der letzten zwei Jahre schoss der Preis für den begehrten Rohstoff von 25 auf 200 Dollar. Wie Philip Koecke, Finanzvorstand der SolarWorld AG, gegenüber Europressedienst erklärte, leiden hierunter besonders Unternehmen ohne langfristige Verträge. Uneins habe sich die Branche in Berlin bei der Frage gezeigt, ob der Engpass bereits 2008 behoben werden kann. Aus Analystensicht müsse die Branche bei der Preisentwicklung auf jeden Fall gegensteuern. "Soll der Markt langfristig wachsen müssen die Preise gesenkt werden", sagte Alexander Karnick von der Deutsche Bank AG. An erster Stelle, so betonte der Aktienexperte in Berlin, bräuchten die Photovoltaikunternehmen die Kontrolle über den Preis. An zweiter und dritter Stelle stünden die Produktqualität und der Zugang zum Endkunden.

Dem Bericht zufolge steht der spanische Photovoltaikmarkt bei vielen Marktteilnehmern ganz vorne auf der Liste neuer Expansionsziele. Dies ungeachtet der Tatsache, dass das spanische Einspeisegesetz für Solarstrom zurzeit von der Regierung überarbeitet wird. Branchenexperten rechnen demnach damit, dass im neuen Gesetz die Fördertarife gesenkt werden und das Genehmigungsverfahren für den Anlagenbau vereinfacht wird. Auch für den italienischen Photovoltaikmarkt wird das Förderprogramm gegenwärtig überarbeitet. David Pérez Navarro von eclareon rechnet laut Europressedienst damit, dass 2006 maximal zehn Megawatt Solarstromleistung neu installiert werden. Der griechische Markt kommtebenfalls nur langsam in Gang. Seit Ende Juni ist in dem südeuropäischen Land ein neues Fördergesetz in Kraft, das den Betreibern von Solarstromanlagen eine Einspeisevergütung von bis zu 45 Cent pro kWh beschert. Seit April dieses Jahres, so Christos Protogeropoulos von CRES (Centre for Renewable Energy Sources), wurden in Griechenland 20 Projekte mit einer Kapazität von 45,2 Megawatt beantragt.

Für die Dünnschichttechnologie sehen Experten laut dem Bericht großes Potenzial, solche Technologien würden für den Solarstrommarkt immer mehr an Bedeutung gewinnen. Sie gehen davon aus, dass Dünnschichtmodule preisgünstiger angeboten werden könnten als Siliziummodule. Allerdings, so betont etwa Eric Rüland von der GP Solar GmbH, werde langfristig den größeren Wirkungsgrad haben. Derzeit läge der Vorsprung bei etwa fünf Prozent. In Sachen Marktwachstum hinke die Dünnschichttechnologie gegenüber der Siliziumtechnologie um sieben Jahre hinterher.

Die für das nächste Jahr anstehende Überprüfung des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes" (EEG) wurde auf dem Forum Solarpraxis wenig diskutiert. Laut Michael Müller, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, will die Politik bei einer eventuellen Gesetzespassung den Bereich Photovoltaik keinesfalls aus dem Fördergesetz ausklammern. Als ein Ziel nannte Müller die Verankerung des Fördermodells in weiteren europäischen Ländern. Dr. Karl Kellner von der Europäischen Kommission hob in Berlin zudem die hohe Effizienz von Einspeisesystemen hervor. Mit Quotensystem habe man bisher zu wenig Erfahrungen gesammelt.

Bildhinweis:
Aufdach-Module / Quelle: Solarpaxis AG;
Solarprojekt in Barcelona / Quelle: SunTechnics Técnicas Solares
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