20.01.04 Erneuerbare Energie

21.1.2004: bremer energie institut: Erneuerbare Energien vernichten langfristig Arbeitsplätze

(VU) Das bremer energie institut hat die Beschäftigten in der Branche Erneuerbare Energien gezählt. Ergebnis: Insbesondere bei den Windenergieanlagen habe man bei weitem nicht die Beschäftigtenzahlen messen können, die die Interessenverbände verbreiteten. Während die Branchenvertreter von rund 70.000 Arbeitsplätzen im Umfeld der Erneuerbaren sprechen, hat das institut nur knapp 30.000 Arbeitsplätze zählen können. Befragt hat es insgesamt etwas mehr als 330 Unternehmen der Sparte.

Die Wissenschaftler haben im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die Beschäftigungswirkungen der Erneuerbaren Energien untersucht. Die Regenerativen Energien erscheinen in ihrer Studie letztlich als Jobkiller: Die zusätzlichen Ausgaben der Verbraucher für Strom aus Erneuerbaren Energien führten zu Budgetumschichtungen in den Haushalten, so die Argumentation. Darunter leide der Konsum, Arbeitsplatzverluste in anderen Sektoren seien die Folge. Das institut ist eine Gründung des Bremer Senats und hat jüngst (ECOreporter.de berichtete) durch eine Studie für den konservativen Verband der deutschen Elektrizitätswirtschaft auf sich aufmerksam gemacht, der zufolge die Hälfte des deutschen Kraftwerksparks erneuerungsbedürftig sei.

Die Erneuerbaren Energien ersetzen der aktuellen Studie zufolge die anderen Energieträger und sorgen dafür, dass "an diesen Stellen Arbeitsplätze entfallen". Dafür schaffen sie zwar auch Arbeitsplätze - charakteristischer Weise vor allem in den Anfangsjahren nach der Investition. Später jedoch soll sich der Beschäftigungseffekt ins Negative umkehren. Verantwortlich dafür ist der Studie zufolge vor allem der so genante Budgeteffekt. Der besagt: Erneuerbare Energie ist bei den derzeitigen Vergütungssätzen teurer als die bisherige. Die Verbraucher müssen in der Folge einen größeren Teil ihres Budgets für Energie aufwenden. Erneuerbare Energien verhindern so Konsum und Beschäftigung in anderen Bereichen.

Die Arbeitsplatzvernichtung durch eine 1,2 MW-Windkraftanlage

Die Auswirkungen des "Budget-Effekts" werden am Beispiel einer 1,2 MW-Windkraftanlage mit 2000 Volllaststunden im Jahr verdeutlicht. Ihr Beschäftigungseffekt beträgt demnach minus 7,9. Das heißt, bei einer Betriebsdauer von 20 Jahren würden durch die Windkraftanlage knapp acht Personen ein Jahr lang ohne Arbeit sein. Der Budgeteffekt ergibt sich aus der Differenz zwischen der Vergütung von durchschnittlich 6,1 Cent pro kWh Strom aus einer regenerativen Energieanlage und seinem eigentlichen "Wert". Diesen setzt die Studie nur mit 1 Cent pro kWh an. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Wert des erneuerbaren Stroms in etwa der Ersparnis von Brennstoffkosten in einem Kohlekraftwerk gleichzusetzen ist. Die Wertschöpfung durch die eingesparten CO2-Emissionen wird mit einer Gutschrift von nur 5 Euro berücksichtigt. Dass der Preis des Kohlestroms aufgrund der Umweltverschmutzung bei seiner Produktion viel höher ist, als sich in den Energiepreisen widerspiegelt, bleibt unerwähnt. Der positive Umwelteffekt der regenerativen Energien wird einfach mit den durch sie verursachten volkswirtschaftlichen Verlusten verrechnet: Mit dem sinkenden Wirkungsgrad im konventionellen Kraftwerkspark, für den sie angeblich sorgen, und den zusätzlichen Kosten, die die vermehrte Bereitstellung von Ausgleichsenergie sowie der Netzausbau verursachen.

Die Berechnungen basieren auf den aktuellen Vergütungssätzen bei der Windkraft nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz. In den nächsten Jahren sollen die Vergütungen für Strom aus neu errichteten Windkraftanlagen allerdings stetig zurückgehen. Wenn das eintrete, werde der Budgeteffekt schrumpfen, sagen die Autoren. So könnte sich dann der Gesamtbeschäftigungseffekt der Erneuerbaren Energien bei konstanten Investitions- und Betriebskosten auch langsam in den positiven Bereich hinein entwickeln. Wenn Windstrom zum Beispiel nur noch 3 Cent/kWh kostete, hätte die Muster-Windkraftanlage von 1,2 Megawatt schon positive Effekte: Sie würde dann insgesamt dafür sorgen, dass 6,2 Personen ein Jahr lang Beschäftigung fänden. "Diese Zahlen machen deutlich, wie stark das Vorzeichen und der Umfang des Beschäftigungseffekts von EE-Anlagen von der Energiepreisentwicklung und von der Entwicklung der Einspeisevergütung abhängt", merken die Autoren an.

Nur Biomasse und kleine Wasserkraft schaffen wirklich Arbeit

Die Studie vergleicht die Beschäftigungeffekte von Biomasse, Geothermie, Sonnen-, Wind- und Wasserkraft, indem sie von einer (fiktiven) einheitlichen Anlagengröße von 2 Gigawattstunden ausgeht. Positive Beschäftigungseffekte wären demnach in 20 Jahren Betriebszeit derzeit nur von der kleinen Wasserkraft (+ 20 Beschäftigte für ein Jahr) und den Biomasseanlagen (+ 1 Beschäftigter) zu erwarten. Alle anderen Energieformen führen laut Studie insgesamt zu Arbeitsplatzverlusten, am stärksten die Photovoltaik mit minus 55 Beschäftigten für ein Jahr.

Auch die Offshore-Windkraft verbessert das Bild vom Arbeitsplatzvernichter Erneuerbare Energien angeblich kaum. Das energie institut hat ein Szenario berechnet, das unterstellt, dass zwischen 2006 und 2020 Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 20.000 MW aufgebaut werden. In den ersten Jahren sind demnach durch den Bau hohe Beschäftigungseffekte zu erwarten, die ab 2011 durch den Budgeteffekt aber zunichte gemacht werden. Ab 2021 würden sich insgesamt gesehen sogar Beschäftigungsverluste ergeben. Die Autoren sagen erst ab 2020 für neue Offshore-Anlagen alles in allem positive Beschäftigungseffekte voraus.

Bild: Angeblicher falscher Zusammenhang: Arbeiter und Windkraftanlage (Quelle: Umweltkontor)
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x