Nachhaltige Aktien, Meldungen

2.1.2008: Jahresrückblick 2007: Branche mit Rückenwind - Schwerpunkt Windaktien

Aktionäre von Windkraftunternehmen konnten auf breiter Front vom starken Wachstum der Branche profitieren. Zwar liegen für 2007 noch keine Zahlen zur Marktentwicklung vor, doch ist davon auszugehen, dass sich die Trends des Vorjahres fortgesetzt haben. Die World Wind Energy Association (WWEA) hatte im Frühjahr eine Auswertung der Marktentwicklung in 2006 vorgelegt. Demnach war der Windmarkt weltweit bei den installierten Kapazitäten im Durchschnitt um 25 Prozent gewachsen. Laut den vom internationalen Windenergieverband vorgelegten Zahlen war mit insgesamt 20.622 MW Leistung die meiste Windkraft weltweit in Deutschland installiert (plus 11,9 Prozent). Es folgt der spanische Windmarkt mit 11.615 MW (plus 15,8 Prozent) knapp vor dem boomenden Windmarkt der USA mit 11.603 MW. Dieser war 2006 weltweit am stärksten gewachsen und gewann 2007 sogar noch an Dynamik. Laut dem US-Windkraftverband, der American Wind Energy Association (AWEA), wurden in den ersten neun Monaten 2007 bereits Neuanlagen mit zusammen 2.300 MW aufgestellt. Diese Menge übertraf bereits die Gesamtmenge des Vorjahres um rund 20 Prozent. Hauptgrund für den Aufschwung der Windkraftbranche in den USA ist das bis zum Dezember 2008 befristet Förderprogramm „federal production tax credit“ (PTC).

Von der starken Nachfrage in den USA profitierten insbesondere die Hersteller von Windkraftanlagen. Deren Aktien verteuerten sich 2007 deutlich. Im Vergleich zu anderen Werten dieses Sektors fiel der Kurszuwachs beim spanischen Windturbinenbauer Gamesa mit 48,50 Prozent noch moderat aus. Das Unternehmen hat seinen Schwerpunkt auf dem stark wachsenden Heimatmarkt, auch wenn dieser 2007 reduziert wurde auf 33 Prozent (zuvor 52 Prozent). Hier profitiert es von der engen Beziehung zum spanischen Energiekonzern Iberdrola. Der mit Abstand weltweit größte Besitzer und Betreiber von Windparks ist ein Großaktionär von Gamesa. Auch in den USA und in China gehört Gamesa zu den führenden Anbietern. In den kommenden zwei Jahren will das Unternehmen seinem Chairman Guillermo Ulacia zufolge seinen Anteil am Weltmarkt von gegenwärtig 15 Prozent auf 20 Prozent steigern. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat Gamesa den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent auf 2,206 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs um 26 Prozent auf 284 Millionen Euro, der Nettogewinn kletterte auf 95 Millionen Euro.

Um knapp 80 Prozent verteuerte sich in 2007 die Aktie der deutschen REpower AG. Der deutsche Windturbinenbauer sorgt in der ersten Jahreshälfte häufig für Schlagzeilen, weil der indische Konkurrent Suzlon und der französische Energiekonzern Areva sich ein Bietergefecht um die Übernahme der Mehrheit an dem Unternehmen lieferten. Diese haben sich dann im Mai auf ein Kooperationsabkommen verständigt, wonach Suzlon die Mehrheit an REpower erwirbt und Areva seinen Anteil an dem Unternehmen behält. Die Franzosen erhielten eine gesicherte Ausstiegsmöglichkeit, die einen Gewinn von mehr als 350 Millionen Euro garantieren würde. Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Hamburger Windanlagenbauers REpower Systems AG, Fritz Vahrenholt, wechselte zum Jahresende in den Aufsichtsrat. Als neuer wurde Per Hornung Pedersen bestellt, zuletzt Vorstandsvorsitzender der Suzlon Energy A/S in Aarhus/Dänemark. Ungeachtet dieser Veränderungen blieb REpower auf Erfolgskurs. Das Hamburger Unternehmen erhöhte in den ersten neun Monaten 2007 seinen Umsatz im Jahresvergleich um 24,5 Prozent von 292,6 Millionen Euro auf 373,0 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) wurde mehr als verdoppelt auf 7,9 Millionen Euro.

Der dänische Windanlagenbauer Vestas Systems wartete in den ersten drei Quartalen ebenfalls mit starken Zahlen auf. So hat der weltweite Markführer unter den Windturbinenbauern im dritten Quartal seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 842 Millionen auf 1,15 Milliarden Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) wurde von dem Unternehmen aus Randers das mehr als verdoppelt, es stieg von 40 auf 102 Millionen Euro. Die EBIT-Marge, das Verhältnis zwischen EBIT und Umsatz, verbesserte sich von 4,8 auf 8,9 Prozent. Das Liefervolumen stieg um 17 Prozent auf 1.245 Megawatt, der Auftragsbestand wuchs von 3,1 auf 4,1 Milliarden Euro. Vestas strebt für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro an, für 2008 wurden von ihm 5,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Aktie legte 2007 spektakulär zu, sie verteuerte sich um 126,68 Prozent.

Über einen noch stärkeren Wertzuwachs konnten sich die Anteilseigener der Nordex AG freuen. Deren Aktie stieg 2007 um über 135 Prozent. Das Geschäft des Norderstedter Herstellers von Windkraftanlagen brummt. „Wir sind für die nächsten zwei bis drei Jahres so gut wie komplett ausgebucht", erklärte im Oktober dessen Vorstandschef Thomas Richterich. Es lägen feste Bestellungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro vor, hinzu kämen Lieferverpflichtungen von 400 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2007 will der Windturbinenbauer den Umsatz um 50 Prozent auf 770 Millionen Euro steigern. Aufgrund möglicher Projektverzögerungen in Italien könnte diese Marke jedoch verfehlt werden. Um weiteres Wachstum im gleichen Tempo zu schaffen, sind Investitionen im Umfang von 350 Millionen Euro geplant. Nordex hat in den ersten neun Monaten 2007 den Umsatz um 32 Prozent auf 493 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) erhöhte sich um 93 Prozent auf 23,3 Millionen Euro. Die Umsatzrendite stieg von 3,2 auf 4,7 Prozent. Im Gesamtjahr soll sie sich auf sechs Prozent belaufen.

Auch die Aktien von Zulieferern der Hersteller von Windkraftanlagen legten in 2007 zu. Dies gilt etwa für die Zoltek Companies Inc. aus St. Louis, deren Anteilsschein knapp 100 Prozent zulegte. Die US-amerikanische Kohlefaserproduzentin profitiert vor allem vom gegenwärtigen Windkraftboom in den Vereinigten Staaten. Ihre Kohlefasern sind zugleich leichter und stärker als Stahl. Für die von Windturbinenherstellern benötigten Kohlefasern besitzt Zoltek in den USA nahezu eine Monopolstellung. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen den Umsatz von 92,4 Millionen Dollar auf 151 Millionen Dollar gesteigert. Der Bruttogewinn stieg von 22,4 Millionen Dollar auf 43,3 Millionen Dollar. Ein weiterer US-amerikanischer Zulieferer der Windkraftbranche ist die American Superconductor Corporation (AMSC) aus Westborough in Massachusetts. Das Technologieunternehmen liefert weltweit elektrische Systeme für Windturbinen und hat 2007 den österreichischen Windturbinenbauer Windtec aus Klagenfurt erworben. Die Aktie verteuerte sich 2007 um fast 165 Prozent.

Auf eine weiter gute Marktsituation für die Windkraft setzen die Börsianer bei den Windparkprojektierern Energiekontor AG und Plambeck Neue Energien AG. Die Plambeck-Aktie legte 2007 im Frankfurter Handel knapp 40 Prozent zu, obwohl das Unternehmen aus Cuxhaven im November schwache Neunmonatszahlen veröffentlichte. Im Konzern wurde zum Stichtag 30. September ein EBIT von minus 2,6 Millionen Euro erwirtschaftet, nach minus 3,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Gesamtleistung belief sich auf 31,2 Millionen Euro (Vorjahr 50,5 Millionen Euro). Den Fehlbetrag führt Plambeck darauf zurück, dass in den ersten drei Quartalen 2007 weniger Windpark-Projekte realisiert wurden als im Vorjahr. Derzeit befänden sich vier Windpark-Projekte, in denen Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von zusammen 51,8 Megawatt (MW) errichtet würden, in Bau. Sie würden sich im Wesentlichen aber erst in 2008/2009 in Umsatz und Ergebnis niederschlagen. Im Rahmen der mittlerweile abgeschlossenen Restrukturierung beschloss Plambeck eine Konzentration auf das Kerngeschäft der Windpark-Projektierung mit einer aktuellen Projektpipeline von etwa 400 Megawatt (MW) onshore und rund 2.700 MW offshore. Verkaufserlöse in zweistelliger Millionenhöhe sollen dem Unternehmen ein positives Ergebnis 2007 ermöglichen. Plambeck stellte ein Betriebsergebnis (EBIT) in Höhe 12 bis 16 Millionen Euro in Aussicht, nach 0,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Mit inzwischen über 500 Megawatt installierter Leistung und einem Investitionsvolumen von rund 700 Millionen Euro ist die Energiekontor AG einer der führenden Windkraftprojektierer der in Deutschland. Das Unternehmen aus Bremen verzeichnete für die ersten neun Monate in 2007 eine operativ positive Geschäftsentwicklung. Das konkrete Jahresergebnis hängt nach seinen Angaben entscheidend vom Vertriebsverlauf im 4. Quartal 2007 ab. Im März hatte Energiekontor für das Geschäftsjahr 2006 leichte Einbußen beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) gemeldet, es sank von 3,133 Millionen Euro auf 3,027 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten (EBT) hatte sich von 5,97 Millionen Euro auf 2,63 Millionen Euro verringert. Im November hat die Gesellschaft vom Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg die Genehmigung für den in der Wesermündung liegenden Offshore-Windpark Nordergründe erhalten. An diesem Standort kann sie damit bis zu 25 Windkraftanlagen mit einer maximalen Gesamtleistung von 125 MW errichten. Der Energiekontor-Aktie verlieh diese Aussicht auf das Geschäft mit der ertragsreichen Windenergieproduktion auf See Flügel. Im Gesamtjahr legte das Papier um mehr als 151 Prozent zu.

Das Offshore-Geschäft dürfte für deutsche Projektierer besonders wichtig werden, wenn der im November vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf für eine Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) so umgesetzt wird wie geplant. Darin ist vorgesehen, die Vergütung von auf dem Meer erzeugtem Windstrom um rund fünf Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) auf 14 ct/kWh zu erhöhen. Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, nannte als deutsches Ziel für die Offshore-Windkraft, bis 2030 auf eine Leistung von 25 GW zu kommen. 15 Prozent des deutschen Energiebedarfs würden dann über Offshore-Windparks erzeugt. Der Bundesverband WindEnergie (BWE) befürchtet allerdings, dass die EEG-Novelle die deutsche Windkrafterzeugung an Land unwirtschaftlich macht. Denn der Entwurf sieht vor, die Vergütung für Windenergieanlagen an Land weiter auf unter acht ct/kWh zu senken.

Informationen zur aktuellen Kursentwicklung der Windaktien finden Sie auf unserer Informationsseite Kurse.

Bilder: Windpark von Iberdrola; Montage einer Windturbine von Nordex; Offshore-Windpark mit Anlagen von General Electric. / Quelle jeweils: Unternehmen

Dieser Umweltaktien-Jahresrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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