02.12.04 Erneuerbare Energie

2.12.2004: "Spannender finden wir Energiegewinnung aus Wellenkraft oder den Gezeiten." - ECOreporter.de-Interview mit Dietmar Bauer, RWE Dynamics Venture Capital Management GmbH, zur Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Projekten

Die RWE Dynamics Venture Capital Management GmbH investiert in Hightech Unternehmen, die einen Bezug zum Kerngeschäft der RWE haben: Strom, Gas und Wasser. Beteiligungen in diesen Bereichen werden weltweit mit einem Schwerpunkt auf Deutschland und Europa eingegangen. Die RWE Dynamics verwaltet ein Fondsvermögen von circa 50 Millionen Euro und engagiert sich auch im Bereich der Erneuerbaren Energien. Sämtliche Mittel stammen von der RWE AG. Im Rahmen unserer Schwerpunkt-Reihe zum Thema "Kapital für Erneuerbare Energien" sprachen wir mit Dr. Dietmar Bauer, Geschäftsführender Gesellschafter der RWE Dynamics Venture Capital Management GmbH.


ECOreporter.de: Wie viele Private Equity Beteiligungen im Bereich der Erneuerbaren Energien hält Ihr Unternehmen?
Dietmar Bauer: Unser Portfolio enthält zur Zeit sechs Unternehmen, davon ist eines im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig. Dabei handelt es sich um die australische Energetech Pty Limited. Das Unternehmen entwickelt eine Technologie zur Gewinnung von Energie aus Meereswellen.
Wir sind ein reines Venture Capital Unternehmen (VC). Das ist schon ein Unterschied zu Gesellschaften, die mehr im Private Equity -Bereich tätig sind. Dort geht es zum Beispiel um Themen wie Management Buy Outs und die Unternehmen, die gekauft werden, haben manchmal viele Hundert oder Tausend Mitarbeiter. Das ist eine ganz andere Größenordnung. Wir beschäftigen uns als VC-Finanzierer mit Start ups. Das sind Firmen in Frühphasen, die dann um die 20 Mitarbeiter beschäftigten.

ECOreporter.de: Wieviel Geld haben Sie in Energetech investiert?
Dietmar Bauer: Gemeinsam mit Partnern aus den USA, Australien und der Schweiz haben wir über drei Finanzierungsrunden insgesamt 10 Millionen Euro bei Energetech investiert. Das ist übrigens auch eine Besonderheit im Venture Capital: Man betrachtet andere VC-Unternehmen nicht als Konkurrenten, sondern als Partner, mit denen man das Risiko teilen kann

ECOreporter.de: Ist die Branche der Erneuerbaren Energien aus Ihrer Sicht ein aussichtsreiches Geschäftsfeld für Private Equity Engagements?
Dietmar Bauer: Unsere Investitionsschwerpunkte sind ganz allgemein die Bereiche Energie und Wasser. Die Regenerativen Energien sind aus unserer Sicht natürlich nur ein Teil des Spektrums.

ECOreporter.de: In welchen Bereichen und Technologien sehen Sie das größte Potenzial?
Dietmar Bauer: Das hängt sehr von der Philosophie des Einzelnen ab. Wir halten die Technik der Windenergie für etwas ausgereifter. Sie eignet sich deshalb weniger für VC-Investments. Spannender finden wir Oceanpower: Energiegewinnung aus Wellenkraft oder den Gezeiten. In diesem Bereich sind die Technologien alle noch sehr jungfräulich. Wir haben uns für die Wellenkraft entschieden und mit Energetech ein Unternehmen ausgewählt, das wir für aussichtsreich halten.
In der Branche der Photovoltaik kann sich sicher noch einiges tun. Technologisch gesehen befinden wir uns da allerdings unserer Einschätzung nach noch in der sogenannten "Seedphase". Darunter verstehen wir das Entwicklungsstadium noch vor dem Eintritt von VC-Unternehmen. Wir engagieren uns erst in dem Moment, wenn schon ernstzunehmende Prototypen vorhanden sind.
Die Geothermie ist typischerweise stark projektbezogen, das bedeutet, dass sehr viel Kapital benötigt wird und das es in der Regel lange gebunden ist. Sie eignet sich deshalb nicht so sehr für VC-Investitionen. Mit der Biomasse verhält es sich ähnlich wie mit der Windkraft: Die Technologie ist da, sie hat bewiesen, was sie kann. Das ist eine aus unserer Sicht schon recht etablierte Sache und gerade deshalb ist sie als Investment nicht interessant für uns. Oft wird auch die Brennstoffzelle in einem Atemzug mit Erneuerbaren Energien genannt. Das halte ich für falsch. Die Brennstoffzelle beschäftigt uns zwar auch, wir betrachten sie aber nicht als Erneuerbare Energie. Die Brennstoffzelle wird schließlich mit einem Brennstoff betrieben, der erst einmal vorhanden sein muss.

ECOreporter.de: Wo liegen Ihrer Erfahrung nach Risiken für Investments in der Erneuerbare Energie Branche?
Dietmar Bauer: Im Grunde gibt es da die gleichen Gefahren, wie in allen Start ups. Eigentümlich für die Erneuerbaren Energien ist allerdings das große regulatorische Risiko. Viel hängt davon ab, dass der politische Wille da ist, und günstige Investitionsbedingungen schafft. Im Moment trifft das zu, aber wer kann heute sagen, wie das in fünf Jahren aussieht?

ECOreporter.de: Welche Auswahlkriterien muss ein Unternehmen der Neue Energie Branche erfüllen, an dem sich die RWE Dynamics Venture beteiligt?
Dietmar Bauer: Ein kompetentes Managementteam ist sehr wichtig. Schließlich geht es darum, eine neue Technologie in den Markt zu bringen. Das Produkt sollte für eine sogenannte "disruptive Innovation" gut sein; das bedeutet: Es muss wirklich etwas Neues sein. Dafür braucht es beispielsweise eine Technologieplattform, die in ihrem Segment das Geschäft verändern kann. Ein anderer Schlüsselbegriff ist die "Custumer pain", das meint schlicht, dass genügend Kunden, Nachfrage und Bedarf für das Produkt vorhanden sein müssen. Mit den "Gespinsten" mancher Ingenieure, die uns gelegentlich angeboten werden, können wir nichts anfangen. Mit dem Bedarf hängt die nächste Grundvoraussetzung dann wieder elementar zusammen: Es muss ein Wachstumsmarkt sein. Als letztes ist dann noch der Schutz zu nennen. Wir müssen prüfen, ob die Rechte zuverlässig gesichert werden können, sonst kommt ein Investment für uns nicht in Frage. Um es zusammen zu fassen, unsere "Top drei Entscheidungskriterien" sind: Innovation, Wachstum und Rechtssicherheit. Als allgemeine Grundlage kommt dann noch hinzu, dass wir uns nur in Bereichen engagieren, die genügend Nähe und Affinität zum Kerngeschäft der RWE haben

ECOreporter.de: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen der RWE Dynamics Venture und den Gesellschaften, an denen Sie sich beteiligen konkret? Sind Sie über die Bereitstellung der Mittel hinaus beratend tätig? In wieweit sind Sie über das aktuelle operative Geschäft der Unternehmen informiert?
Dietmar Bauer: Wir sprechen in diesem Zusammenhang von "hands on approach". Konkret heißt das, dass wir zum Beispiel einen Sitz im Aufsichtsrat haben. Darüber hinaus sehen wir uns als Berater, Begleiter, Helfer und Unterstützer für die Beteiligungsunternehmen. So sprechen wir beispielsweise regelmäßig über strategische Fragen mit den Firmen.

ECOreporter.de: Was für eine zeitliche Perspektive veranschlagen Sie für Ihre Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien?
Dietmar Bauer: Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien sind eher auf Dauer angelegt. Ganz anders als wir das aus der IT- oder Software-Branche kennen. Die Technologien brauchen einfach länger. Da muss man schon einmal vier bis fünf Jahre dabei bleiben. Unsere Mittel sind auf 50 Millionen Euro festgeschrieben. Wenn dieser Rahmen ausgeschöpft ist, wird ein neuer Fonds aufgelegt. Wir sind kein sogenannter "Evergreen funds", die dürfen die Mittelrückflüsse jeweils wieder neu investieren.

ECOreporter.de: Herr Bauer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Per Mausklick gelangen Sie zum ECOreporter.de-Interview mit Andreas Knörzer, New Energies Invest AG. Weitere Beiträge zu Finanzierern von Erneuerbaren Energien finden Sie, wenn Sie in der Suchfunktion das Stichwort "Private Equity" eingeben.

Bildhinweis: Dietmar Bauer / Quelle: Unternehmen
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