21.04.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

21.4.2003: Klimaschutz ade? - BMW setzt auf Wasserstoff aus Erdgas

Laut Daniel Kammerer, bei BMW Leiter des Referats CleanEnergy / Mobilität ist Wasserstoff aus erneuerbaren Energieträgern unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht wettbewerbsfähig. Dies erklärte er in einem Interview mit Finanzen.net. Dennoch seien Forschung und Entwicklung notwendig, um Wirkungsgrade und Kostenstrukturen der Prozesse zu verbessern. Deshalb bleibe "Wasserstoff als Kraftstoff" für BMW ein wichtiges Thema. Kammerer sieht die dringendste politische Aufgabe darin, in der Europäischen Union langfristige stabile Rahmenbedingungen zu erarbeiten, mit denen die Markteinführung des nachhaltigen Energieträgers Wasserstoff gelingt. Er schlägt vor, die Kostenvorteile der Erzeugung von Wasserstoff aus Erdgas dafür zu nutzen, andere Erzeugungswege quer zu subventionieren. Solch ein LH2-Mix - Preis sei immer noch billiger als versteuertes Benzin.

Kammerer führte aus, dass die BMW Group seit dem Beginn der Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen vor 25 Jahren deutliche Fortschritte in der Wasserstofftechnik erzielt habe. Eine Forschungsflotte von 15 Wasserstoff-Fahrzeugen habe erfolgreich über 170.000 km zurückgelegt und damit die technische Machbarkeit bewiesen. Daher wolle man das Projekt CleanEnergy aus der Fahrzeugforschung in die Serienentwicklung transferieren. Ein zukünftiger Schwerpunkt liege in der Serienentwicklung eines Wasserstoffspeichers für tiefkalten, flüssigen (kryogenem) Wasserstoff. Darüber hinaus beschäftige sich das Unternehmen mit der kontrollierten Gemischaufbereitung und einem gesteuerten Verbrennungsablauf des Wasserstoffverbrennungsmotors. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Entwicklung eines umfassenden Sicherheitskonzeptes für Wasserstofffahrzeuge. Dies alles bezeichnete er als notwendige Schritte für die Industrialisierung der Wasserstofftechnologie.

Ferner arbeite BMW an Entwicklung und Aufbau einer Infrastruktur für die Erzeugung, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff. Dies treibe das Unternehmen in zahlreichen Kooperationen mit Partnern aus Politik, Energiewirtschaft und der Automobilindustrie voran. So beteilige sich die BMW Group im Flughafen-Projekt München an der ersten öffentlichen LH2-Wasserstofftankstelle. Ein weiteres Engagement der BMW Group sei im Rahmen eines Tochterprojekts der Verkehrswirtschaftlichen Energiestrategie, der Berliner Clean Energy Partnership geplant. Dort werde mit Unterstützung der Bundesregierung der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur von der Energieerzeugung, der Verteilung über die Tankstelle bis hin zu Feldtests demonstriert. Auf europäischer Ebene bemühe sich BMW zusammen mit Partnern in dem European Integrated Hydrogen Project (EIHP) um die Erstellung der gesetzlichen Grundlage für die Zulassung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge, von Normen und Prüfverfahren sowie der Standardisierung von wasserstoffrelevanten Komponenten.

Gegenwärtig entwickelt BMW nach Kammerers Angaben das ersten Serien-Wasserstofffahrzeug der Welt. Basis dafür sei ein 7er BMW mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Noch in der Lebenszeit des aktuellen 7ers werde BMW die ersten Wasserstoff Fahrzeuge in Kundenhand geben. Die BMW Group sei überzeugt, dass die Einführung des Wasserstoff Antriebs für ein Fahrzeug der Oberklasse erfolgversprechend ist. Kunden dieser Fahrzeugklasse seien besonders aufgeschlossen für innovative Technik. Sie könnten damit als Wegbereiter für die Einführung in den darunter liegenden Marktsegmenten fungieren.
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