21.06.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

21.6.2004: Wochenrückblick: Am EEG-Kompromiss scheiden sich die Geister - mit Windkraft erfolgreich: General Electric und Gamesa - B.A.U.M. ist pleite

Die Aktienindizes haben sich im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert. Der DAX und der TecDAX sowie in den USA der Dow Jones Industrial Average Index lagen jeweils weniger als ein halbes Prozent von ihren Vorwochenwerten entfernt. Einzig der Nasdaq Combined Composite Index gab zwei Prozent nach, während der japanische Nikkei-225 um 0,7 Prozent anstieg.

Der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar war aufs Neue recht volatil. Nach einem Tief von 1,1954 US-Dollar am Montag schloss die europäische Währung mit 1,2137 Dollar ein Prozent stärker als vor einer Woche. Hintergrund könnte die Veröffentlichung der Inflationsdaten in den USA gewesen sein. Der allgemeine Preisauftrieb ist dort vor allem wegen der gestiegenen Ölpreise verhältnismäßig stark ausgefallen. Eine Erhöhung der Leitzinsen könnte die Folge sein. Diese Erwartung stärkte zunächst den Dollar. Das später veröffentlichte Leistungsbilanzdefizit kehrte die Tendenz jedoch wieder um. Der Fehlbetrag hat mit 144,9 Milliarden Dollar im ersten Quartal einen Rekordwert erreicht.


Der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag hat sich auf einen Kompromiss bei der Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) geeinigt. Eine wesentliche Änderung am ursprünglichen Koalitionsentwurf wurde vorgenommen: Künftig soll Windstrom nicht nach den EEG-Sätzen vergütet werden, wenn für die Windkraftanlage vor Inbetriebnahme nicht nachgewiesen ist, dass sie am geplanten Standort mindestens 60 Prozent eines Referenzertrages erzielen kann. Die Länderkammer begründete diesen Passus damit, dass die Errichtung von Windenergieanlagen an "schlechten" Standorten nicht durch das EEG unterstützt werden soll. Stimmt nun der Bundesrat am 9. Juli dem Gesetz abschließend zu, könnte es zum 1. August in Kraft treten. Die Reaktion der Verbände war unterschiedlich. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte die Einigung, die nach seiner Einschätzung von einer breiten politischen Mehrheit getragen wird. Nunmehr könnten Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro gestartet und neue Arbeitsplätze geschaffen werden, so der BEE.
Der Bundesverband WindEnergie hingegen kritisierte vor allem die 60 Prozent-Klausel. Diese werde zu mehr Bürokratie, zu weiteren Verzögerungen beim Ausbau der Windenergie und weniger sauberem Strom führen. Positiv sei lediglich, dass nun endlich wieder Investitionssicherheit für die Windbranche gegeben sei.

Der Energieversorger Vattenfall Europe AG kündigte Investitionen von 300 Millionen Euro in das Höchstspannungsnetz an. Bis zum Jahr 2011 sollen zwei Freileitungen in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gebaut werden. Damit solle die Windenergie technisch marktfähig gemacht werden, hieß es. Vattenfall ist auf der Hauptversammlung von Mitgliedern der Umweltorganisation Robin Wood scharf kritisiert worden. Wegen des Betriebs seiner Braunkohlekraftwerke in Deutschland sei Vattenfall einer der größten CO2-Verschmutzer in Europa. Braunkohle sei der Klimakiller Nummer eins unter den Energieträgern. Der Konzern solle auf erneuerbare Energien umsteigen. Dazu hätte man den Vorstand auf dem Aktionärstreffen aufgefordert, teilte Robin Wood mit.

Die Hamburger Unternehmensberatung B.A.U.M. AG hat Insolvenz angemeldet. Die interne Bar-Kapitalerhöhung habe nicht die festgelegte Mindestzeichnungssumme von 250.000 Stück neuer Aktien erreicht, hieß es. Bereits eingegangene Zeichnungsbeträge seien den Aktionären zurückerstattet worden. Die Londoner Unternehmensgruppe Dmf Technologies Ltd habe sich nicht an die vertragliche Verpflichtung gehalten, die nicht gezeichneten Aktien zu übernehmen. Es sei keine Zahlung eingegangen, teilte B.A.U.M. mit. Die Unternehmen der B.A.U.M.-Gruppe in Hamburg, München / Berlin und Hamm seien als eigenständige Firmen von der Insolvenz nicht betroffen, so die Meldung. Die bereits in der Vorwoche stark eingebrochene B.A.U.M.-Aktie sank um 27 Cent auf 0,33 Euro. Johannes Auge, Geschäftsführer der B.A.U.M. Consult GmbH in Hamm, sprach in einem ECOreporter.de-Interview über die Lage und die Aussichten des Beratungsunternehmens.

GE Energy, Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co., wird 71 Windturbinen der 1,5 Megawatt-Klasse nach Italien liefern. Kunde sei der italienische Stromversorger Enel SpA. 38 der Anlagen sollen noch im laufenden Jahr aufgestellt werden. General Electric liefert eigenen Angaben zufolge seit 80 Jahren Ausrüstungen für die italienische Energiewirtschaft.

Die spanische Zeitung "El País" berichtete über Pläne der Gamesa Corporación Tecnológica, ihre Luftfahrttochter Gamesa Aeronáutica zu verkaufen. Gamesa ist ein spanischer Maschinenbaukonzern mit verschiedenen Geschäftsfeldern. Im Vergleich zu den anderen Sparten ist die Windenergie in den vergangenen Jahren sowohl im Umsatz als auch im Beitrag zum Konzerngewinn stark gewachsen. Allein die Herstellung von Windturbinen machte im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Hinzu kamen erhebliche Summen aus Projektierung und Service von Windparks. Der nun möglicherweise bevorstehende Verkauf der Flugzeugteile-Division könnte ein weiterer Schritt sein, sich künftig ganz auf das hochprofitable Geschäft mit der Windenergie zu konzentrieren. Gamesa gaben in Madrid zwei Prozent auf 12,18 Euro nach.

Der US-amerikanische Solarzellen-Hersteller Evergreen Solar Inc. hofft, aus einer Privatplatzierung junger Aktien Einnahmen im Volumen von 18,5 Millionen Dollar netto zu erzielen. Dazu wird das Unternehmen den Angaben zufolge cirka 7,7 Millionen neue Anteilsscheine zum Preis von 2,61 Dollar ausgeben. Zusätzlich erfolgt die Ausgabe von Optionen (Warrants), die dazu berechtigen, innerhalb von fünf Jahren 2,3 Millionen weitere Aktien zum Preis von 3,34 Dollar zu beziehen. Die Ausübung der Warrants stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Hauptversammlung, hieß es weiter. Mit dem eingeworbenen Geld soll unter anderem die Produktionskapazität auf jährlich 15 Megawatt erhöht werden. Laut der Meldung des Unternehmens soll die Transaktion bereits am heutigen 21. Juni 2004 abgeschlossen werden. Evergreen gaben an der New Yorker Nasdaq sieben Prozent auf 2,78 Dollar nach. Analysten von First Albany die Aktie von "neutral" auf "kaufen" hoch und nannten fünf Dollar als Kursziel.

Die deutsche Photovoltaik-Industrie rechne in diesem Jahr mit einem Wachstum von "deutlich mehr als 50 Prozent". Der Umsatz werde erstmals mehr als eine Milliarde Euro betragen. Das sagte Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie, laut einer Meldung der Agentur dpa.

Die Kurse der deutschen Solarstrom-Unternehmen gaben in der vergangenen Woche durchweg nach. S.A.G. Solarstrom AG, ein Großhändler, Projektierer und Betreiber aus Freiburg, sanken um zehn Prozent auf 4,05 Euro. Die Modulproduzenten Solon AG, Berlin, und Solar-Fabrik AG, Freiburg, verloren 16 beziehungsweise elf Prozent. Geringe Verluste von je zwei Prozent wiesen der Solarzellenhersteller Sunways AG aus Konstanz sowie die SolarWorld AG aus Bonn auf.


CCR Logistics Systems AG, ein Logistik-Anbieter aus München, gab das vorläufige Ergebnis des ersten Quartals bekannt. Verglichen mit dem ersten Quartal des Vorjahres hat der Konzern seinen Umsatz um 5,5 Prozent auf 6,3 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg den Angaben zufolge auf 107.000 Euro. Die CCR-Aktie ist seit dem 8. Juni für den Amtlichen Handel der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Für das nächste Jahr werde der Wechsel in den Prime Standard angestrebt, teilte das Unternehmen weiter mit. CCR, in der Vorwoche stark gefallen, legten 13 Prozent auf 1,50 Euro zu.

Stuart Energy Systems Corp., ein kanadischer Hersteller von Wasserstoff-Infrastrukturtechnik, legte den Jahresabschluss zum 31. März vor. Die kommerziellen Umsätze seien auf 17,9 Millionen Dollar gesteigert worden, verglichen mit 6,5 Millionen im Jahr 2002. Der Nettoverlust lag bei 37,4 Millionen Dollar, nach 34,1 Millionen im Vorjahr. Hierin sei eine Einmalaufwendung von 9,8 Millionen Dollar für die Integration der Vandenborre Technologies enthalten, hieß es. Das Unternehmen hat im gesamten Geschäftsjahr 28,4 Millionen Dollar an Geldmitteln verbraucht; der Bestand an kurzfristigen Mitteln lag am 31. März bei 59,6 Millionen Dollar. Stuart Energy gaben in Toronto zwei Prozent auf 2,70 Kanadische Dollar nach.

Das Ringen um das Dosenpfand in Deutschland geht in eine neue Runde. Rexam plc, Weltmarktführer unter den Herstellern von Getränkedosen, hat nach eigenen Angaben für die Billigmarkt-Kette Netto eine Spezialdose entwickelt. Presseberichten zufolge laufen Tests in vier ostdeutschen Bundesländern, in denen die automatisierte Rücknahme dieser Dosen erprobt wird. Herstellerin der Rücknahmeautomaten sei die norwegische Tomra Systems ASA, schrieb beispielsweise die "Welt".
Früheren Tomra-Angaben zufolge konnten auch die zuvor verkauften Dosen ohne Probleme mit Tomra-Automaten zurückgenommen werden. Die deutschen Einzelhandelsketten hatten es jedoch vorgezogen, Getränke in Standard-Dosen auszulisten und statt dessen auf Mehrweg sowie auf jeweils eigene Kunststoff-Flaschen umzusteigen, die sich nur in Form, Farbe oder Etikett unterschieden. Dies hatte zum einen bei Tomra zu stark anwachsenden Bestellungen aus Deutschland für Mehrweg-Rücknahmeautomaten geführt. Zum anderen nahmen große Ladenketten nur ihre jeweils eigenen Einweg-Flaschen zurück. Diese so genannten Insellösungen erklärte das Landgericht Duisburg im Mai 2004 für teilweise unzulässig. Unter Androhung drastischer Strafen verurteilte das Gericht eine große Ladenkette dazu, auch die Dosen der Konkurrenz zurückzunehmen, sofern sie sich nur geringfügig von den eigenen unterscheiden.
Die nun von Rexam gemeldete Neuentwicklung einer speziellen Netto-Bierdose ist ein erneuter Versuch, die Insel-Systeme aufrecht zu erhalten - und ein Marketing-Instrument der großen Einzelhandelsketten zur Kundenbindung. Rexam wies darauf hin, dass mit der Neuentwicklung nun auch andere Ladenketten die Möglichkeit hätten, Dosen wieder einzulisten und ihre Insel-Lösung beizubehalten. Für Tomra könnte dies erneute Bestellungen aus Deutschland zur Folge haben - diesmal für Dosen-Rücknahmeautomaten. Die Tomra-Aktie kletterte in Oslo um zwölf Prozent auf 30,90 Norwegische Kronen.

Die kanadische Trojan Technologies Inc. meldete einen Auftrag im Wert von cirka einer Million Kanadischen Dollar. Das Trinkwasser der Stadt Cornwall (Provinz Ontario) soll mittels Technik von Trojan aufbereitet werden. Das neue an diesem Auftrag sei, dass das Wasser nicht nur desinfiziert werde, sondern zugleich im Geschmack verbessert werde. Besonders im Spätsommer habe das Trinkwasser oft einen fauligen Geschmack, der von Algen herrühre. Dieser werde nun durch eine Kombinationsbehandlung des Wassers mit UV-Licht und Wasserstoffperoxid beseitigt, teilte Trojan mit. Die Aktie wurde unverändert mit 7,75 Kanadischen Dollar notiert.

Der Kurs des US-amerikanischen Wasseraufbereitungs-Spezialisten Ionics Inc. legte elf Prozent auf 27,66 Dollar zu. Neue Nachrichten aus dem Unternehmen wurden zunächst nicht bekannt. Allerdings gab es eine Hochstufung durch Analysten von Robert W. Baird, die das Papier nun mit "outperform" bewerten.

Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
B.A.U.M. AG (ISIN DE000A0AYX23 / WKN A0AYX2)
CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
Enel SpA (Ente Nazionale Energia Elettrica SpA, ISIN IT0003128367 / WKN 928624)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
Ionics Inc. (ISIN US4622181083 / WKN 855474)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)


Bilder: Pipeline des Ölkonzerns BP; Logo der B.A.U.M. AG; Windkraftanlagen der Gamesa Corporación Tecnológica; Fernwärmeanlage der MVV Energie AG in Mannheim; Pfandrücknahmeautomaten von Tomra Systems ASA


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