21.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

21.9.2004: Deutsche Unternehmen fallen zurück, japanische sind auf dem Vormarsch - ECOreporter.de-Interview mit Alexander Barkawi, SAM Indexes GmbH, zu den Aktualisierungen der Nachhaltigkeitsindices DJSI World und DJSI Stoxx

Zum 20. September wurde die Liste der in den Nachhaltigkeitsindices DJSI World und DJSI Stoxx enthaltenen Unternehmen aktualisiert. Neun deutsche Unternehmen schieden aus, deutsche Neuzugänge gab es nicht. Insgesamt führt der DJSI World über 300 Firmen aus 24 Ländern, der DJSI Stoxx 167 Firmen aus 12 europäischen Staaten. ECOreporter.de befragte Alexander Barkawi, Managing Director bei der Züricher SAM Indexes GmbH, zu den Entwicklungen in Deutschland und den internationalen Tendenzen bei der Nachhaltigkeit von Unternehmen.

ECOreporter.de: Wie ist es zu erklären, dass bei der Aktualisierung zum 20. September neun deutsche Unternehmen aus dem DJSI World beziehungsweise aus dem DJSI Stoxx herausgenommen werden, aber keine deutschen neu aufgenommen werden? Worauf führen Sie es zurück, dass - nach Ihrer Wertung - etliche deutsche Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit mit Unternehmen anderer Nationen nicht Schritt gehalten haben?

Alexander Barkawi: In der Tat signalisieren die Ergebnisse des diesjährigen Reviews, dass in einigen Fällen deutsche Unternehmen im Vergleich zu ihren internationalen Wettbewerbern an Momentum verloren haben. Im Rahmen des Best-in-Class Ansatzes der Dow Jones Sustainability Indexes spielt dieses Momentum eine entscheidende Rolle, denn die relative Positionierung eines Unternehmens innerhalb seiner Branche in bezug auf Nachhaltigkeit ist Grundlage für die Aufnahme in die Indizes: Der DJSI World umfasst die hinsichtlich Sustainability führenden 10 Prozent jeder Branche unter den weltweit größten 2500 Unternehmen. Der europäische DJSI STOXX besteht aus den führenden 20 Prozent der 600 größten Firmen in Europa. Vor diesem Hintergrund bieten die Dow Jones Sustainability Indexes Unternehmen einen Anreiz, sich fortlaufend in bezug auf Nachhaltigkeit zu verbessern. Und sie reflektieren die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen Firmen sich auf diesem Weg befinden. Unternehmen, welche aus den Indizes herausfallen, haben sich somit nicht zwingend verschlechtert, sondern in vielen Fällen lediglich nicht im selben Ausmaß Fortschritte gemacht wie ihre Wettbewerber. Das gilt zu einem großen Teil auch für die deutschen Unternehmen, welche im diesjährigen Review aus den Indizes herausgenommen wurden. Viele dieser Firmen haben in unserer Analyse ein Ergebnis erzielt, welches über dem jeweiligen Industriedurchschnitt liegt. Dass es trotz dieser Resultate bei diesen Unternehmen für die Wiederaufnahme in den DJSI World bzw. den DJSI STOXX nicht gereicht hat, sollte nicht davon ablenken, dass deutsche Unternehmen in den Dow Jones Sustainability Indexes weiterhin überdurchschnittlich vertreten sind. Das gilt sowohl für den DJSI World als auch für den europäischen DJSI STOXX.

ECOreporter.de: Welche Trends werden im Ländervergleich bei der Zusammensetzung des DJSI World beziehungsweise aus dem DJSI Stoxx deutlich?

Alexander Barkawi: Für die meisten Länder ist die Zahl der vertretenen Unternehmen in den Dow Jones Sustainability Indexes weitgehend unverändert geblieben. Spanien hat mit drei neuen Firmen im Index und keiner Löschung seinen Platz sowohl im DJSI World als auch im DJSI STOXX ausgeweitet. Die Zahl japanischer Firmen in unserem Weltindex hat von 35 auf 37 zugenommen. Im Gegensatz dazu wurde aus Schweden nur ein neues Unternehmen aufgenommen, aber drei Firmen aus dem DJSI World und fünf Unternehmen aus dem DJSI STOXX herausgenommen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und die Schweiz sind weiterhin überdurchschnittlich stark vertreten. Die USA haben ein deutliches Untergewicht.

ECOreporter.de: Lassen sich Stärken und Schwächen bestimmten Weltregionen zuordnen? Wo hat sich im Nachhaltigkeitsbereich besonders viel getan?

Alexander Barkawi: Regional sind europäische Unternehmen in vielen Bereichen führend. Das gilt beispielsweise im Umwelt- und Sozialreporting, im Dialog mit Anspruchsgruppen, in Hinblick auf Arbeitsstandards sowie hinsichtlich des Risiko- und Krisenmanagements. Japan übernimmt eine Vorreiterrolle in den Bereichen Umweltmanagementsysteme und Öko-Effizienz. Australische Unternehmen haben besonders gut im Thema Corporate Governance abgeschnitten und Firmen aus USA stehen an der Spitze hinsichtlich Compliance und Verhaltenskodizes. In bezug auf einzelne Aspekte der Nachhaltigkeit ist unter anderem die zunehmende Integration ökologischer und sozialer Standards in Zuliefererketten hervorzuheben. In steigendem Masse geht es dabei mittlerweile nicht nur um die Definition entsprechender Vorgaben für die Zulieferer, sondern auch um die Durchsetzung effektiver Implementierungsmaßnahmen. Trainings bei Zulieferern, Auditierung der entsprechenden Firmen durch Drittparteien und finanzielle Anreize für die Zulieferer zur Einhaltung ökologischer und sozialer Standards sind Beispiele dafür. Fortschritte lassen sich auch im Bereich der Umweltperformance erkennen. Für die Dow Jones Sustainability Indizes untersuchen wir in diesem Zusammenhang unter Berücksichtigung der Umsatzzahlen Unternehmensindikatoren in bezug auf Treibhausgase, Abfall sowie den Energie- und Wasserverbrauch. In sämtlichen Bereichen weisen diese Zahlen nach unten und signalisieren somit eine verbesserte Öko-Effizienz. Von den Effizienzgewinnen, welche beispielsweise im Rahmen eines Faktor-4 oder Faktor-10 Konzepts propagiert werden, sind die untersuchten Unternehmen allerdings noch weit entfernt.

ECOreporter.de: Die Teilnahme japanischer Unternehmen an Ihrem Assessment ist im Vergleich zu 2003 um 40 Prozent gewachsen. Warum schneiden japanische Unternehmen in den SAM-Indices derzeit so besonders gut ab? Spiegelt sich das allgemein im japanischen Umweltbewusstsein wieder?

Alexander Barkawi: Wir erkennen in Japan in der Tat gegenwärtig ein steigendes Interesse am Thema Nachhaltigkeit - sowohl auf Seiten der Firmen als auch bei den Investoren. Japanische Privatanleger sind bereits seit mehreren Jahren in eine Vielzahl japanischer und globaler Sustainability Fonds investiert. Während in mehreren Fällen diese Fonds ausschließlich auf ökologische Aspekte fokussiert waren, nimmt gegenwärtig auch das Interesse an sozialen Fragestellungen zu. Darüber hinaus hat mit der Pensionskasse der Lehrer von Tokio im vergangenen Jahr der erste institutionelle Anleger das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen und damit nicht zuletzt auch ein wichtiges Signal über die Bedeutung des Thema an die Unternehmen gesendet. Seitdem sind weitere institutionelle Investoren in das Thema eingestiegen und eine Reihe neuer Fonds für Privatanleger auf den Markt gebracht worden. Dieser Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen und - nicht zuletzt aufgrund des Umweltfokus der bevorstehenden Weltausstellung 2005 in Aichi - an Momentum gewinnnen.

ECOreporter.de: In welcher Branche hat sich die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen im vergangenen Jahr besonders verbessert? In welcher Branche gibt es Stagnation oder Rückschritte?

Alexander Barkawi: Wir sehen in allen Branchen Verbesserungen, erkennen aber auch überall weiterhin große Potentiale für weitere Fortschritte.

ECOreporter.de: Wie hoch ist die Rücklaufquote bei Ihren Fragebogenaktionen, mit denen Sie die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen messen: Weigern sich auch Unternehmen, zu antworten?

Alexander Barkawi: Unternehmen werden sich in der Regel immer die Frage stellen, wie wahrscheinlich für sie eine Aufnahme in die Dow Jones Sustainability Indexes ist und auf dieser Basis entscheiden, am Assessment teilzunehmen und die dafür erforderliche Zeit einzusetzen. Von den 2.500 Unternehmen, welche dieses Jahr zur Teilnahme am Assessment eingeladen wurden, haben 522 Firmen aktiv teilgenommen. Das entspricht einer Rücklaufquote von knapp über 20 Prozent. Zusätzlich haben wir auf Basis öffentlicher Informationen weitere 487 Unternehmen analysiert und somit in diesem Jahr insgesamt fast 1000 Firmen untersucht.

ECOreporter.de: Herr Barkawi, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweise: Alexander Barkawi/ Quelle: SAM Indexes GmbH; Fahrzeug von Toyota, Branchenprimus der Automobilindustrie / Quelle: Unternehmen
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