22.11.04 Erneuerbare Energie

22.11.2004: Studie der Bank Sarasin: "Solarenergie - ungetrübter Sonnenschein?"

Die Bank Sarasin hat eine neue Studie zu weltweiten Solarenergie-Märkten vor gelegt. Die negativen Schlagzeilen über die Folgen des weltweiten Energieverbrauchs häuften sich, so Sarasin: Die Arktis schmelze schneller als erwartet, der Meeresspiegel steige stetig und die Lage auf dem Ölmarkt spitze sich weiter zu. Zum Abschluss der deutsch-britischen Klimakonferenz in Berlin habe Klaus Töpfer, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, gefordert, dass sich "unsere Energieversorgung strukturell verändern" müsse. Die neue Solarstudie der Bank Sarasin gebe Anlass zu Optimismus und zeige, dass die weltweite Photovoltaik- und Solarthermie-Industrie boome. Spitzenreiter unter den erneuerbaren Energien bleibe die Solarwärme. Dies unterstreiche die jüngst verabschiedete Leistungsangabe für Solarthermie in Megawattstunden, die Solarwärme, Windenergie und Photovoltaik direkt vergleichbar mache.

Nach einer im August durchgeführten, repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts zu Umweltfragen, so die Bank weiter, bewerten 90 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verschwendung der Energievorräte als das größte Umweltproblem. Weltweit explodiere der Energieverbrauch, insbesondere in Asien. Dessen Anteil am Weltenergieverbrauch steige bis 2030 laut der internationalen Energieagentur auf 29 Prozent. Nach heutigem Stand stünden die globalen Öl- und Gasvorräte noch maximal 60 Jahre zur Verfügung. Ein Wachstum der regenerativen Energien sei deshalb eine Voraussetzung, um der drohenden Energieknappheit erfolgreich zu begegnen. Die neue Sarasin-Studie "Solarenergie - ungetrübter Sonnenschein?" zeige, dass sich die Marktzahlen für Solarenergie weltweit positiv entwickelten. Dies betreffe die Solarthermie sowie die Photovoltaik und auch verstärkt die solarthermischen Kraftwerke.

Neuer Umrechnungsfaktor unterstreicht Bedeutung der Solarthermie
Um unterschiedliche Arten erneuerbarer Energien ab sofort direkt miteinander vergleichen zu können, haben laut der Meldung führende Interessenvereinigungen am 10. November einen neuen Umrechnungsfaktor für Solarthermie bekannt gegeben. Wie bereits bei Photovoltaik und Windenergie wird ab sofort auch die Leistungsfähigkeit von Solarwärme in Megawattstunden angegeben. Die European Solar Thermal Industry Federation (ESTIF) und das International Energy Agency"s Solar Heating and Cooling Programme (IEA SHC) definierten 0,7 kWth/m2 als Umrechnungsfaktor. Demzufolge betrug die bis Ende 2003 weltweit installierte Kapazität von Solarthermie rund 60 Gigawattstunden, wogegen die Kapazitäten von Windenergie mit 40 Gigawattstunden und Photovoltaik mit 1,8 Gigawattstunden deutlich zurückblieben.



Deutschland als Motor des weltweiten Wachstums
Dank der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), nach der sich Solarstromanlagen allein über die Einspeisevergütung rentieren, und der hohen Akzeptanz für Solarenergie in der Bevölkerung ist Deutschland im Markt der Solarzellen und -module zum Motor des weltweiten Wachstums geworden. "Die Photovoltaik-Industrie wird deshalb in diesem Jahr ein noch nie gesehenes Wachstum aufweisen", erklärt Andreas Knörzer, Leiter Sustainable Investment bei der Bank Sarasin. Ende 2004 wird die Schallgrenze von einem Gigawatt produzierter Solarzellen erstmals durchbrochen. In diesem Jahr wird ein Rekordwachstum von 50 Prozent erreicht.

In Deutschland ist eine gewisse künftige Abschwächung der Marktentwicklung jedoch wahrscheinlich. Die Kapazitäten der deutschen Zell- und Modulhersteller wachsen stärker als der heimische Markt, und zudem nimmt die Konkurrenz aus Japan zu. Ähnlich wie in Deutschland wird auch dort mehr produziert als der Heimmarkt benötigt, so dass die japanischen Hersteller zunehmend auf den Exportmarkt angewiesen sind. Die verlässlichen Förderbedingungen in Deutschland im Rahmen des EEG sorgen jedoch dafür, dass die Perspektiven grundsätzlich positiv bleiben.
International ist das Potenzial hingegen noch lange nicht ausgereizt: Da sich beispielsweise der US-amerikanische Markt für Solarenergie gerade erst im Umbruch befindet, prognostiziert die Bank Sarasin der Photovoltaik bis zum Jahr 2020 international ein durchschnittliches Wachstum von 13 Prozent. Voraussetzung hierfür ist aber, dass auch weiterhin genügend Silizium als Rohstoff zur Verfügung steht. Der steigende Bedarf der sich erholenden Halbleiterindustrie macht vorübergehende Engpässe und Preissteigerungen denkbar. Erste Fabriken für spezifisches Solarsilizium haben als Ausgleich aber bereits mit der Produktion begonnen.



China ist wichtigster Markt für Solarthermie
Auch der Markt für Solarthermie-Anlagen wächst: Die weltweit neu installierte Kollektorfläche wuchs im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 12,9 Millionen Quadratmeter. Dass drei Viertel dieser Fläche auf China entfallen, unterstreicht die steigende Bedeutung des chinesischen Marktes für die Solarenergie. Bis 2010 werden sich die weltweiten Wachstumsraten der Solarthermie laut Sarasin-Studie kontinuierlich zwischen 17 und 20 Prozent bewegen. Motor hierfür sind auch neue Technologien wie solares Kühlen und Hybridanlagen. In Europa, das von den Märkten in Deutschland, Griechenland und Österreich dominiert wird, schwächt sich das Wachstum dagegen deutlich ab. Wuchs der gesamteuropäische Markt 2003 noch um 25 Prozent, werden es in diesem Jahr nur noch sieben Prozent sein. Im deutschen Markt, in dem die vermeintlich unspektakuläre Solarwärme mit der populären Photovoltaik-Technik konkurriert, beträgt das Wachstum bereits in diesem Jahr nur noch zwei Prozent.

Solarthermische Kraftwerke als Ersatz für Kernenergie
Schon im vergangenen Jahr wurde deutlich, dass die solarthermische Kraftwerkstechnologie wieder stärker in den Blickpunkt von Politik und Investoren gerückt ist. Technologische Neuerungen und verbesserte energiepolitische Rahmenbedingungen in sonnenverwöhnten Ländern wie den USA und Spanien haben zu einer Reihe von Projekten geführt, deren Inbetriebnahme noch vor Ende dieses Jahrzehnts rund drei Gigawatt Leistung ermöglichen könnten. Allerdings befinden sich die meisten dieser Projekte noch in einem sehr frühen Planungsstadium. "Wir geben deshalb für solarthermische Kraftwerke keine eigene Prognose ab, obwohl wir an das langfristige Potenzial dieser Technologie glauben", so Dr. Matthias Fawer-Wasser, Autor der Studie und Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin. "Aus unserer Sicht ist sie die einzige solare Technologieoption, die auf lange Sicht konventionelle thermische oder nukleare Kraftwerke ersetzen könnte."

Gebremstes Wachstum trotz attraktiver Förderbedingungen
Die aktuellen Marktdaten und Prognosen für die analysierten Bereiche zeigen, dass sich die Solarenergie weltweit weiterhin im Aufwind befindet. Es herrscht im Ausland also durchaus der "ungetrübte Sonnenschein", den die Sarasin-Studie im Titel trägt. Gerade die Marktzahlen für Solarwärmeanlagen aus China belegen, dass die vielfach mit Sorgen betrachtete explodierende Energienachfrage in Asien auch Chancen für die Solarenergie bietet. In diese Richtung weist auch die unlängst veröffentlichte ehrgeizige Vorgabe Pekings, den Energiebedarf des eigenen Landes schon 2010 zu zehn Prozent mit erneuerbaren Energien zu decken.

Auf Deutschland bezogen trifft diese Entwicklung allerdings nur bedingt zu. Zwar wird vermutlich die Zahl großer Photovoltaik-Freiflächenanlagen in nächster Zeit stark zunehmen, es ist jedoch zu erwarten, dass der rasche Kapazitätsausbau dem gegenwärtigen Wachstum vorauseilt. "Wir erwarten, dass der Verkäufermarkt in Deutschland bald in einen Käufermarkt umkippen wird", so Dr. Matthias Fawer-Wasser, "die Konkurrenzsituation wird sich daher ganz empfindlich verschärfen." Dies ist eine Entwicklung, in der die Solarthermie-Industrie bereits angekommen zu sein scheint. Trotz der weltweit wohl attraktivsten Förderbedingungen bleibt der deutschen Solar-Industrie in dieser Situation wohl nur der Ausweg über den Exportmarkt.

Die Sarasin-Studie "Solarenergie - ungetrübter Sonnenschein?" ist erhältlich bei:
fischerAppelt Kommunikation München GmbH, Kirsten Stiller, Tel.: +49 (0)89 74 74 66 25, E-Mail: kis@fischerappelt.de


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