22.11.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.11.2005: Schon zwei Biodieselunternehmen an der B?rse - Vergleich und Markt?berblick

Zwei Hersteller von Biodiesel sind innerhalb von wenigen Wochen in Deutschland an die B?rse gegangen: Die European Oil Products Biodiesel AG (EOP) mit Sitz im brandenburgischen Falkenhagen und die Biopetrol Industries AG im schweizerischen Zug. Beide Unternehmen sind noch nicht sehr alt, beide wollen in den n?chsten Jahren kr?ftig wachsen.
Die im Dezember 2004 gegr?ndete EOP plant den Bau einer weiteren Biodiesel-Produktionsanlage an ihrem Stammsitz. Daf?r wollen die Brandenburger die rund 23 Millionen Euro einsetzen, die sie beim B?rsengang im September 2005 eingenommen haben. "Damit verdoppeln wir unsere Kapazit?t auf dann 65.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr, ein weiterer Kapazit?tsausbau ist nicht ausgeschlossen", sagt EOP-Vorstand und Gr?nder Sven Sch?n. Das neue Werk soll nach Unternehmensangaben Anfang 2007 in Betrieb gehen. Mit einer aktuellen Produktionsleistung von rund 30.000 Tonnen Biodiesel und cirka 3000 Tonnen technischem Glycerin rangiert EOP derzeit auf Platz 16 unter den deutschen Biodiesel-Produzenten, weit hinter dem Marktf?hrer ADM. Der US-Konzern ist in Deutschland mit der ADM-Oelm?hle Hamburg und der ADM-Oelm?hle Leer Connemann der f?hrende Produzent von Biodiesel.

Der b?rsennotierte Mitbewerber Biopetrol Industries AG spielt mit einem j?hrlichen Aussto? von 150.000 Tonnen Biodiesel sowie 30.000 Tonnen Pharmaglycerin in einer anderen Liga. Das Unternehmen, das zu 73,5 Prozent der D?sseldorfer Unternehmerfamilie Klink geh?rt, hat zwar seinen Sitz in der Schweiz, Vertrieb, Beschaffung, Technik, Produktion und Logistik werden jedoch von der 100-prozentigen Tochter Biopetrol Industries GmbH in D?sseldorf gesteuert. Produziert wird wiederum am Standort Schwarzheide in Brandenburg. Die im Besitz der Familie Klink befindliche WBL Holding GmbH hat das hochmoderne Werk im Juli 2004 von der insolventen Nevest AG gekauft, einst eine Tochtergesellschaft der Umweltkontor Renewable Energy AG (Lesen Sie dazu unsere Berichte vom 29. April und 1. September 2004).
Auch die Biopetrol hat umfangreiche Wachstumspl?ne: Laut Christoph Dicks, Chief Executive Officer (CEO) der Gesellschaft, soll die Gesamtkapazit?t der Biopetrol-Gruppe bis zum Jahr 2008 auf rund 750.000 Tonnen Biodiesel sowie 70.000 Tonnen Pharmaglycerin j?hrlich aus vier Produktionsstandorten wachsen. Finanzieren will das Unternehmen die Expansion mit den Erl?sen aus einer Kapitalerh?hung um sieben Millionen Aktien, die vor dem B?rsengang platziert wurde. Der Emissionserl?s lag laut dem Unternehmen bei 57,4 Millionen Euro. Ein zweites Werk werde derzeit in Rostock gebaut, so Biopetrol, ein drittes sei in Deutschland sowie ein viertes in Benelux vorgesehen.

Neben ADM sind die wichtigsten nicht b?rsennotierten Konkurrenten der EOP und der Biopetrol die NEW Natural Energy West GmbH (225.000 Tonnen Kapazit?t pro Jahr), die MUW Mitteldeutsche Umesterungswerke GmbH (150.000 Tonnen) und die BIO-Diesel Wittenberge GmbH (100.000 Tonnen). Zus?tzliche Konkurrenz kommt aus den USA: So will der Gro?konzern Cargill, Hersteller von hochwertigen Rohstoffen für die Ern?hrungsindustrie aus Minneapolis, Minnesota, verst?rkt auf das Gesch?ft mit Biodiesel setzen. Cargill plant, im August 2006 bei Frankfurt eine Anlage für 200.000 Tonnen Jahresproduktion in Betrieb zu nehmen.

Die Biopetrol Industries AG hat ihre sieben Millionen privat platzierten Aktien für je 8,20 Euro abgegeben. Auf der Grundlage des Ausgabepreises ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 300 Millionen Euro. Der wurde am ersten B?rsenhandelstag sogar noch ein wenig gesteigert: Biopetrol notierten in Frankfurt zuletzt für 8,27 Euro (21.11.2005, 17:28 Uhr), daraus errechnet sich bei 37 Millionen Aktien ein Unternehmenswert von 306 Millionen Euro. Auf knapp ein Sechstel dieser Marktkapitalisierung bringt es demgegen?ber die EOP Biodiesel AG. Das Falkenhagener Unternehmen hat 5,05 Millionen Aktien ausgegeben, für die Papiere wurden zuletzt 9,90 Euro bezahlt (Xetra; 21.11.2005, 17:36 Uhr), der Marktwert bel?uft sich damit auf 50 Millionen Euro.

Nicht nur die Gr??e unterscheidet die beiden b?rsennotierten Aktiengesellschaften: Ihre Eigent?merstruktur ist regelrecht spiegelverkehrt. Hat bei Biopetrol ganz klar die D?sseldorfer Familie Klink das Sagen, die fast dreiviertel der Anteilscheine besitzt, so ist es bei EOP der Streubesitz. 77,5 Prozent der Aktien sind in H?nden freier Aktion?re und auch die verbleibenden 23 Prozent geh?ren unterschiedlichen Parteien: 8,62 Prozent h?lt die Familie von Vorstand Sch?n, 7,92 Prozent die US-amerikanische SF Leasing Corp. Utah und 5,94 Prozent die Deutsche Kreditbank.

Wie sind die Prognosen der Biodieselhersteller für das laufende Gesch?ftsjahr? Matthias Kasper, Vorstand der Frankfurter equinet Communications und Sprecher der Biopetrol Industries AG, will sich dazu nicht ?u?ern. Er verweist auf die Kapitalerh?hung, die das Unternehmen kurz vor dem B?rsengang durchf?hrte, es best?nden Auflagen, die die Informationsm?glichkeiten stark einschr?nkten. Offizielle Sprachregelung: "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt ?ffentlich noch keine Guidance zur gesch?ftlichen Entwicklung - au?er die im Internet einsehbaren Prognosen - gegeben hat."
Laut einem Bericht der Anlegerzeitschrift "Der Aktion?r" will Biopetrol in den kommenden Jahren rund 90 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion investieren. Der Umsatz solle von 83 Millionen Euro im laufenden Gesch?ftsjahr bis 2008 auf ?ber 300 Millionen Euro steigen. Gleichzeitig solle das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von f?nf Millionen Euro auf mehr als 50 Millionen Euro springen.
Unternehmensnahe Kreise gaben sich gegen?ber ECOreporter.de zur?ckhaltender: Angesichts der politischen Situation seien langfristige Prognosen nicht gen?gend belastbar, hie? es. F?r 2005 rechne man mit einem Umsatz im Volumen von 80 Millionen Euro, die EBIT-Marge werde auf 6 Prozent gesch?tzt. In 2006 k?nnten die Erl?se auf 130 Millionen Euro wachsen, bei einer auf 7 Prozent verbesserten Marge. Das EBIT w?rde demnach im laufenden Gesch?ftsjahr bei 4,8 Millionen Euro liegen und 2006 auf 9,1 Millionen Euro klettern.

Christian Dose, ebenfalls bei equinet, ist für die ?ffentlichkeitsarbeit der EOP Biodiesel AG verantwortlich. Laut dem Sprecher erwartet die EOP für das laufende Gesch?ftsjahr 2005/06 einen Umsatz auf Vorjahresniveau - der belief sich auf 30,59 Millionen Euro. Finanzvorstand Karl-Wilhelm Giersberg rechne mit einem Jahres?berschuss von ?ber einer Million Euro. Im Gesch?ftsjahr 2004/05 hatten die Falkenhagener ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 0,9 Millionen Euro und einen Jahres?berschuss von 0,03 Millionen Euro verbucht.

Beide Unternehmen d?rften von der zurzeit stark steigenden Nachfrage nach Biodiesel profitieren. Die ist zum einen eine Folge der gestiegenen Benzinpreise; die Autofahrer halten vermehrt Ausschau nach billigeren Alternativen. Zum anderen ist die Beimischung von bis zu f?nf Prozent Biotreibstoff zum herk?mmlichen Treibstoff aus Erd?l seit 2004 von der Mineral?lsteuer befreit. Die EU-Kommission hat daher das Ziel ausgegeben, den Marktanteil von Biokraftstoff bis 2005 auf 2 Prozent und bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent zu erh?hen.
In Deutschland hat sich der Biodiesel-Absatz in den vergangenen drei Jahren auf gut 1,4 Millionen Tonnen mehr als verdreifacht: Deutschland ist Biodiesel-Europameister. F?r 2005 erwartet der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) einen Absatzanstieg auf 1,65 Millionen Tonnen.

Biodiesel wird hierzulande vorwiegend aus nat?rlichem Raps?l hergestellt. Nach Angaben des VDB baut man allein in diesem Jahr daf?r bundesweit Raps auf einer Fl?che von ca. 680.000 Hektar an. Doch gro?fl?chige Monokulturen haben erhebliche ?kologische Belastungen zur Folge. "Mindeststandards beim Anbau, wie zum Beispiel der Verzicht auf Agro-Gentechnik, sind notwendig, um den guten Ruf der nachwachsenden Rohstoffe nicht zu ruinieren", erkl?rt Florian Sch?ne, beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Referent für Agrarpolitik .Er fordert, "Mischkulturen wie Lupinen-Sonnenblumen-Gemenge sowie mehrj?hrige Kulturen wie Schilfgras zu schaffen, die mehr Artenvielfalt erm?glichen" und weniger D?ngemittel einzusetzen. Dr. Andreas Ostermeier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Emissionsminderung und Energieeinsparung im Verkehr beim Umweltbundesamt, sieht zumindest eine positive Energiebilanz: "Die Herstellung von Biodiesel bringt mehr Energie als zu seiner Erzeugung an fossilen Energien aufgewendet werden muss; mit einer Tonne Erd?l kann man etwa drei bis vier Tonnen Biodiesel erzeugen."

Dem Beitrag von Biotreibstoffen zum Klimaschutz sind in Deutschland allerdings Grenzen gesetzt. Werner Landwehr, bei der Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank verantwortlicher Bereichsleiter für das Kreditgesch?ft, sagt , bei nachwachsenden Rohstoffen für die Produktion von Biotreibstoff gebe es bereits ?berkapazit?ten. Der Bedarf sei l?ngst nicht so gro?, wie gehofft werde. Schlie?lich gebe es nur für einen kleinen Anteil der Fahrzeuge eine Herstellerfreigabe zum Betanken mit Biodiesel. Bei PKW sei dieser nicht nur verschwindend gering, sondern sogar r?ckl?ufig. Hauptabnehmer von Biodiesel seien und blieben die Flottenbetreiber des Transportgewerbes, die für ihre Busse und Lastwagen ?ber eine eigene Betankung verf?gen.
EOP-Chef Sch?n sieht die Vorteile der Sepditeure ?hnlich: "Ein 40-Tonner-LKW verbraucht cirka 33 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer; mit Biodiesel spart die Spedition immerhin ca. 15 Cent pro Liter." Er verweist aber darauf, dass der private Fahrer pro Liter ?hnlich viel spare.

Landwehr rechnet in Deutschland eher mit einer Konsolidierung des Marktes, nicht mit einer st?rmischen Expansion. Die GLS-Gemeinschaftsbank gehe als Kreditgeber gar nicht mehr in diesen Bereich hinein. EOP-Vorstand Sch?n dagegen meint: "Die Nachfrage nach Biodiesel ist da, und sie steigt weiter an." Die EOP-Produktion sei im laufenden Gesch?ftsjahr zu 80 Prozent fest verkauft.

Biopetrol Industries AG: ISIN CH0023225938 / WKN A0HNQ5
EOP Biodiesel AG: ISIN DE000A0DP374 / WKN A0DP37

Bilder: EOP-Chef Sch?ne; Mitarbeiter der Biopetrol Industries AG; EOP-Finanzvorstand Giersberg; Biodieselanlage der Biopetrol in Schwarzheide / Quelle: Unternehmen
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