22.01.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.1.2003: Deutsche Stahlindustrie soll durch Nachhaltigkeit überleben

Nach Einschätzung des Klimaforschers und Umweltpolitikers Ernst Ulrich von Weizsäcker hat die Stahlindustrie in Sachen Umweltschutz bereits Hervorragendes geleistet. Sie müsse allerdings noch einen Schritt weiter gehen und sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Wie das Handelsblatt berichtet teilt die Branche dieses Urteil. Zumindest die deutsche Stahlindustrie hat demnach damit begonnen, ihr Überleben durch nachhaltiges, Wachstum mit ökologischer und sozialer Verantwortung verbindendes Wirtschaften zu sichern.

"Nachhaltiges Wirtschaften hat für uns einen sehr hohen Stellenwert", erklärt beispielsweise Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Ende 2001 hatte der Verband ein "Leitbild Nachhaltigkeit Stahl" veröffentlicht, dieses im Oktober 2002 um 21 Indikatoren ergänzt, an denen sich die Branche messen lassen möchte. Bis zum März will er konkrete ökonomische, ökologische und soziale Ziele formulieren. Für den Sommer sind Empfehlungen zu neuen Managementformen angekündigt, die für nachhaltiges Wirtschaften erforderlich sind. Darüber hinaus will Dieter Ameling die deutschen Hersteller dazu bewegen, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen. Für dieses Jahr sei das noch illusorisch, aber vielleicht in zwei bis drei Jahren zu schaffen. Die Aufnahme von VW in den Nachhaltigkeitsindex Aspi Eurozone oder DaimlerChrysler in den Dow Jones Sustainability Index (DJSGI) übt dem Verbands-Chef zufolge Druck auf die Stahlproduzenten aus, ihrerseits Transparenz und Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Thyssen-Krupp etwa sei bereits vor kurzem Mitglied des Forums der deutschen Wirtschaft für Nachhaltigkeit "Econsense" geworden, der Salzgitter-Konzern wolle ihm folgen.

Dieter Ameling nimmt an, dass das Beispiel des kanadischen Unternehmens Dofasco Schule machen wird, das als einziger Stahlproduzent im DJSGI gelistet ist. Dofasco sei aufgrund seiner Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltprogramme soeben zum dritten Mal in Folge zum vorbildlichsten Unternehmen im Grundstoffsekor ernannt sowie mehrfach für seine Nachhaltigkeitspolitik ausgezeichnet worden. Er verweist darauf, dass die deutsche Stahlindustrie seit 1960 den Ausstoß von Kohlendioxid um die Hälfte und die Staubemissionen um 90 Prozent gesenkt hat. Die Branche habe sich verpflichtet, bis 2012 den CO2-Ausstoß mit 22 Prozent pro Produkteinheit zu senken, also weit über das im Kyoto-Protokoll vereinbarte Maß hinaus. Zudem sei Stahl ein nachhaltiges Produkt, da es langlebig sei und der anfallende Primärrohstoffverbrauch gering. Dass die Branche vergleichsweise ressourcenschonend arbeitet wurde ihr unter anderem auch durch von Weizsäcker bescheinigt. Der Rohstoffbedarf werde zu fast 50 Prozent durch Receycling von fast vollständig wiederverwertbaren Stahlschrott gedeckt. Zudem hebt sich der Eisenerzbergbau unter ökologischen Aspekten laut Andreas Bernstorff von Greenpeace positiv von anderen Bergbauprodukten ab.

Allerdings räumt Dieter Ameling ein, dass im Falle einer Hochkonjunktur die Emissionen absolut steigen könnten, entgegen der im Vertrag von Kyoto festgeschriebenen Senkung. Doch für eine unerwartete Nachfrage könne man die Branche schließlich nicht bestrafen. Er gibt zu, dass die Konjunkturabhängigkeit und die geringe Rentabilität der Stahlindustrie Investitionen in Nachhaltigkeit bremsen könnten, warnt aber vor den gesamtwirtschaftlichen Folgen, sollte bei einem allzu rigiden Strukturwandel die energieintensive Altindustrie auf der Strecke bleiben. Und er kritisiert entsprechende Vorschläge des Sachverständigenrates des Bundesumweltministeriums. Auch die Zweischneidigkeit verbesserter Produktionstechniken kann der Verbandschef nicht leugnen. So verringern sie zwar die Unfallgefahr, sind jedoch auch mit Arbeitsplatzverlusten verbunden. Außerdem wächst zwar seinen Angaben zufolge unter den Zulieferern der deutschen Stahlkocher ein nachhaltiges Bewußtsein. Doch noch immer gehört zu diesen auch ein Bergbaukonzern wie Rio Tinto. Dem weltgrößten Bergbaukonzern werden seit Jahren immer wieder Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte, die Missachtung einheimischer Bevölkerung sowie die Verursachung von Umweltschäden vorgeworfen.
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