22.12.04 Erneuerbare Energie

22.12.2004: "Jedes Unternehmen mit einer spannenden Technologie, einem potentiell großen Markt, nachweislicher Kundenbindung und einem guten Management Team ist uns herzlich willkommen" - ECOreporter.de-Interview mit Dr. Christian Rei

Die Private Equity Gesellschaft Apax Partners GmbH besteht eigenen Angaben zufolge seit über 30 Jahren. Das Unternehmen mit Sitz in München berät derzeit ein Fondsvermögen von zwölf Milliarden Euro. Die Münchener Private Equity Investoren haben sich an mehr als 500 Unternehmen weltweit beteiligt, darunter auch der ostdeutsche Hersteller von Solarzellen Q-Cells. ECOreporter.de sprach mit Dr. Christian Reitberger, über die Möglichkeiten und Chancen von Private Equity Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien. Der Physiker war maßgeblich an der Entscheidung von Apax Partners beteiligt, in Q-Cells zu investieren.


ECOreporter.de: Herr Reitberger, Ihr Unternehmen hat sich an dem Solarzellenhersteller Q-Cells AG beteiligt. Wie lange halten Sie normalerweise Ihre Anteile an Start ups wie Q-Cells. Werden Sie das Unternehmen bis zu einem möglichen Börsengang begleiten?

Christian Reitberger: Die Apax Fonds halten Beteiligungen typischerweise zwischen vier und sechs Jahren. Dabei ist das Ziel, eine signifikante Wertsteigerung zu erreichen, bevor eine Veräußerung der Anteile entweder nach einem Börsengang (in einer Sekundäremission) oder durch den Weiterverkauf der Unternehmensanteile an einen strategischen Käufer ("Trade sale") oder an das Management Team ("MBO") erfolgt. Dieser Zeitraum kann sowohl deutlich über- wie auch leicht unterschritten werden und hängt sehr stark von der spezifischen Unternehmenssituation ab. Falls sich für Q-Cells ein Börsengang als das beste Instrument zur weiteren Finanzierung des Wachstums herausstellt, werden die Apax Fonds bis dahin, und wahrscheinlich noch einige Quartale danach an ihrem Engagement festhalten.


ECOreporter.de: Was hat den Ausschlag für Ihr Investment bei Q-Cells gegeben?

Reitberger: Apax Partners riet den Apax Fonds zum Investment bei Q-Cells, da das Unternehmen nachweislich Erfolge in der Weiterentwicklung von Techniken zur hochautomatisierten Zellfertigung vorzuweisen hatte. Q-Cells entwickelt sich momentan zusätzlich vom "execution play" (Anmerkung der Red.: Modernisierer in der Fertigung) hin zu einem "innovation play" (Entwickler, Erfinder) und wird neben schierer Kapazitätserweiterung auch einige sehr spannende Technologieentwicklungen vorzuzeigen haben. Ein extrem schnell wachsender Markt, ein fokussiertes und engagiertes Management Team und nachweisliche Erfolge in der Umsetzung - mehr kann man als Investor kaum verlangen.


ECOreporter.de: Ist die Branche der Erneuerbaren Energien insgesamt aus Ihrer Sicht ein attraktives Feld für weitere Engagements?

Reitberger: Diese Frage ist sehr differenziert zu beantworten. Wir haben uns den gesamten Energiesektor entlang der Wertschöpfungskette angeschaut und nach interessanten Investitionszielen geforscht. Im Bereich der Erneuerbaren Energien haben wir einige Technologiesegmente gefunden, die eine starke Wachstumsdynamik, ein beherrschbares Wettbewerbsumfeld und spannende Kerntechnologien aufweisen. Das sind aber nur recht wenige Segmente und wir würden uns schwer tun, zum Beispiel eine eigene Gruppe ausschließlich auf dieses Gebiet anzusetzen.


ECOreporter.de: In welchen Bereichen sehen Sie neben der Photovoltaik das größte Potenzial?

Reitberger: Wir haben im Windbereich einige spannende Unternehmen gefunden, und sehen uns auch in der Energiespeicherung und dezentralen Energieumwandlung um. Des weiteren könnten Nachwachsende Rohstoffe interessante Geschäftsmodelle mit Wachstumspotential zulassen. Wir sind aber generell offen für jedes Team, das mit einer guten Idee zu uns kommt.


ECOreporter.de: Welche Auswahlkriterien muss ein Unternehmen erfüllen, an dem sich Apax Partners beteiligt?

Reitberger: Die Apax Fonds investieren entlang eines sehr breiten Spektrums der Unternehmensentwicklung. Das erfasst etablierte Startups mit ersten Umsätzen ebenso wie Wachstumsunternehmen mit ersten Gewinnen oder große etablierten Unternehmen mit stabilen Cash flows. Die Fonds können sich aufgrund ihrer schieren Größe - sie verwalten mehr als vier Milliarden Euro - leider nicht bei ganz jungen Startups im Sinne einer Seed- oder Erstrunden-Finanzierung engagieren. Das würde zu einem unüberschaubaren Portfolio von Klein-Investments führen.

Jedes Unternehmen mit einer spannenden Technologie, einem potentiell großen Markt, nachweislicher Kundenbindung und einem guten Management Team ist uns herzlich willkommen.


ECOreporter.de: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen der Apax und den Gesellschaften, an denen Sie sich beteiligen konkret? Sind Sie über die Bereitstellung der Mittel hinaus beratend tätig. In weit sind Sie über das aktuelle operative Geschäft der Unternehmen informiert?

Reitberger: Apax Partners berät die Apax Fonds bei Ihren Investitionstätigkeiten. Nach einer Investition bitten die Apax Fonds den am besten qualifizierten Mitarbeiter von Apax Partners, im Aufsichtsrat oder Beirat der Unternehmen mitzuwirken. Der Aufsichtsrat bringt seine mehrjährige Erfahrung im Aufbau schnell wachsender Unternehmen, seine Industriekontakte und natürlich auch Kontakte zu Dienstleistern vor allem im Human Resources Bereich ein. Apax Aufsichtsräte sind typischerweise außerordentlich aktive Aufsichtsräte und sehr genau über das operative Geschäft informiert.
Klar ist aber auch, dass das Management eines Unternehmens völlig in der Hand des operativen Teams liegt - hier gibt es eine ganz klare Trennung zwischen Operative und Aufsichtsrat und keine Einmischung in das Tagesgeschäft.

ECOreporter.de: Herr Reitberger, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Dr. Christian Reitberger, Apax Partners GmbH / Quelle: Unternehmen


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